Stuttgart (ABZ). – Aufgrund der schwierigen baukonjunkturellen Lage ist die Zahl der Insolvenzen im baden-württembergischen Bauhauptgewerbe drastisch in die Höhe geschnellt, teilte der Verband Bauwirtschaft Baden-Württemberg anlässlich des Tages der Bauwirtschaft Baden-Württemberg mit, der kürzlich stattfand.
Von Januar bis April mussten laut Verband 66 Betriebe Insolvenz anmelden – ein Anstieg um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ist die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe rückläufig. Sie sank in den ersten vier Monaten dieses Jahres um 0,3 Prozent. Zudem hat sich die Zahl der Arbeitslosen mit bauhauptgewerblichen Berufen im Juni deutlich um 19,8 Prozent erhöht.
Für die kommenden Monate erwartet die Baubranche im Ländle keine durchgreifende konjunkturelle Besserung. "Mehr als eine Umsatzstagnation ist in diesem Jahr nicht drin", sagte Verbandspräsident Markus Böll. Vor allem die Umsätze im Wohnungsbau dürften weiter spürbar zurückgehen. Darauf deutet auch die Entwicklung der Wohnungsbaugenehmigungen hin: Im April ging die Zahl der Baufreigaben in Baden-Württemberg mit –20,9 Prozent zum 17. Mal in Folge deutlich zurück.
Bei der Bekämpfung der anhaltenden Wohnungsbaukrise sieht die Baubranche vor allem die Politik in der Pflicht. "Bund und Land müssen alle Hebel in Bewegung setzen, um die Bautätigkeit anzukurbeln. Gelingt dies nicht, wird sich die ohnehin schon angespannte Situation auf den Wohnungsmärkten vor allem in den Großstädten und Ballungsräumen weiter zuspitzen. Gleichzeitig ist die Existenz vieler Baufirmen gefährdet", warnte Böll.
Großen politischen Handlungsbedarf sieht die Bauwirtschaft auch bei der Infrastruktur. Denn marode Straßen, bröselnde Brücken und sanierungsbedürftige öffentliche Gebäude wie Schulen und Hochschulen gefährden die wirtschaftlichen Perspektiven Baden-Württembergs. "Bund, Land und Kommunen vernachlässigen die notwendigen Investitionen in geradezu sträflicher Weise. Hier ist eine Kurskorrektur überfällig", forderte Sabine Schmucker, Vizepräsidentin der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.
Untersuchungen hätten ergeben, dass fast ein Drittel des Landesstraßennetzes in einem schlechten Zustand sei. Zudem müssten fast 10 Prozent der rund 7300 Brücken an Bundes- und Landesstraßen kurzfristig saniert werden.
Doch die Straßenbauverwaltung komme mit der Instandsetzung und dem Neubau von Brücken nicht nach, weil Personal und Geld fehlen. Deshalb drohen schon in wenigen Jahren vielerorts Brückensperrungen, so der Bauindustrieverband.