Damit der Stadionrasen das ganze Jahr über wächst, setzt der Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach riesige Beleuchtungsanlagen ein. Früher mussten die Greenkeeper die ca. 1,2 t schweren Anlagen per Muskelkraft bewegen. Eine mühsame und personalintensive Aufgabe, die zudem mit hohen Sicherheitsrisiken verbunden war. Seit 2024 verstärkt ein Elektroschlepper von Alitrak das Team, das seither seine ganze Kraft der Rasenpflege widmen kann, damit der Ball bei Anpfiff perfekt rollt.
Bald ist es wieder öfter zu hören: das regelmäßige Knattern von Rasenmähern. Während des nordeuropäischen Winters konnten sie getrost in die Winterpause geschickt werden. In Mönchengladbach, beim Fußball-Erstligisten Borussia Mönchengladbach, haben sie hingegen ganzjährig Saison. Vor allem im Stadion, dem Herzstück des Borussia Parks. Auf 311.000 Quadratmetern bzw. 31 Hektar hat sich der traditionsreiche Verein am Niederrhein zwischen Düsseldorf und der niederländischen Grenze eine einzigartige Anlage geschaffen. Das Stadion, 7 Rasen-Trainingsplätze, 1 Athletikfläche, 1 großer Kunstrasenplatz, 2 kleine Kunstrasenplätze, ein Jugend-Internat für den Fußball-Nachwuchs, ein Reha- und Fitness-Zentrum, ein Kernspinzentrum sowie diverse weitere Spezial-Praxen liegen hier ganz dicht beieinander. Der zentrale Fan-Shop, das Vereins-Museum, Restaurants, ein Hotel sowie 11.000 Parkplätze komplettieren das Ensemble.
Hochprofessionalisierte Rasenpflege
Herzstück der Anlage: das 54.042 Plätze fassende Stadion. Es bietet bei Heimspielen 37.897 Sitz- sowie 16.145 Stehplätze und wird in den Wochen dazwischen gehegt und gepflegt. Damit der Ball von August bis Mai optimal rollt, ist ein hochprofessionalisiertes 16-köpfiges Greenkeeping-Team tagtäglich im Einsatz. Für den Stadion-Rasen zeichnet Christian van de Flierdt verantwortlich. An diesem Freitagmorgen ist er schon früh auf den Beinen. Drei Tage zuvor hatte Mönchengladbach einen anderen traditionsreichen Bundesligisten zu Gast. Das Spiel hat wie üblich Spuren im Rasen hinterlassen. Direkt danach wurden die von den Stollenschuhen hervorgerufenen Verletzungen im Rasen durch das Greenkeeping-Team mit Handmähern „abgesaugt“. Nun gilt es, das heilige Grün optimal auf das in einer Woche anstehende nächste Heimspiel vorzubereiten. Mähen, Düngen, Bewässern, Spielschäden ausbessern sowie Maßnahmen zur Feuchtigkeitsregulation gehören dabei zum Alltag.
1,2 t schwere Lichtanlagen
Im Winterhalbjahr sind zudem dauerhaft spezielle Beleuchtungsanlagen im Einsatz, die nur an den Spieltagen für wenige Stunden entfernt werden. Damit trotz nordeuropäischem Winterhalbjahr die Photosynthese aufrecht erhalten bleibt und der Rasen weiterhin wächst, sind die 1,2 Tonnen schweren Anlagen ständig im Einsatz und oft in Bewegung. Jeden zweiten Tag müssen die sechs Beleuchtungsanlagen versetzt werden, um den gesamten Rasen optimal zu versorgen. Besonders viel Bewegung ist an Spieltagen. „Wenn um 15:30 Uhr Anpfiff ist, fangen wir um 8 Uhr morgens an, die Anlagen rauszufahren“, erläutert van de Flierdt. „Das dauert ungefähr anderthalb Stunden. Danach wird gemäht, teilweise mehrfach, die Linien werden gezogen, die Tore aufgebaut und so weiter.“ Abends nach dem Spiel heißt es dann: alles wieder retour! Die Tore werden wieder entfernt, der Rasen mit Handmähern „abgesaugt“ und die Beleuchtungsanlagen zurück auf den Rasen gesetzt. Da ist jede Erleichterung willkommen. In manch anderen Stadien sind die Lichtanlagen inzwischen ganzjährig im Einsatz, wenn das Dach den Rasen zu stark beschattet.
