Waldachtal (ABZ). - Die deutschen Handwerkskammern haben bei ihren Pflichtmitgliedern einen besseren Ruf als erwartet. Das ergab eine Umfrage bei Nutzern der Handwerker-App Craftnote, an der mehr als 3 000 Unternehmer im Bauwesen teilnahmen. Etwa 47 000 Handwerker aus unterschiedlichen Gewerken (so nennt man die Sparten im Bauwesen) nutzen die Handwerker-App Craftnote. Weil ihr Erfinder Gleb Christoffel wissen wollte, wie die Unternehmer in seinem Netzwerk über ihre Pflichtmitgliedschaft in einer der 53 Handwerkskammern des Landes denken, initiierte er eine Umfrage, an der 3897 Firmenchefs teilnahmen. Das Ergebnis steht im Kontrast zu vielen Äußerungen in Medien, auf Facebook und anderen Socialmedia-Kanälen. Fazit: Die überwiegende Mehrheit der HWK-Mitglieder bei Craftnote hat nichts zu meckern. Nur 6,6 Prozent der Befragten nehmen eine negative Grundeinstellung zu ihrer Handwerkskammer ein. Deutlich größer ist die Zahl jener mit positiver Einstellung: 51,6 Prozent finden ihre Handwerkskammer gut. 41,8 Prozent stehen neutral zu ihrer HWK. Noch deutlicher pro Handwerkskammer fällt das Ergebnis aus, wenn man die Unternehmer fragt, ob sie aus ihrer HWK austreten würden, wenn sie könnten. Erstaunlich viele sagen "nein". 77,9 Prozent der befragten Unternehmer im Baugewerbe würden in ihrer HWK bleiben, selbst wenn sie diese verlassen könnten.
Obwohl die Mehrheit eine positive Einstellung zu ihrer HWK äußert, gaben 53,3 Prozent der Befragten an, dass sie noch gar keinen direkten Kontakt zur HWK hatten. 62,4 Prozent interessieren sich auch gar nicht für das aktuelle Angebot ihrer Standesvertretung. Von jenen, welche bereits die Dienste ihrer HWK in Anspruch nahmen, waren 82,3 Prozent zufrieden. Befragt man die Handwerks-Unternehmer, was sie sich konkret von ihrer Handwerkskammer wünschen, antworten sie häufig: Mehr Transparenz bei den Kammer-Finanzen und engeren Kontakt zwischen Kammer und Betrieb. Craftnote-Gründer Gleb Christoffel: “Unsere Umfrage zeigt, dass das Angebot der Handwerkskammern im Handwerk gut ankommt, aber nicht alle Handwerker erreicht. Wir sehen hier viel Potential für eine vielversprechende Zusammenarbeit.”
Rund eine Million Handwerksbetriebe sind in den 53 deutschen Handwerkskammern verpflichtend registriert und zahlen zwischen null und weit über 10 000 Euro Grundbeitrag pro Jahr plus Zusatzbeitrag, der sich nach Gewinn bzw. Gewerbeertrag richtet. Jede Kammer hat ihre eigene Tarifordnung.