Berlin (ABZ). – "Die Halbjahresbilanz für das gesamte Bauhauptgewerbe fällt besser aus als von uns ursprünglich erwartet. Insgesamt haben Aufträge und Umsätze in den ersten sechs Monaten zugelegt", kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Hauptverband Deutsche Bauindustrie (HDB), Tim-Oliver Müller, die jüngst veröffentlichten Konjunkturindikatoren für den Bau des Statistischen Bundesamtes (Destatis).
Dabei müsse allerdings berücksichtigt werden, dass der Anstieg auf niedrigem Niveau erfolge und beim Umsatz sogar nach vier Jahren im realen Minus – somit gebe es leider noch keinen Grund zum Jubeln.
Insbesondere, da der Straßenbau regelrecht eingebrochen sei. "Hier macht sich die Hängepartie des zweiten Quartals bemerkbar. Der Turnaround der bundeseigenen Autobahn GmbH, den Ausschreibungsstopp aufzuheben und die fehlenden Mittel doch zu bewilligen, ist erfreulich, wird sich aber erst im Laufe des zweiten Halbjahres positiv in der Bautätigkeit und somit in den Zahlen auswirken. Dies ist zumindest zu hoffen", ergänzt Müller.
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) sagte zu den Zahlen: "Wir beobachten weiter eine zweigeteilte Konjunkturentwicklung im Bauhauptgewerbe. Während der Tiefbau von nachhaltigen Investitionen in die Energie- und Verkehrsinfrastruktur profitiert, belastet die schwache gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland besonders den Hochbau."
Im Hochbau zeigt sich laut ZDB zwar eine Stabilisierung der Wohnungsbaunachfrage, ein nominaler Zuwachs der Order um circa 12 Prozent – sei ein positives Signal, das aber leider noch kein Wendepunkt sei. "Denn das Auftragsvolumen liegt real, d. h. unter Herausrechnung der Preisentwicklung, weiterhin mehr als 25 Prozent unter dem Stand von 2022. Zudem geben die aktuellen Genehmigungszahlen keinen Anlass zur Hoffnung auf eine nachhaltige Belebung. Besonders im so wichtigen Segment des Mietwohnungsbaus, bei den Mehrfamilienhäusern, kommen wir aus dem Tal nicht heraus", sagte Pakleppa.
Die Bundesregierung stehe weiter in der Verantwortung, ihre richtigen und wichtigen Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag entschlossen umzusetzen. Der ZDB appelliere weiterhin: "Damit wieder mehr Menschen bauen können, braucht es jetzt ein neues EH 55-Plus-Programm – eine Förderung, die den Effizienzhausstandard 55 mit einer 100 Prozent regenerativen Heizlösung kombiniert, etwa Wärmepumpe, Pelletheizung oder Fernwärme." Nach den Angaben von destatis Demnach sei der Auftragseingang im ersten Halbjahr im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um real 7,2 Prozent gestiegen. Für den Juni werde im Vorjahresvergleich ein Plus von real 2,9 Prozent ausgewiesen. Ob der Rückgang zum Vormonat von 2,6 Prozent ein Vorbote auf eine Kehrtwende sei, müsse abgewartet werden.
Auch für den Wohnungsbau werde für das erste Halbjahr ein deutliches reales Orderplus von 9,5 Prozent gemeldet. Das Volumen läge damit aber immer noch um 31 Prozent unter dem Niveau von 2021. Angesichts der niedrigen Baugenehmigungszahlen sei dies auch kein Wunder, bilanziert der HDB. Für den Straßenbau werde hingegen ein reales Orderminus von 5,2 Prozent ausgewiesen (Juni: –13,7 Prozent). Müller: "Wir hoffen auf eine Belebung im zweiten Halbjahr. Ansonsten wird dieses Jahr für die Straßenbauer ein verlorenes Jahr. Wir können es in Richtung Politik nur immer wieder betonen: Personelle Kapazitäten können nicht unendlich lange vorgehalten werden.".