München (dpa). – Die führenden deutschen Institute für Wirtschaftsforschung erwarten nach dem erneuten Rückgang der Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr auch 2025 keinen Aufschwung, aber steigende Arbeitslosenzahlen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet nächstes Jahr mit einer Stagnation; DIW, IWH, RWI und ifo Institut erwarten 0,2 bis 0,6 Prozent Wachstum.
Sollte die nächste Bundesregierung aber die richtigen wirtschaftspolitischen Weichen stellen, könnte nach Einschätzung von ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser sogar ein Wachstum von 1,1 Prozent erreicht werden. "Die Rezession hat mittlerweile auch den Arbeitsmarkt erreicht", teilte das IfW mit.
Die Institute erwarten einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 6 Prozent im laufenden Jahr auf 6,1 bis 6,3 Prozent. "Im Moment ist noch nicht klar, ob es sich bei der derzeitigen Stagnationsphase um eine vorübergehende Schwäche oder um eine dauerhafte und damit schmerzhafte Veränderung der Wirtschaft handelt", sagt Wollmershäuser. Im optimistischen Szenario trägt "eine verlässlichere Wirtschaftspolitik" dazu bei, dass die Industrie wieder mehr investiert und weniger Arbeitsplätze abbaut.
Zudem müssten die Arbeitsanreize gestärkt werden, mehr Menschen arbeiten und auch mehr Vollzeit arbeiten. Das würde dann auch den privaten Konsum ankurbeln. Andernfalls erwarten die Münchner Wirtschaftsforscher eine schleichende Deindustrialisierung.
Die Kapazitätsauslastung liege mittlerweile 5 Prozentpunkte unter den Tiefpunkten in gewöhnlichen Rezessionsphasen, schreibt das IfW. Die Chemieindustrie habe schon Produktion ins Ausland verlagert und Stellen abgebaut, sagt Wollmershäuser.
Die Forschungsinstitute sind sich einig, dass sich der deutsche Export immer mehr vom Wachstum der Weltwirtschaft entkoppelt hat. Die Industrie habe spürbar an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Der Mix aus Konjunkturflaute und strukturellen Problemen mache ihr zu schaffen, sagt DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. Der Export dürfte 2025 auch weiter sinken.
Neben hohen Energie- und Materialkosten und wachsender Konkurrenz aus China drohten jetzt noch höhere US-Zölle.