„Der Hersteller der Lichtanlagen bietet diese auch mit integriertem Motor an, was für uns aber keine Option darstellte“, so der erfahrene Greenkeeper, der bereits seit 13 Jahren für die „Fohlen“ arbeitet. Ein Schleppgerät bot sich als günstigere und vielseitig einsetzbare Alternative an. Bei der Recherche nach einem Mover wurde van de Flierdt auf die Elektroschlepper von Alitrak aufmerksam, die in Deutschland von der Karl H. Bartels GmbH vertrieben und bei Bedarf angepasst werden.
Schleppgerät bringt Entlastung
Die Geräte verfügen je nach Ausführung über eine Schlepplast von einigen hundert Kilo bis zu 14 Tonnen, so dass sich damit sogar Kleinflugzeuge durch eine einzelne Person ohne jegliche Kraftanstrengung bewegen lassen. Borussia Mönchengladbach entschied sich nach eingehender Beratung durch Bartels schließlich für den Alitrak OT 900, der über eine Zugkraft von 3.000 kg verfügt. „Wir mussten den Mittelweg finden zwischen einer guten Standfestigkeit und einer geringen Belastung für den Rasen“, erklärt André Herzig, Vertriebsleiter bei Bartels.
Individuelle Anpassungen für optimales Fahrverhalten
Gut ein halbes Dutzend Telefonate gingen hin und her, bis das ideale Gerät für den Fußballverein gefunden war und nach Mönchengladbach ausgeliefert wurde. „Einer unserer Außendienstmitarbeiter war dann nochmal vor Ort, um die Fahreigenschaften zu optimieren“, so Herzig. Dabei wurden breitere Reifen sowie Ballastplatten montiert, um die Griffigkeit auf dem Rasen zu optimieren und ein Durchdrehen der Reifen auch bei Nässe zu unterbinden. Außerdem wurde eine zusätzliche Last-Aufnahme an der Hinterseite montiert, so dass die Deichsel der Beleuchtungsanlage nun parallel zum Boden verläuft und sich die Zugkraft des Schleppers optimal auf die Anlagen überträgt.
„Früher waren immer zwei Leute notwendig, um die Beleuchtungsanlagen zu versetzen“, berichtet Christian van de Flierdt, während er den Alitrak-Schlepper an diesem sonnigen Freitagmorgen aus einem kleinen Technikraum unter der Südkurve des Stadions holt. Ein Kollege hatte dabei rücklings geschoben, ein zweiter gelenkt. „Und das jeden zweiten Tag, auch an Weihnachten, zwischen den Jahren und zum Jahreswechsel.“ In seiner Stimme schwingt Freude darüber mit, dass das nun anders ist.
Gefahr bei manuellem Versetzen
Zur ergonomischen und personellen Belastung seien ernstzunehmende Gefahren gekommen, die mit dem manuellen Bewegen der schweren Anlagen einhergingen. Werden die Lichtarme zum Bewegen eingeklappt, verlagert sich das ganze Gewicht auf einen hohen, schmalen Streifen. „Damit einher geht eine 45-Grad-Drehkranz-Begrenzung der Anlagen“, erklärt van de Flierdt. 2020 kam im französischen Rennes nach einem Erstliga-Spiel ein Greenkeeper ums Leben, weil eine Lichtanlage beim Bewegen zu hart eingeschlagen war, umkippte und den Mann unter sich begrub. Er erlag trotz sofortiger Hilfe wenige Stunden später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Van de Flierdt hält kurz inne, das Schicksal des französischen Kollegen macht betroffen.
60.000 Watt und 400 Quadratmeter je Lichtanlage
Dann geht es mit klaren Schritten weiter Richtung Spielfeld. Grün und Gelb strahlt es, grün vom Rasen, gelb von den Lichtern. Die sechs Beleuchtungsanlagen mit einer Fläche von jeweils 440 Quadratmetern erzeugen ein fast unwirkliches Licht. Tag und Nacht beleuchten und wärmen sie den Rasen aktuell. Jede Anlage verfügt über 60 Lampen mit jeweils 1.000 Watt Leistung, insgesamt 60.000 Watt; und das gleich sechsmal. Starkstromkabel verbinden die Anlagen auf dem Spielfeld mit einem erst auf den zweiten Blick sichtbaren Verteilerkasten unweit der überdachten Sitzreihe, auf der die Trainer und Spieler der „Fohlen“ an Spieltagen Platz nehmen.
