Moderne Baumaschinen entstehen in einem mehrjährigen Prozess, der beim Hersteller Bobcat Marktforschung, Prototypen-Entwicklung, Testphasen und Produktion umfasst. Im tschechischen Dobříš laufen alle Fäden zusammen.
Ab dem Spätsommer soll hier eine neue Minibagger-Serie gefertigt werden..
Dobříš/Tschechische Republik – Vom 25. bis zum 27. Mai 2025 fanden die diesjährigen Demo Days des Maschinenbauers Bobcat statt, zu denen Pressevertreter aus der DACH-Region eingeladen waren. In der tschechischen Kleinstadt Dobříš, 35 Kilometer südwestlich von Prag gelegen, befindet sich das Bobcat-Hauptquartier für die Region EMEA. Am Standort werden Kompaktlader und Minibagger produziert, ferner stehen ein Forschungs- und ein Schulungsgebäude zur Verfügung. Darüber hinaus hat Bobcat auch ein großes Outdoor-Trainingsareal geschaffen. Dieses stellte Bobcat seinen Gästen zum Erproben seiner Baumaschinen zur Verfügung.
Auf dem Gelände standen mehrere Dutzend Minibagger, Raupen- und Kompaktradlader aus tschechischer Produktion, aber auch Teleskoplader, die Bobcat an seinem französischen Standort in Pontchâteau produziert.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Demo Days stand die neue R2-Serie der Ein- bis Zwei-Tonnen-Minibagger, die auf der diesjährigen bauma präsentiert worden war. Sie zeichnet sich gegenüber der älteren M-Serie unter anderem durch einen neuen Motor und das Closed-Center-Hydrauliksystem aus. In Verbindung mit einer Load-Sensing-Pumpe kann das System nach Angaben von Bobcat den Fluss des Hydrauliköls optimieren, sodass sich der Energieverbrauch der Baumaschine verringert. Auch das Ansprechverhalten der neuen Modelle soll sich im Vergleich zur Vorgängerserie verbessert haben. Die R2-Reihe weist außerdem mehrere Konstruktionsänderungen auf, etwa einen Dachleuchtenschutz, einen neu gestalteten Planierschild und einen verbesserten Einstiegsbügel. Im Innenraum verfügen die Modelle Bobcat zufolge über neue Hydraulikjoysticks sowie ein Deluxe-Display und DAB-Radio mit Telefon-Vorinstallation.
Die vier Modelle der R2-Serie sollen unterschiedliche Kundengruppen ansprechen: Der E16 und der E17z sind laut Bobcat Einsteigermodelle, die auch für Vermietungsunternehmen infrage kommen. Der E19 und der E20z sind hingegen für anspruchsvollere Kunden gedacht, die mehr Wert auf Leistung und Komfort legen.
Die Vorzüge des avancierten E20z erklärte Patrik Nàtr, Product Marketing Specialist bei Bobcat. "Der Zusatz ,z' steht für ,Zero Tail Swing'", sagte Nàtr auf dem Trainingsgelände. Der Bagger könne nah an einer Hauswand stehend den Oberwagen drehen, ohne anzustoßen, denn er habe keinen Hecküberhang. Wie Nàtr zeigte, kann der E20z auch kleinere Durchgänge passieren: Der Planierschild des Baggers ist einklappbar und die Spurweite kann verringert werden, sodass der E20z wesentlich schmaler wird.
Der Product Marketing Specialist demonstrierte an der Maschine außerdem die hydraulische Technik der R2-Serie. Indem die Energie zwischen Motor und Anbaugerät mittels der Hydraulik optimal verteilt wird, muss das Fahrzeug nicht anhalten, um das Anbaugerät einzusetzen. Dies sei bei Minibaggern außergewöhnlich und beispielsweise beim Anlegen eines Grabens oder beim Rasenmähen vorteilhaft, sagte Nàtr.
Über den Entwicklungsprozess der R2-Serie gab Miroslav Konas Auskunft. Der Produktmanager ist bei Bobcat für die Baggermodelle E10 bis E27 verantwortlich. Bei der Arbeit an den neuen Minibaggern waren die Ansprüche hoch: "Wenn wir Maschinen entwickeln, können wir uns nicht an der Konkurrenz orientieren, denn die Modelle sollen sieben bis zehn Jahre wettbewerbsfähig bleiben, so Konas.
Der Konstruktion sei ein umfassender Voice-of-Customer-Prozess (VoC) vorausgegangen, der die Anforderungen der Kunden möglichst genau erschließen sollte. Im Verlauf eines VoC werde eine Matrix aus Ländern, Applikationen und Kundentypen (Vermieter oder Bauunternehmer) erstellt, erklärte Konas. Vor allem Deutschland, das Vereinigte Königreich, Italien, Frankreich und Polen seien berücksichtigt worden, überhaupt stehe Europa im VoC-Prozess zu Minibaggern bis zu vier Tonnen im Mittelpunkt. Auf dem alten Kontinent besteht ein größerer Bedarf: "Größere Maschinen sind etwa in italienischen Innenstädten schwer zu bedienen, aber Minibagger können überall hin. In den USA ist das weniger wichtig, weil die Städte großzügiger angelegt sind", sagte Konas.
