Mannheim (ABZ). – Eine stabile, langlebige und nachhaltige Bindung gehen Holz und Carbonbeton beim sogenannten Franklin-Steg in Mannheim ein. Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke soll mindestens 70 Jahre halten.
Im November 2025 wird die neue Verkehrsverbindung zwischen dem Stadtteil Vogelstang und dem neuen Franklin-Quartier freigegeben. "Der Holzüberbau misst insgesamt 44,70 Meter, und damit ist der Franklin-Steg die längste integrale Holzbrücke ihrer Art auf der Welt", erklärt Josef Schmees, Geschäftsführer und Gesellschafter des Brückenbauspezialisten Schmees & Lühn.
Die Bezeichnung "integrale Brücke" bezieht sich auf die Ausführung ohne Lager und Dehnfugen. Vorgefertigt wurden alle Komponenten über einen Zeitraum von rund sieben Monaten in den Hallen von Schmees & Lühn im emsländischen Niederlangen. Im August 2025 wurden sie mit insgesamt zehn Teillieferungen zur Baustelle nach Mannheim transportiert und innerhalb von drei Wochen montiert, informiert die Firma.
200 Kubikmeter Holz
Das Franklin-Quartier, ehemals von der US Army genutzt, wird derzeit revitalisiert. Auf diesem Areal siedeln die Stadtentwickler Gewerbeflächen mit 2000 Arbeitsplätzen und Wohnungen für rund 9000 Menschen an. Nachhaltigkeit ist bei diesem Vorhaben ein wesentliches Schlagwort. Dies gilt auch in Bezug auf die für den Franklin-Steg verarbeiteten Materialien.
Die blockverleimten Träger der insgesamt rund 150 t schweren, fugenlosen Brücke wurden hauptsächlich aus Holz gefertigt: Allein 140 m³ Fichten-Brettschichtholz hat Schmees & Lühn in den eigenen Werkhallen für einen Großteil der Brücke – den sogenannten Hauptspann – verarbeitet. Weitere 60 m³ Brettschichtholz bilden die Basis der Rampe, die auf der Vogelstang-Seite einen spiralförmigen Verlauf nimmt. Rippenplatten aus Stahl mit einem Belag aus Gussasphalt soll auf dieser Helix die sichere Begeh- und Befahrbarkeit gewährleisten. Filigrane Carbonbetonplatten als Gehbelag ergänzen die Holzkonstruktion laut Schmees & Lühn ideal. Hier wurde eine Bewehrung aus Kohlenstofffasern verwendet.
Finanzierung durch den Bund
Aufgrund des zukunftsweisenden und nachhaltigen Charakters – sowie wegen der Förderung umweltfreundlicher Mobilität – hat der Bund für dieses Projekt die komplette Finanzierung von rund neun Millionen Euro übernommen.
Zwei Krane hoben die Fußgänger- und Radfahrerbrücke als Ganzes am letzten Augustwochenende 2025 ein. Das reine Einhubgewicht – ohne Carbonbetonplatten – betrug hierbei 104 t. Die Sperrung der Bundesstraße begann am Samstagabend um 22 Uhr und sollte ursprünglich bis Montagmorgen um 4 Uhr dauern. Weil die Arbeiten jedoch schneller als geplant verliefen, konnte die Bundesstraße rund acht Stunden früher wieder freigegeben werden.
"Hier hat sich die detaillierte und vorausschauende Planung bezahlt gemacht, die wir mit unserem Auftraggeber, der MWS Projektentwicklungsgesellschaft, minutiös abgestimmt haben", sagt Josef Schmees.
Bis November soll die Fertigstellung dieser außergewöhnlichen Brücke abgeschlossen sein. Der Verkehr auf der Bundesstraße 38 unterhalb des Franklin-Stegs kann in dieser Zeit weiter ungehindert fließen.