Horb (ABZ). – An der Baustelle Neckartalbrücke in Horb realisierte Storz ein nach Unternehmensangaben spektakuläres Projekt: Vorarbeiten für die Erschließung des nördlichen Baufeldes der neuen Neckartalbrücke.
Verantwortlicher Bauleiter für das Projekt ist Julius Hambsch: "Mein erstes, für das ich allein die Verantwortung trage", sagte dieser beim Besuch im Sommer. Seinen Ausbildungsgang "Bauingenieur Plus" hat der 25-jährige erst im Frühjahr abgeschlossen. Großprojekte jedoch sind ihm alles andere als fremd: Während der Praxisphasen bei Storz wurde er nämlich immer in diesem Bereich eingesetzt. Hier in Horb betreut er zusammen mit dem erfahrenen Polier Thomas Stadler den Bau einer Rampe, 250 m lang und etwa 90 m hoch – die künftige Baustraße auf dieser Talseite. Von der Sohle, einem ehemaligen Steinbruch, soll sie mit Steigungen bis zu 37° den Steilhang hochführen. Am Hang gegenüber entsteht fast spiegelbildlich eine ähnliche Rampe. Diese ist jedoch nicht als Baustraße vorgesehen, sondern als Leitungstrasse für Kanäle.
"Mutig muss man schon sein, um hier zu arbeiten – das ist Nervenkitzel pur", meint der Jungbauleiter mit Blick auf zwei Kollegen: Der im Kurzheck-Bagger verteilt das Material, welches ihm der Dumper-Fahrer anliefert. Bis zu 20 mal pro Stunde bugsiert dieser seinen Kipper den steilen Abhang hinauf – im Rückwärtsgang! 150 bis 180 Ladungen pro Tag schafft er mit jeweils 8 m³ Bodenmaterial. Dieses war zuvor von der Verbesserungskolonne mit einer Zement-Kalk-Mischung stabilisiert worden. Am Ende werden 47.000 m³ Erdreich eingebaut sein. Hambsch: "Nichts für schwache Nerven, denn diese Baustraße wird nur 5 Meter Breite messen." Nach der Winterpause sollen hier schwerste Großbohrgeräte verkehren, welche den Bau der Brückenpfeiler vorbereiten.
Wie es auch auf dieser Seite des Flusses bald aussehen wird, lässt sich bereits am Südufer des Neckars erkennen. Dort wachsen schlanke Pfeiler in die Höhe. Ab 2026 die neue Talbrücke die B32 auf einer Länge von 660 m über den Fluss führen und die Stadt Horb vom Verkehr entlasten. "Das ist wirklich große Ingenieurskunst", sagt Hambsch. Auf der Höhe verlegen Kanalbauspezialisten aus Tuttlingen längs der bestehendenB32 Kanäle größerer Dimension:DN 400- für Schmutz- und DN 2000-Stahlbetonrohre für Regenwasser. Beide Leitungen sollen in einer späteren Bauphase den Hang in Richtung Neckar hinuntergeführt werden, gegenüber der Baustraßen-Rampe. "Es ist sehr anspruchsvoll, solche Großrohre zu verlegen", erläutert der junge Bauleiter. "Aber diese Kollegen machen es nicht zum ersten Mal." Eine Brecherkolonne bereitet mit ihrer mobilen Anlage das Felsmaterial aus dem Voraushub auf, welches anschließend in die Leitungsgräben eingebaut wird. "Sehr guter und brauchbarer Fels", sagt Hambsch. "Durch unsere Aufbereitung hier vor Ort sparen wir uns Liefermaterial. Das ist wirtschaftlich und umweltfreundlich."
Wenige Monate nach diesem ersten Besuch ruhen die Arbeiten am nördlichen Bauabschnitt: Winterpause. Die Kanäle auf der Höhe sind verlegt, die großen Rampen fertig – links die Baustraße, rechts die künftige Leitungstrasse.