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Leonhard Weiss optimiert Verfahren für marode Infrastruktur

Das Bauunternehmen Leonhard Weiss nutzt standardisierte Modelle und Verschubtechnik, um marode Brücken in Deutschland effizient zu erneuern.

Von ABZ
Brückenverschub: Effiziente Lösung gegen Sanierungsstau
Ein Projekt aus dem Jahr 2021 in Wertach: Der Quer- und Längsverschub der Stab-bogenbrücke. | Foto: Burkhardt Walter

Satteldorf (ABZ). – Angesichts des kritischen Zustands zahlreicher Brücken in Deutschland setzt das Bauunternehmen Leonhard Weiss auf ein zeit- und kostensparendes Verfahren, um dem drohenden Verkehrskollaps entgegenzuwirken: den Brückenverschub mit standardisierten Modellen.

Laut einer Studie des Organisationsbündnisses Transport & Environment (T&E) wurden mehr als 40 % der Brücken im Autobahn- und Bundesstraßennetz zwischen 1960 und 1980 gebaut, die nun gleichzeitig sanierungsbedürftig werden. Von insgesamt 40.000 Brücken in dieser Kategorie sind ungefähr 16.000 Bauwerke in unterschiedlichen Graden sanierungsbedürftig. Hinzu kommen mehr als 67.000 kommunale Straßen-, Fuß- und Radwegbrücken. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) kam in einer Studie aus dem Jahr 2023 zu dem Ergebnis, dass rund jede zweite davon bis zum Jahr 2030 entweder saniert oder komplett neu gebaut werden müsste.

Bei den 26.000 Bahnbrücken sind laut dem Infrastrukturzustands- und Entwicklungsbericht der Deutschen Bahn 1160 in einem so schlechten Zustand, dass sie nicht mehr wirtschaftlich instandgesetzt werden können. Die Bayerische Ingenieurkammer-Bau (BVmB) spricht von einer "Katastrophe mit Ansage", da es im ersten Halbjahr 2024 nur 33 Ausschreibungen für Brückenerneuerungen gegeben habe.

"Wenn man schnell viele neue Brücken bauen will, muss man neue Wege gehen", betont Diplom-Ingenieur Eckhard Schreiner, Technischer Leiter und Prokurist im Ingenieurbau von Leonhard Weiss. Hindernisse für eine entscheidende Wende sieht er vor allem auf administrativer und operativer Seite: "Das im März vom Bundestag beschlossene Sondervermögen allein wird den drohenden Verkehrskollaps nicht abwenden können. Es braucht vor allem effizientere Abläufe – im öffentlichen Beschaffungsrecht ebenso wie im Planungsprozess."

Beim Brückenverschub wird das zu ersetzende Brückenbauwerk unmittelbar neben seinem späteren Zielort errichtet und nach Fertigstellung in die Endlage verschoben. Laut Schreiner lässt sich ein solches Projekt unter günstigen Bedingungen innerhalb von drei Monaten durchführen. Der eigentliche Brückenverschub erfolge dann innerhalb von 72 Stunden. Das Unternehmen bietet sechs standardisierte Ausführungsvarianten an, darunter drei Widerlagertypen mit unterschiedlicher Flügelausrichtung. Bis zu einer lichten Weite von 14,5 m und einer lichten Höhe von bis zu 7,5 m kann das System als Standardlösung eingesetzt werden. Darüber hinaus sind individuelle Planungen möglich, die sich ebenfalls mit der Verschubtechnologie kombinieren lassen.

Als Referenz verweist Schreiner auf den Einbau eines Kreuzungsbauwerks in Nürnberg im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit 8 (VDE8). Innerhalb von sechs Monaten entstand eine mehr als 8 m hohe, 12 m breite und 35 m lange Stahlbetonbrücke mit einem Gewicht von mehr als 3200 t, die innerhalb einer Woche Streckensperrung in Endlage transportiert wurde. Der Verschub selbst erfolgte durch Hydraulikpressen mit einer Traglast von je 250 t und dauerte lediglich eineinhalb Stunden.

Bislang wurde das zeitsparende Verfahren hauptsächlich im Bahnbau genutzt, da hier keine Umfahrungen möglich sind und längere Sperrpausen mit großen logistischen Problemen einhergehen. Für dieses Jahr plant Leonhard Weiss nach eigenen Angaben, allein in diesem Segment mehr als zehn Bauwerke zu verschieben.

Untersuchungen der Fachhochschule Kiel zu CO2-Bilanzierungen von Infrastrukturprojekten im Brückenbau zeigen, dass die infolge längerer Verkehrsbeeinträchtigungen produzierten Treibhausgase deutlich mehr ins Gewicht fallen als die Emissionen beim Bau selbst. Die Forscher empfehlen daher, Bauwerke so zu optimieren, dass Bauabläufe schneller und mit minimalen Verkehrsbeeinträchtigungen durchgeführt werden. Für Schreiner ist daher der Zeitpunkt gekommen, den Brückenverschub auch verstärkt im Straßenbau einzusetzen: "Staus führen zu Umweltbelastungen, Verzögerungen im Transportwesen und erfordern überdies kostenintensive Verkehrssicherungsmaßnahmen. Wir können nicht nur bei der Ausführung, sondern bereits in der Akquise-Phase die Abläufe beschleunigen, da wir für unsere Standardlösungen schnell einen Preis nennen können."

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