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"Baugewerbe zwischen Krise und Zuversicht"

Auch der ZDB bemängelt die unzureichenden Wohnungsbauzahlen. Dennoch sieht der Verband Anzeichen für Optimismus.

Von ABZ
Bauaussichten 2026
Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Zentralverband Deutsches Baugewerbe |

Die Bauwirtschaft in Deutschland steht weiterhin vor gewaltigen Herausforderungen. Eine durchwachsene Auftragslage, hohe Zinsen und der massive Investitionsstau bei der Infrastruktur belasten die Betriebe. Aber es gibt Grund für vorsichtigen Optimismus. Die Abwärtsspirale der vergangenen zwei Jahre scheint gestoppt.

Die aktuellen Baukonjunkturzahlen lassen darauf hoffen, dass die Nachfrage endlich wieder etwas Tritt fasst und Bauinvestitionen insgesamt mehr angeschoben werden.

Das ambitionierte Ziel von rund 350.000 neuen Wohnungen pro Jahr bleibt weiter unerreichbar. Bis zum September wurden 175 551 Wohnungen genehmigt. Das sind zwar fast 18 400 mehr als im Vorjahreszeitraum – allerdings bleibt der Abstand zum Bedarf groß. Zum Vergleich: 2021 lagen wir Ende September bereits bei 282.000 genehmigten Wohnungen. 2025 rechnen wir deshalb mit gerade einmal 225.000 Fertigstellungen.

Besonders der Mehrfamilienhausbau leidet. Hohe Zinsen und Baukosten hemmen Investitionen, der Bauüberhang wächst weiter an. Unterm Strich muss man sagen: Genehmigungen werden erteilt, aber nicht umgesetzt. Die Menschen brauchen bezahlbaren Wohnraum, gerade in den Ballungsgebieten ist der Druck enorm. Wohnen darf nicht zum Luxusgut werden. Die Politik muss die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sich Investitionen wieder lohnen und Projekte wirtschaftlich bleiben.

Im Tiefbau zeigt sich dagegen ein stabileres Bild. Besonders der Wirtschaftstiefbau profitiert von der Energie- und Mobilitätswende: Ausbau des Schienennetzes, Breitbandausbau, Investitionen in Stromtrassen sorgen für nachhaltige Nachfrage. Man sieht, was möglich ist, wenn politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Bedarfe aufeinandertreffen.

Neue Regierung, neue Chancen? Mit dem Amtsantritt der neuen Bundesregierung ist ein neues politisches Kapitel aufgeschlagen worden. Bundeskanzler Merz sprach auf unserem Baugewerbetag Anfang November Klartext: "In dieser Wahlperiode kann alles gebaut werden, das baureif ist." Das Sondervermögen für Infrastruktur ist eine historische Chance für unser Land. Aber – und das sage ich in aller Deutlichkeit: Geld allein reicht nicht.

Das Sondervermögen kann nur dann seine Wirkung entfalten, wenn es mit echten Strukturreformen und schnelleren Planungsverfahren einhergeht. Im öffentlichen Bau entfallen bis zu 85 Prozent der Zeit auf Planungsprozesse – nur 15 Prozent auf das Bauen selbst. Das ist nicht länger hinnehmbar.

Der Bau-Turbo für schnellere Planungen hat immerhin schon ein wichtiges Signal gesetzt. Wenn Kommunen künftig flexibler handeln und befristet vom Planungsrecht abweichen können, bringt das dringend benötigte Impulse für den Wohnungsbau. Schnellere Planungen helfen aber nur, wenn auch Bauanträge da sind. Die Förderpolitik muss deshalb endlich verlässlich und planbar werden. Die EH-55-Plus Förderung, also Beheizung mit 100 Prozent erneuerbarer Energie, ab 2026 ist ein wichtiger Schritt Richtung CO2-Freiheit. Aber die Förderung muss verstetigt werden, über mehrere Jahre, ohne Windhundrennen um knappe Mittel.

Aktuell berichten 40 Prozent unserer Unternehmen von Auftragsmangel. Dabei hat das Baugewerbe das Knowhow und die Kapazität, unser Land voranzubringen. Wir brauchen aber faire Vergabebedingungen, die unseren mittelständischen Betrieben die Teilnahme am Wettbewerb sichern. Genau dafür wurde 1952 der Grundsatz der Fach- und Teillosvergabe eingeführt.

Ein Prinzip, das sich über Jahrzehnte bewährt hat. Im Zuge der Umsetzung des Vergabebeschleunigungsgesetzes ist der Losgrundsatz wieder in den Fokus gerückt, denn es gibt Stimmen, die sich für eine komplette Abschaffung der Fach- und Teillosvergabe einbringen. Vor allem große Konzerne gehören zu den Kritikern und argumentieren, die Vergabe an Generalunternehmer sei kostengünstiger und schneller. Das ist sie nicht!

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Gesamtlosvergaben bedeuten weniger Wettbewerb, höhere Kosten durch Generalunternehmer-Zuschläge sowie Haftungs- und Insolvenzrisiken bei einem einzigen Auftragnehmer. Kommunen, die sich mit Teillosen überfordert fühlen, wären bei Vertrags- und Nachtragsverhandlungen mit Rechtsabteilungen von Totalunternehmern noch viel stärker überfordert. Und dass es mit einem Generalunternehmer schneller geht, dafür liegt auch weiterhin kein einziger Beweis vor.

Auch dürfen schon jetzt Lose bei wirtschaftlichen oder technischen Gründen zusammengefasst werden. Und das Vergabebeschleunigungsgesetz sieht weitere Ausnahmen für Projekte aus dem Sondervermögen über 14 Millionen Euro vor. Aber manchen gehen diese Ausnahmen nicht weit genug.

Wer Böses denkt, könnte meinen, sie scheuen den Wettbewerb.

Das Baugewerbe hat keine Angst vor einem fairen Wettbewerb – ganz im Gegenteil. Unsere Betriebe sind bereit, ihren Beitrag zur Modernisierung unseres Landes zu leisten. Dafür brauchen sie die passenden Rahmenbedingungen und verlässliche Investitionen.

Die nächsten Jahre sind entscheidend. Als Branche wollen wir nicht nur reagieren, sondern mitgestalten – für eine zukunftsfähige Bauwirtschaft und einen starken Standort Deutschland.

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