„Betreten des Stadionrasens verboten!“, steht in dicken Großbuchstaben auf einem Schild, wo sonst die Eckfahne steht. Van de Flierdt hält eine Sprühflasche in der Hand. Wir dürften den Rasen ausnahmsweise betreten, aber erst nachdem die Schuhsohlen desinfiziert sind. Pilzsporen und krank machende Bakterien, die dem Rasen schaden könnten, werden so effektiv ferngehalten. „Das gilt übrigens auch für die Profis“, erläutert der Greenkeeper. „Beim Einlaufen passieren sie eine mit Desinfektionsmittel getränkte Matte.“ Bei uns geht das nicht so nebenbei. Erst einen Fuß hoch, darauf den anderen. Dann geht es tatsächlich auf den heiligen Rasen.
Schlepper fördert Ergonomie, Effizienz und Sicherheit
Der Greenkeeper läuft voraus, die mächtigen Beleuchtungsanlagen schon im Blick. Routiniert entfernt van de Flierdt das armdicke Kabel von der ersten Anlage und verstaut es sicher neben der Coaching-Zone. Dann koppelt er die Anlage von der Nachbaranlage ab, geht zum Kopf der Anlage, klappt eine Deichsel herunter und hakt diese am Aufnehmer des Alitrak-Movers ein. Fast unmerklich und ohne einen Ton von sich zu geben, setzt sich das kleine Kraftpaket wenig später in Bewegung - und mit ihm die riesige, vielarmige Anlage. Van de Flierdt geht ganz locker, ohne jegliche Kraftanstrengung vor dem Gerät her und lenkt Schlepper sowie Anlage mehrere Meter Richtung Nordkurve. Er scheint genau zu wissen, wo er hin muss. Ein kurzer Blick nach links und rechts, dann stoppt er das Gespann, entkoppelt die Anlage vom kleinen Mover und klappt die Deichsel wieder hoch. Dann geht er zur nächsten Anlage, um auch diese ein Stück weiter vorzusetzen.
Mit den vorhandenen sechs Einheiten kann jeweils ein Drittel des Platzes beleuchtet werden. „Das heißt, wir fahren immer drei Steps“, so der Greenkeeper. „Jeden zweiten Tag werden die Anlagen versetzt, so dass nach sechs Tagen jede Rasenpartie 48 Stunden lang versorgt wurde.“ Muss zudem der Rasen gemäht werden, was mehrmals pro Woche geschieht, erhöht sich der Aufwand noch. Dann müssen die Lichtanlagen jeweils bis zur Spielfeldmitte geschoben und anschließend entsprechend des Beleuchtungsplans wieder strategisch verteilt werden.
Würden keine Beleuchtungsanlagen eingesetzt, müsste der Rasen jede Saison ein- oder zweimal komplett ausgetauscht werden. Stückpreis: 130.000 Euro. Dank der „Lichttherapie“ hält der Rasen hingegen mehrere Jahre. Im Juli 2025 wurde im Borussia Stadion erstmals ein so genannter Hybridrasen verlegt, der voraussichtlich sechs bis zehn Jahre halten dürfte. Dabei wurde der Naturrasen mit Kunstrasenfasern verstärkt. Christian van de Flierdt kniet sich auf das Grün und sucht mit den Fingern nach den kaum wahrnehmbaren Kunststofffasern. „Da, hier sind welche“, ruft er schließlich, während er sie rundherum leicht freilegt und die Fasern zur Verdeutlichung sachte in die Höhe zieht. „Alle zwei Zentimeter befinden sich zwölf Kunststofffasern. Sie geben dem Rasen deutlich mehr Halt, es entstehen nicht mehr so große Löcher und der Ball rollt besser.“ Stitching heiße das aufwändige Verfahren, bei dem eine Maschine tagelang den Kunstrasenanteil in den Boden stitcht. Hybridrasen mit einem 5-prozentigen Kunstrasenanteil seien in der Bundesliga inzwischen Standard. Nur noch vier Vereine spielten auf reinem Naturrasen, so der Greenkeeper.
Hochprofessionell und digitalisiert
Dann holt van de Flierdt sein Smartphone aus der Tasche. In einem Ordner auf dem Start-Bildschirm befindet sich ein gutes Dutzend Apps rund um die Rasenpflege. Mit einer App werden die Beleuchtungsanlagen an- und ausgeschaltet, über eine weitere kann der Greenkeeper jederzeit und von überall her kontrollieren, ob die Lichter auch wirklich an sind. Sie zeigt ihm die Live-Bilder mehrerer Videokameras, die unter dem Dach des Stadions verbaut und auf den Rasen gerichtet sind. Ebenso wichtig: eine App, in der die Feuchtigkeitswerte der Rasenfläche zusammenlaufen.
