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Alte Ideen und neue Lösungen präsentiert

Hamm | Funke Kunststoffe lädt Fachjournalisten an den Stammsitz nach Hamm ein und zeigt, warum Themen wie Schwammstadt, Versickerung und Kreislaufwirtschaft das Unternehmen bereits seit Jahrzehnten beschäftigen.

Von ABZ
Zu Gast bei Funke Kunststoffe

Hamm | Funke Kunststoffe lädt Fachjournalisten an den Stammsitz nach Hamm ein und zeigt, warum Themen wie Schwammstadt, Versickerung und Kreislaufwirtschaft das Unternehmen bereits seit Jahrzehnten beschäftigen.

Manchmal beginnt eine Pressekonferenz mit einer Produktneuheit. Manchmal mit einer Unternehmenspräsentation. Und manchmal mit einem Video, das zunächst für Gelächter sorgt. Körnige Bilder, grüne Schrifteinblendungen und eine Bildsprache, die unverkennbar aus den 1990er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt: Während einer Presseveranstaltung am Stammsitz in Hamm zeigt die Funke Kunststoffe GmbH einen »historischen« Unternehmensfilm. Nicht nur die eingeladenen Vertreter der Fachpresse schmunzeln, auch bei den Mitarbeitern des Unternehmens sorgt der Blick in die Vergangenheit für sichtbare Erheiterung.

Doch die Stimmung ändert sich schnell. »Die Versiegelung der Landschaften und Städte wird immer mehr zu einem Problem«, heißt es gleich zu Beginn des Films. Wenig später folgt die Begründung: »Niederschläge können nicht dort versickern, wo sie hinfallen. Das Regenwasser wird zu schnell abgeleitet. Die Kanalisation ist oft überlastet. Der Grundwasserspiegel sinkt und nur die Abwassergebühren steigen und steigen.«

Was zunächst wie ein nostalgischer Rückblick wirkt, entpuppt sich als erstaunlich aktuelle Bestandsaufnahme. Fast vier Jahrzehnte später beschäftigen exakt dieselben Fragen Kommunen, Planungsbüros und Tiefbauunternehmen. Heute heißen die Schlagworte »Schwammstadt, Starkregenvorsorge oder klimaresiliente Infrastruktur«. Die Herausforderungen dahinter sind jedoch dieselben geblieben. Der Film macht vor allem eines deutlich: Die Funke Kunststoffe GmbH beschäftigt sich nicht erst seit Kurzem mit der Frage, wie Regenwasser möglichst naturnah bewirtschaftet werden kann. Bereits zu einer Zeit, als Flächenversiegelung, urbane Hitzeentwicklung und Klimaanpassung kaum Teil öffentlicher Debatten waren, entwickelte das Unternehmen Lösungen für Versickerung, Rückhaltung und Regenwasserbewirtschaftung.

Golpla: Eine Idee aus den Achtzigern in der Gegenwart

Wie konsequent dieser Ansatz weiterentwickelt wurde, zeigt die aktuelle Generation der Oberflächenbefestigungsplatte Golpla XL. Bereits im historischen Unternehmensfilm wird die Frage aufgeworfen, wie Regenwasser möglichst dort verbleiben kann, wo es anfällt. Genau dabei setzt das System auch heute noch an. Mittels ihrer offenen Wabenstruktur ermöglicht Golpla XL eine hohe Versickerungs- und Verdunstungsleistung. Niederschlagswasser gelangt direkt in den Untergrund, natürliche Wasserkreisläufe bleiben erhalten und Entwässerungssysteme werden entlastet, so das Unternehmen. Gleichzeitig trägt die gespeicherte Bodenfeuchtigkeit zur Verdunstung bei und wirkt der Aufheizung urbaner Räume entgegen.

