Zum Inhalt springen

Unternehmer Fürstner entwickelt Modellprojekt

In Wismar entsteht ein innovatives Wohnquartier nach dem QNG-Standard. Oliver Fürstner beleuchtet die Herausforderungen und Chancen nachhaltigen Bauens.

Von ABZ

Wismar (ABZ). – In Wismar entsteht eines der ersten zusammenhängenden Wohnquartiere Deutschlands nach dem QNG-Standard (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude).

Das Quartier Gut Klußer Mühle umfasst rund 100 Wohnungen in Holzbauweise mit Photovoltaik und eigenem Nahwärmenetz. Projektentwickler ist der Hamburger Unternehmer Oliver Fürstner.

Das Projekt auf dem historischen Gutshof im südlichen Stadtgebiet von Wismar soll energieeffiziente Mietwohnungen und mehrere Gewerbeeinheiten im QNG-Standard umfassen. Die Energieversorgung erfolgt über Photovoltaik, Wärmepumpen und ein lokales Nahwärmenetz.

Fürstner, der neben seiner Tätigkeit als Investor und Geschäftsführer in der Internetbranche auch als Immobilienentwickler aktiv ist, orientiert sich nach eigenen Angaben konsequent an ESG-Standards. Als 2024 das Investitionserleichterungsgesetz den Bundesrat passierte, sah er darin neue Möglichkeiten: 50 Prozent steuerliche Sonderabschreibung auf die Gebäudekosten in Kombination mit der Steuerfreiheit der Veräußerungsgewinne nach zehn Jahren.

Der Weg zur Umsetzung war laut Fürstner steinig. In den vergangenen drei Jahren arbeitete er sich in die Materie der nachhaltigen Bauweise ein. "Ich habe mich intensiver mit Energieeffizienz beschäftigt als jemals zuvor mit einem anderen Thema", sagt er. Die Praxis sei ernüchternd gewesen: Drei Energieberater lieferten drei völlig unterschiedliche Konzepte, wovon sich Fürstner aber nicht abschrecken ließ. Das Wachstumschancengesetz fördert mit dem KfW-40-QNG-Standard den Bau nachhaltiger Mietwohnungen.

Die Hürden sind jedoch hoch: Nur Gebäude, die die strengen Kriterien erfüllen, sind förderfähig. Diese Kombination verlangt maximale Energieeffizienz bei gleichzeitig umfassender Nachhaltigkeitszertifizierung – mit Anschaffungskosten von maximal 5200 Euro pro Quadratmeter. "Das ist knapp kalkuliert", sagt Fürstner. "Nachhaltiges Bauen kostet mehr. Genau das schreckt viele ab." Der Unternehmer sieht jedoch Chancen: "Die Energieeffizienz und CO2-Fußabdruck werden nicht nur bei Immobilien zum Wettbewerbsvorteil. Banken und Investoren werden Nachhaltigkeit in ihre Zinsmodelle einpreisen – wer das ignoriert, verliert an Wert."

Für Gemeinden, insbesondere in Nord- und Ostdeutschland, könnten solche Projekte nach Fürstners Ansicht mehrere Probleme lösen: den Mangel an bezahlbarem Wohnraum, die steigenden Energiepreise und den Druck, kommunale Klimaziele zu erreichen. Zudem bleibe die Wertschöpfung in der Region durch lokale Handwerksbetriebe, kurze Transportwege und erneuerbare Energie vor Ort. "So entsteht ein wirtschaftlicher Kreislauf, der über das einzelne Bauprojekt hinausreicht", erklärt Fürstner. Das Quartier entwickelt er als Blaupause. "Wir wollen zeigen, dass es geht, wenn Planung, Technik und Förderung ineinandergreifen."

ABZ

ABZ

Gebaut wird überall, und das zu jeder Zeit! Die Allgemeine Bauzeitung begleitet das gesamte Baugewerbe. Schnell, sachlich und neutral - so sind wir Deutschlands meistgelesene Baufachzeitung geworden.

Alle Artikel

Weitere in Personalien

Alle anzeigen
Olaf Demuth

Neuer Präsident des HDB im Amt

Von ABZ
/

Weitere von ABZ

Alle anzeigen