2025 war ein Jahr voller Umbrüche. Viel wurde versprochen: schnellere Genehmigungen, mehr Investitionen und weniger Bürokratie. Manches wurde angestoßen, aber noch längst nicht genug umgesetzt.
Die Aufgaben sind riesig. Infrastruktur, Energie, Wohnen, Digitalisierung – überall besteht Handlungsbedarf. Gleichzeitig liegen unzählige Projekte startbereit in den Behörden, doch Entscheidungen kommen oft nur in Zeitlupe voran. Seit Jahren reden wir darüber, schneller werden zu müssen. 2026 muss das Jahr sein, in dem wir aus dieser Einsicht endlich Praxis machen. Nur mit verlässlichen, zügigen Verfahren bleibt Deutschland wettbewerbsfähig und nur dann investieren Unternehmen.
Das Infrastrukturpaket hat 2025 für den ersten Rückenwind gesorgt. Aber Rückenwind allein reicht nicht. 2026 müssen die angekündigten Investitionen endlich spürbar auf den Baustellen ankommen – in Form klarer Aufträge, verlässlicher Finanzierungszusagen und Entscheidungen, die nicht erst monatelang in der Warteschleife hängen.
Wir als Branche stehen längst bereit. Technik und Flächen sind vorhanden. Und viele Menschen stünden ebenfalls bereit, wenn wir ihnen den Weg in den Arbeitsmarkt nicht unnötig versperren würden. Gerade wer aus dem Ausland kommt, sollte unkompliziert starten können.
Wir brauchen außerdem mehr Flexibilität. Gerade dort, wo Menschen bereit sind, mehr zu leisten. Viele Fachkräfte könnten und würden gerne fünf oder zehn Stunden zusätzlich arbeiten, wenn man es ihnen einfacher macht und passende Anreize schafft. Modelle, bei denen zusätzliche Leistung steuerlich begünstigt wird und damit spürbar beim Mitarbeitenden ankommt, würden Unternehmen, Wirtschaft und Kaufkraft gleichermaßen stärken.
Der Fachkräftemangel ist Realität, aber viele Hürden sind hausgemacht. Wir brauchen weniger Papierstapel und mehr pragmatische Lösungen. Dazu gehört insbesondere die Digitalisierung. Jeder unnötige Zettel kostet Zeit, die wir schlicht nicht haben.
Digitale Lieferscheine, Wiegescheine, Nachweise: Das ist kein Zukunftsthema, sondern eine Notwendigkeit. Dazu kommt die KI, die uns neue Möglichkeiten eröffnet. Sie ersetzt niemanden, aber sie unterstützt alle, die anpacken. Und genau das brauchen wir.
Ein weiteres großes Thema bleibt die Kreislaufwirtschaft.
Die offiziellen Zahlen zum Recycling zeigen erst mal ein positives Bild: Über 90 Prozent aller mineralischen Bauabfälle werden verwertet. Doch eine genauere Betrachtung verdeutlicht, dass Verwertung nicht gleichbedeutend mit hochwertigem Recycling ist, da Verfüllungen mitgezählt werden.
Das wirklich hochwertige Recycling liegt deutlich darunter – beim Bodenaushub teils nur bei 20 Prozent, beim Bauschutt bei rund 70 Prozent. Und genau deshalb decken Rezyklate erst 13 bis 18 Prozent des Bedarfs, obwohl viel mehr möglich wäre. 2026 muss das Jahr sein, in dem sich das ändert. Rezyklate müssen normaler Bestandteil von Ausschreibungen sein, nicht als Ausnahme, sondern als Standard.
Ein weiterer großer Hebel sind die Brachflächen in Deutschland. Über 150.000 Hektar liegen ungenutzt da. Das bietet ein enormes Potenzial für Wohnen, Gewerbe, Logistik oder die wachsende KI-Infrastruktur.
Statt immer neue Wiesen zu versiegeln, sollten wir diese Flächen konsequent mobilisieren. Genau hier liegt ein Kern unserer Arbeit. Die Hagedorn Gruppe – 1997 gegründet, heute über 2000 Mitarbeitende, mehr als 30 Gesellschaften, bundesweite Standorte und Projekte im In- und Ausland – ist entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Bauwirtschaft aktiv. Rückbau, Entsorgung, Recycling, Tiefbau, Schwerlastlogistik und Flächenrevitalisierung bilden unser Fundament. Und wir sehen jeden Tag, wie viel Zukunft in alten Arealen steckt, wenn man sie richtig anpackt.
Was mich dabei besonders stolz macht, ist nicht die Größe der Maschinen oder die Zahl der Projekte, sondern die Menschen dahinter. 2026 legen wir deshalb noch mehr Fokus auf Personalentwicklung. Technik ist wichtig, Digitalisierung ist wichtig, aber ohne die Menschen bringt das alles gar nichts. Sie sind unser wichtigstes Gut. Und wenn man ihnen die richtigen Werkzeuge gibt und Bürokratie aus dem Weg räumt, dann liefern sie auch ab.
Die Chancen für Modernisierung, Energie, Logistik, KI, Revitalisierung und nachhaltiges Bauen sind riesig. Die Frage ist nicht, ob wir es schaffen können, sondern ob wir uns zutrauen, es endlich zu tun. Am Ende zählt nur eines: Machen.
Wir können planen, besprechen und beraten, aber davon wird keine Brücke saniert, kein Brownfield revitalisiert und kein Quadratmeter gebaut. 2026 kann ein richtig gutes Jahr werden. Die Projekte sind da. Die Leute sind da.
Wir sind da. Die Bauwirtschaft kann liefern, wenn man sie lässt. Jetzt kommt es darauf an, den Weg frei zu machen und gemeinsam anzupacken.