Die Einsatzmöglichkeiten reichen von Pkw-Stellplätzen über Feuerwehrzufahrten bis hin zu Lagerflächen, Campingplätzen und Parkanlagen. Die Oberfläche kann mit Rasen, Splitt oder unterschiedlichen Gesteinsarten gestaltet werden. Auch im Bereich der Ufer- und Böschungssicherung kommt das System zum Einsatz. Gefertigt wird Golpla XL aus Recyclingmaterial, die Varianten in Grau und Grün tragen darüber hinaus das Umweltzeichen »Blauer Engel«.

Doch Regenwasser möglichst lange auf der Fläche zu halten, ist nur ein Teil moderner Entwässerungskonzepte. Ebenso entscheidend ist die Frage, in welcher Qualität das Wasser anschließend wieder in den natürlichen Wasserkreislauf gelangt. Mit dem UrbanClean Filter stellt Funke laut eigener Aussage deshalb ein kompaktes Filtersystem vor, das belastete Niederschlagsabflüsse direkt vor Ort behandelt. Denn auf ihrem Weg über Straßen, Parkplätze, Dach- und Fassadenflächen nehmen Niederschläge zahlreiche Schadstoffe auf – von Reifen- und Bremsabrieb über Feinstaub bis hin zu Schwermetallen und Mikroplastik. Ebenso werden organische Spurenstoffe, also z. B. Pestizide aus Fassadenfarben (z. B. Diuron) oder Bitumenbahnen (Mecoprop) zurückgehalten. Herzstück des Systems ist eine mit Filtersubstrat gefüllte Patrone, die feine Feststoffe sowie gelöste Schadstoffe zurückhält. Ein vorgeschalteter Schlammeimer sorgt laut Hersteller dafür, dass gröbere Bestandteile wie Laub oder Sedimente bereits vor der eigentlichen Filtration abgeschieden werden. Ziel sei es, die Wasserqualität so zu verbessern, dass aktuelle Anforderungen an Gewässer- und Umweltschutz erfüllt werden können.

Mehr Funktionen in einem Bauteil

Besonders praxisnah präsentiert sich ein weiterer Ansatz, der vor allem kommunale Anwender interessieren dürfte. Mit der D-Rainclean-Sickermulde FE Collect und FE-U zeigt Funke ein System, das mehrere Funktionen in einem Bauteil vereint. Der Clou: Straßenablauf, Filtereinheit und Modul zur Ableitung oder zur direkten Versickerung werden nicht mehr als einzelne Komponenten eingebaut, sondern als vormontierte Einheit geliefert. Die neueste Innovation stellt die gezeigte Variante mit integriertem Bordstein dar, möglich für die FE-U und die FE Collect Ausführung. Anfallendes Oberflächenwasser wird aufgenommen, gefiltert und anschließend dem Untergrund zugeführt, während das Element gleichzeitig die Funktion eines Bordsteins übernimmt. Für Planer und ausführende Unternehmen bedeutet dies weniger Schnittstellen, geringeren Montageaufwand und kürzere Einbauzeiten, so Funke. Gleichzeitig passt das System zum Grundgedanken vieler aktueller Entwicklungen im Regenwassermanagement: Wasser möglichst dort behandeln und versickern lassen, wo es anfällt.

Entwässerung für eine Kelten-Erlebniswelt

Wie moderne Regenwasserbewirtschaftung in der Praxis aussehen kann, veranschaulicht Funke anhand eines außergewöhnlichen Referenzprojekts. Auf dem Gelände der Heuneburg und der angrenzenden Staatsdomäne Talhof in Baden-Württemberg entsteht derzeit eine neue Kelten-Erlebniswelt. Unter der Oberfläche sorgt dabei ein umfangreiches Entwässerungssystem mit Produkten des Unternehmens für die kontrollierte Sammlung und Ableitung von Niederschlagswasser. Zum Einsatz kommen dabei drei D-Raintank-3000-Anlagen mit einem Gesamtvolumen von rund 200 Kubikmetern, ergänzt durch Reinigungsschächte, Drosselschächte, Sickerrohre und rund 1.100 Meter Kanalrohre.

