Oldenburg (ABZ). – Das 38. Oldenburger Rohrleitungsforum am 5. und 6. Februar 2026 widmet sich dem strukturellen Umbau der Gasinfrastruktur. Im Mittelpunkt stehen die Integration von Wasserstoff, neue regulatorische Vorgaben und Anforderungen an die Versorgungssicherheit.
Die Gasinfrastruktur steht nach Angaben der Veranstalter vor weitreichenden Veränderungen. Neue regulatorische Vorgaben, die schrittweise Integration von Wasserstoff sowie Anforderungen an Betrieb und Versorgungssicherheit rücken technische und normative Fragestellungen in den Mittelpunkt. Das Forum bietet eine Plattform für Netzbetreiber, Industrie und Ingenieurwesen.
Gasnetze bilden seit Jahrzehnten eine tragende Säule der Energie- und Wärmeversorgung und stehen zugleich vor der Aufgabe, unter veränderten klima- und energiepolitischen Rahmenbedingungen weiterentwickelt zu werden. Damit rückt der Tief- und Leitungsbau als entscheidender Bereich in den Fokus, da Planung, Bau und Weiterentwicklung der Netzinfrastruktur wesentlich von spezialisierten ingenieurtechnischen Kompetenzen geprägt sind.
Im Rahmen des Forums werden Gasleitungen als technische Infrastruktur betrachtet, deren Weiterentwicklung unter klar umrissenen fachlichen Anforderungen erfolgt. "Unser Bestandsnetz muss sich ebenso wie neue Infrastrukturen den drängenden Herausforderungen unserer Zeit stellen", betont Mike Böge, M. Eng., Geschäftsführer des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e. V. Das Forum adressiert sowohl die Umgestaltung bestehender Gasnetze als auch die spezifische Auslegung wasserstofftauglicher Leitungssysteme.
Ein Ausgangspunkt der fachlichen Diskussion ist der umfangreiche Bestand an Erdgasleitungen, der weiterhin eine entscheidende Rolle für die Versorgungssicherheit spielt und zugleich als infrastrukturelle Ausgangsbasis für wasserstoffbasierte Versorgungskonzepte bewertet wird. Bestehende Netze sind systematisch an neue betriebliche und energiewirtschaftliche Rahmenbedingungen anzupassen, ohne deren Betriebssicherheit zu beeinträchtigen.
Mehrere Fachblöcke befassen sich mit der Umwidmung bestehender Gasnetze. Fachsessions wie "H2-Kernnetz im Fokus – Von der Umstellung bis zum sicheren Betrieb" und "Wasserstoff in alten und neuen Leitungen" legen den Fokus auf konkrete ingenieurwissenschaftliche Fragestellungen. Im Zentrum stehen materialspezifische Anforderungen an Rohrleitungen, Aspekte der Dichtheit und Molchbarkeit sowie die Umsetzung neuer normativer Vorgaben in Planung, Bau und Betrieb.
Dabei wird "H2-Readiness" laut Veranstalter nicht als generische Eigenschaft verstanden, sondern als Ergebnis differenzierter netz- und betriebsspezifischer Prüf- und Bewertungsprozesse, in denen Werkstoffe, Betriebsbedingungen und sicherheitsrelevante Anforderungen systematisch berücksichtigt werden.
Neben den Transportnetzen gewinnen die Gasverteilnetze an Bedeutung. Der Fachblock "Die Rolle der Verteilnetze im Wasserstoffhochlauf" verdeutlicht, dass insbesondere Stadtwerke und regionale Netzbetreiber gefordert sind, ihre Netze technisch, organisatorisch und wirtschaftlich auf veränderte Gasqualitäten auszurichten und zugleich einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.
Erdgas bleibt im Programm ein wichtiger Referenzpunkt. Beiträge wie "Bewertung und Sicherung der Versorgungssicherheit von Gasnetzen" und "Sicherheit beim Arbeiten an Gasleitungen – Wechsel von Erdgas zu Wasserstoff" ordnen den Parallelbetrieb von Erdgas- und Wasserstoffsystemen als Bestandteil eines schrittweise weiterentwickelten Infrastruktursystems ein. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf regulatorischen Rahmenbedingungen und deren technischen Konsequenzen. Mit der EU-Methanverordnung gelten seit 2025 verbindliche Anforderungen an Erfassung, Überwachung und Reduzierung von Methanemissionen. Beiträge zu "Emissionen im Visier – Technologien für die EU-Methanverordnung" verdeutlichen, wie stark diese Vorgaben Planung, Betrieb und Instandhaltung beeinflussen. Digitale Messtechnik, KI-gestützte Leckageerkennung und datenbasiertes Asset-Management stehen dabei für eine zunehmend überwachte und emissionssensitive Betriebsführung.
Ergänzend wird auch der Aufbau von CO2-Transportnetzen thematisiert. "Bei den nun zu schaffenden CO2-Transportnetzen handelt es sich um eigenständige Infrastrukturkomponenten, die funktional neben Gas- und Wasserstoffsystemen stehen und den sicheren Abtransport abgeschiedenen Kohlendioxids aus industriellen Prozessen ermöglichen", so Böge.
Das 38. Oldenburger Rohrleitungsforum zeichnet nach Angaben der Veranstalter ein konsistentes, fachlich fundiertes und praxisnahes Bild der Gasinfrastruktur unter veränderten Rahmenbedingungen. Das Spannungsfeld zwischen bestehender Netzinfrastruktur, Netzausbau sowie -neubau und zukünftigen technischen sowie regulatorischen Anforderungen wird damit zu einer grundlegenden ingenieurwissenschaftlichen Gestaltungsaufgabe.