Gerade macht der Dauerregen der vergangenen Tage zu schaffen. „Um das überschüssige Wasser zu binden, haben wir Sand auf den Rasen aufgebracht“, erklärt Christian van de Flierdt das gelegentliche gelbliche Schimmern zwischen den grünen Halmen und tippt auf den Bildschirm seines Smartphones. „An mehreren Punkten messen wir permanent den Feuchtigkeitsgehalt des Bodens“, sagt er und öffnet die entsprechende App. „Ist es zu trocken, beregnen wir“, sagt er und startet zur Verdeutlichung per Fingertipp kurz einen der im Platz verbauten Wassersprenger. „Ist es zu nass, müssen wir anderweitig gegensteuern.“ Ziel sei ein Feuchtigkeitsgehalt von 27 bis 28 Prozent des Rasens. Außerdem werde seit vielen Jahren sehr stark auf Pflanzenstärkung in granulierter und flüssiger Form gesetzt, was die Widerstandsfähigkeit des Rasens gegen Pilzerkrankungen sehr fördere.
Akku hält 3 bis 4 Wochen
Wenn Mitte März die Beleuchtungszeit zu Ende geht und die Sonne genügend natürliches UV-Licht in das Stadion bringt, ziehen an ihrer Stelle riesige Ventilatoren ein. Auch hier tun es nur die besonders großen Geräte. Vierzehn jeweils zwei Meter hohe Ventilatoren stehen dann an den beiden Spielfeldseiten verteilt und sorgen dafür, dass der nächtliche Tau aus dem Stadion bzw. vom Rasen transportiert wird. „Täten wir das nicht, wäre das ungefähr so, als würde man nach dem Duschen das Badezimmer nicht lüften“, so van de Flierdt. Das 35 Meter hohe Dach des Stadions und die den Rasen umgebenden Ränge verhinderten einen natürlichen Abtransport der Feuchtigkeit, da es kaum natürliche Windbewegungen im Stadion gibt.
Doch so weit ist es heute noch nicht. Aktuell haben die Ventilatoren Pause, während die Beleuchtungsanlagen rund um die Uhr im Einsatz sind, damit das Grün auch im Winter regelmäßig wächst und der Ball gut rollt. Nach getaner Arbeit bringt Christian van de Flierdt den Alitrak-Schlepper zurück in den kleinen Technikraum. An der Wand daneben hängen die Geräte zur manuellen Rasenpflege. Fast wie beim Hobbygärtner zuhause. Eine letzte Frage: wenn der Schlepper so oft im Einsatz sei, müsse er doch sicherlich oft geladen werden, oder? - Oft? Nein, nein, der Akku halte trotz des häufigen Einsatzes drei bis vier Wochen, so der Greenkeeper. Auf Fußball-Deutsch also gut zwei Heimspiele lang.
Borussia Mönchengladbach
Im Jahr 1900 gegründet, feierte VfL Borussia Mönchengladbach 2025 sein 125-jähriges Bestehen. Mit mehr als 100.000 Mitgliedern, ist er der zehntgrößte Sportverein Deutschlands, in dem auch Handball und Tischtennis gespielt wird. Besonders im Fußball sammelte der Verein zahlreiche Erfolge. Zwei UEFA-Cup-Siege und drei DFB-Pokal-Siege konnten die Profis bisher erringen. In den 1970er Jahren dominierte die Fohlen-Elf mit Spielern wie Berti Vogts und Günter Netzer unter Trainer Hennes Weisweiler die Erste Bundesliga und wurde in dieser Zeit insgesamt fünfmal Deutscher Meister. Damals noch im legendären Bökelbergstadion, das bis zum Ende der Bundesliga-Saison 2003/ 2004 Heimspielstätte des Vereins war. Im Juli 2004 wurde dann das neu gebaute Stadion im Borussia-Park mit deutlich mehr Plätzen und einer Ausstattung, die auch internationale Spiele ermöglicht, feierlich eröffnet. Seither fanden neben den Heimspielen der Fohlen neun Länderspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft im Borussia Park statt.
www.borussia.de
Karl H. Bartels GmbH
Die Karl H. Bartels GmbH ist der Experte für Lagereinrichtungen und Transportgeräte; Fokus: maßgefertigte Schwerlastregale. Daneben vertreibt Bartels Behälter, Handlingsysteme, Treppensteiger und andere Transportgeräte. Das traditionsreiche norddeutsche Familienunternehmen ist für seine individuellen Anpassungen und den umfangreichen Service bekannt. Bartels stattet Unternehmen mit allem aus, was sie für eine reibungslose Intralogistik und Logistik benötigen.
www.bartels-germany.de