Bei der Suche nach geeigneten Kunden für den VoC arbeitet Bobcat mit seinen Händlern zusammen. Das Unternehmen erstellt nacheinander drei verschiedene Prototypen, ehe ein neues Modell feststeht. Für deren Entwicklung steht in Dobříš ein eigenes Innovation Center mit rund 8000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Vor allem das negative Kundenfeedback sei bei der Arbeit hilfreich, so der Produktmanager.
Innerhalb Europas sind die Kundenanforderungen ebenfalls unterschiedlich. So ist der bewegliche E20z mit seinem Zero-Tail-Swing-Aufbau vornehmlich für den italienischen und den französischen Markt gedacht, wohingegen der konventionelle E19 dem Bedürfnis deutscher und polnischer Anwender nach möglichst großer Stabilität entspricht.
Auch der knapp neun Tonnen schwere Minibagger Bagger E88 wird laut Bobcat vor allem in Deutschland nachgefragt. Er zeichnet sich nach eigenen Angaben durch seine hervorragende 360-Grad-Standfestigkeit aus. Der D24 Stage-V-4-Zylinder-Motor des Modells bietet eine maximale Leistung von 48,5 Kilowatt. Mit seinem zweiteiligen Baggerarm kann der E88 gleichsam unter dem eigenen Laufwerk graben, was laut Hersteller unter anderem beim Brückenbau von Vorteil ist.
Auf dem Trainingsgelände zeigte Bobcat eine verbesserte Version des Spitzenmodells mit höherem Fahrerkomfort. Die Fritzmeier-Kabine des neuen E88 bietet einige Vorteile: Fenster und Windschutzscheibe lassen sich leichter öffnen und schließen, es gibt weniger Geräuschentwicklung und Vibrationen. Auch die Ausstattung des E88 wurde nach eigenen Angaben verbessert, etwa durch einen Tankrücklauf und einen Intervallwischer (serienmäßig) sowie eine Rückfahrkamera (optional für Maschinen mit einem 7-Zoll-Display).
In einem Wäldchen unweit des Trainingsgeländes wurden die Bobcat-Maschinen bei für den GaLa-Bau typischen Arbeiten gezeigt. Ein besonderes Highlight war dabei der 105 PS starke Raupenlader T-86, der mit einem Rindenmulcher versehen worden war. In Sekundenschnelle schredderte er einen kleineren Baum. Hierbei machte der Bediener von der höchsten, optionalen Hydraulikflussstufe des T-86 Gebrauch. Bei dieser liegt die Durchflussmenge bei 160 Liter pro Minute. Die etwa 3 Zentimeter dicken Glasscheiben des Fahrzeugs schützten zuverlässig vor den umherfliegenden Holzsplittern.
Die Demo Days gaben auch einen Einblick in die Produktion der Bobcat-Maschinen. In der Fabrik in Dobříš fertigen die Arbeiter im Zweischichtbetrieb täglich 130 Kompaktlader und Bagger. Das Ausgangsmaterial wird in Form von Metallblechen angeliefert, nach Unternehmensangaben hat die Fabrik hierfür eine Lagerkapazität von mehreren hundert Tonnen.
Die für die verschiedenen Modelle benötigten Komponenten werden per Laser ausgeschnitten und daraufhin mit Metallpressen in Form gebracht. Damit die Produktion reibungslos verläuft, erfolgt die Bereitstellung der Komponenten in sogenannten Bento-Boxen mit entsprechenden Ablagen. Auf diese Weise ist es sofort ersichtlich, wenn zum Zusammenschweißen eines größeren Teils, etwa eines Baggerarms, eine Komponente fehlt. Ist das der Fall, wird die Box zurückgegeben und muss neu bestückt werden, bevor es zum Schweißen geht.
Die Bestandteile der Maschinen werden daraufhin lackiert. Dabei lassen sich laut Patrik Nàtr, der durch die Fabrikhalle führte, alle Kundenwünsche erfüllen. "Wir können in jeder beliebigen Farbe lackieren, auch in Pink", sagte Nàtr. "Die Voraussetzung ist nur, dass mindestens drei Einheiten bestellt werden." Nach der Montage rollen die fertigen Maschinen vom Fließband, ihre Funktionsfähigkeit wird jeweils 20 Minuten getestet. Auch für die Kompaktlader und Bagger bestehen größere Lagerkapazitäten. Es werden Maschinen für drei Tage vorgehalten, sodass etwaige Probleme in der Fertigung aufgefangen werden können.
Schon bald sollen auch die Minibagger der R2-Serie vom Band laufen: Seit dem 9. Juni nimmt Bobcat die Bestellungen der Händler entgegen, im Juli wird nach eigenen Angaben die Produktion aufgenommen. Die Maschinen können voraussichtlich ab September ausgeliefert werden.