Besonders anspruchsvoll sollen die örtlichen Rahmenbedingungen sein. Da eine klassische Versickerung aufgrund bindiger Bodenschichten nicht möglich ist, wird das Niederschlagswasser zunächst gesammelt und vorgereinigt. Anschließend gelangt es in die Retentionsanlagen und wird von dort kontrolliert über Sickerrohrstränge an den Hängen verteilt. Ein Teil des Wassers soll künftig sogar als Brauchwasser genutzt werden – unter anderem für den Waschplatz der Archäologen.

Kleine Details mit großer Wirkung

Nicht jede Innovation fällt sofort ins Auge. Mit dem neuen Kunststoffschacht DN/OD 1200 erweitert Funke sein Programm an besteigbaren Schächten um eine größere Dimension. Der Schacht bietet mehr Arbeitsraum für Inspektions-, Wartungs- und Reparaturarbeiten und eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für große Rohranschlüsse. Daneben stellte das Unternehmen eine vergleichsweise kleine, im Alltag jedoch äußerst praktische Neuerung für Schächte DN 800 und 1000 vor. Die bekannte Farbkennzeichnung des HS-Kanalrohrsystems wird künftig auf den Schachtbereich übertragen. Ein Blick auf den Schachtboden soll genügen, um zu erkennen, ob es sich um einen Regenwasser- oder Schmutzwasserkanal handelt. Was zunächst unspektakulär erscheint, kann bei Wartungs- und Sanierungsarbeiten die Orientierung deutlich erleichtern.

Mit dem VPS Turbo widmete sich Funke zudem einer Herausforderung, die auf Baustellen regelmäßig auftritt: der nachträglichen Einbindung von Hausanschlüssen in bestehende Hauptkanäle. Unterschiedliche Rohrwerkstoffe, Wandstärken und oftmals unvollständige Bestandsunterlagen machen solche Arbeiten häufig kompliziert. Der VPS Turbo ist entwickelt worden, um diese Anschlüsse unabhängig vom Werkstoff des Hauptrohres schnell und dauerhaft dicht herstellen zu können. Ein flexibler Dichtkragen passt sich unterschiedlichen Rohrgeometrien an, während die Montage mit wenigen Handgriffen und ohne Spezialwerkzeug erfolgen kann.

Umwelt und Wirtschaft zusammendenken

Neben den Produktvorstellungen richtet sich der Blick auch auf grundsätzliche Fragen der Werkstoffnutzung. In einem Gastvortrag beleuchte Ludger Wüller vom Kunststoff-Institut Lüdenscheid die Rolle von Kunststoffen im Tiefbau. Unter der Überschrift »Umwelt & Wirtschaft« geht er auf Materialeigenschaften, Verbindungstechniken sowie die Herausforderungen von Recycling und Kreislaufwirtschaft ein.

Ziel sei es, so Wüller, »die vielfältigen Aspekte pragmatisch umzusetzen«. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung des Weiteren »Einsatzes von Recyclingmaterial«. Die Zukunft von Kunststoffprodukten liege nicht allein in neuen Werkstoffen, sondern vor allem in funktionierenden Materialkreisläufen.

Diesen Gedanken griff Funke im anschließenden Vortrag auf. Das Unternehmen zeigte, wie Recyclingmaterialien bereits heute in unterschiedlichen eigenen Produkten eingesetzt werden und welche Rolle die Lebenszyklusbetrachtung bei der Entwicklung neuer Systeme spielt. Offensichtlich bedeutet Nachhaltigkeit für das Unternehmen weit mehr als die Verwendung von Rezyklaten. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie langlebige Produkte entwickelt werden können, die Ressourcen schonen, über Jahrzehnte genutzt werden und anschließend erneut in den Materialkreislauf zurückgeführt werden können.

Am Ende schließt sich damit ein Kreis zum »historischen« Unternehmensfilm. Die technischen Lösungen haben sich verändert, die Anforderungen sind gewachsen und die Produkte sind leistungsfähiger geworden. Der Grundgedanke jedoch ist derselbe: Regenwasser möglichst naturnah bewirtschaften und Infrastruktur so gestalten, dass sie langfristig funktioniert.

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