Holz ist ein zentraler Baustoff für die Zukunft – nachhaltig, klimafreundlich und vielseitig einsetzbar. Nicht nur im Hochbau, sondern auch bei Fenstern und Fassaden gewinnt der Werkstoff an Bedeutung: Holz- und Holz-Alu-Fenster liegen im Trend.
Kai Pless, Geschäftsführer des Branchenverbands ProHolzfenster, erläutert die Gründe und zeigt auf, wie der deutsche Holzfensterbau die Herausforderungen annimmt..
Berlin. – Ob Lehm, Hanf oder Holz – nachwachsende Baustoffe gewinnen an Bedeutung. Ob der neue Dienstsitz des Bundespräsidenten in Berlin oder das Mega-Wohngebäude SAWA in Rotterdam, wo 100 Wohneinheiten in Holzbauweise entstehen: Viele der aktuell aufsehenerregendsten Bauvorhaben setzen auf Holz. Der Trend zum Holz hat gute Gründe – und er hat längst auch die Fenster erreicht. Holz- und Holz-Aluminium-Fenster überzeugen nicht nur mit ihrer günstigen Treibhausgasbilanz, sondern auch mit ihrer Vielseitigkeit. Ob schmale Profile im minimalistischen Neubau oder denkmalschutzgerechte Nachbauten in historischen Gebäuden: Der deutsche Holzfensterbau ist enorm breit aufgestellt, liefert "Losgröße 1" ebenso wie große Stückzahlen für das serielle Bauen.
Dass Holzfenster im Trend liegen, mag überraschen. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten fiel die Wahl oft auf andere Rahmenmaterialien. "Holzfenster? Die muss man doch ständig streichen" – Mythen wie diese halten sich hartnäckig. Die Studienlage zeigt jedoch: Holzfenster ist nicht gleich Holzfenster. Je nach Konstruktion, Bewitterung und verwendeter Holzart lassen sich Wartungsintervalle auf bis zu 15 Jahre ausdehnen. Holz-Alu-Fenster, also Holzfenster, die außen mit einer Aluminium-Schalung versehen sind, kommen sogar komplett ohne Wartung aus. Und doch: Das Holzfenster wurde lange kritisch beäugt.
Das ändert sich nun: In Firmenzentralen, Schulen und Kindertagesstätten, aber auch im Wohnbau wird zunehmend auf Holz- und Holz-Alu-Fenster gesetzt, etwa im Luisenblock West im Berliner Parlamentsviertel in Berlin (Sauerbruch & Hutton Architects), bei einer neu errichteten Kreissporthalle in Wangen im Allgäu (Steimle Architekten), bei der neuen Zentralbibliothek der Universität Gießen (Max Dudler Architekten) und vielen weiteren namhaften Bauvorhaben.
Obwohl der komplette Fenstermarkt in Deutschland unter Druck steht, hält sich der Bereich Holz stabil.Holzfenster haben in den vergangenen Jahren Marktanteile gewonnen, während andere Rahmenmaterialien deutliche Nachfragerückgänge verkraften mussten. Was sind die Gründe für den Trend? Als Bundesverband ProHolzfenster haben wir das Ohr an der Branche – und können darum Einblick in die Hintergründe geben.
Als nachwachsender, heimischer Rohstoff vereint Holz gleich mehrere Vorteile – es speichert langfristig CO2, ist in der Weiterverarbeitung weniger energieintensiv als andere Materialien und leistet so einen wichtigen Beitrag zum klimafreundlichen Bauen. Holz- und Holz-Alu-Fenster punkten aber auch in anderen Bereichen: Sie haben eine lange Lebensdauer, können immer wieder repariert und nachgerüstet und so an moderne Energieeffizienzstandards angepasst werden.
Holzfenster bieten einen großen Gestaltungsspielraum, Farbe und Form lassen sich individuell anpassen. Holzfenster mit spezieller Sicherheitsausstattung kommen etwa in Regierungsgebäuden oder Synagogen zum Einsatz. Und: Die besten Brandschutzfenster bestehen aus Holz: Holzfenster bleiben im Falle eines Brands lange formstabil, brennen kontrolliert ab und stoßen keine gesundheitsschädigenden Dämpfe aus.
Und schließlich spielen Holzfenster eine wichtige Rolle im Denkmalschutz: Wenn es darum geht, historische Fenster und Haustüren originalgetreu nachzubauen – oder auch fachgerecht zu sanieren – gelingt das nur mit Holzfenster-Kompetenz. Fenster sind die "Seele des Hauses". Ein schindelgedecktes Bauernhaus in den Alpen? Ohne Holzfenster undenkbar. Aber auch beim modernen Bauen bieten Holzfenster geeignete Lösungen, ob bei der seriellen Sanierung oder im modularen Neubau.
Fenster haben sich vom schlichten Wetterschutz zum Hightech-Bauteil entwickelt: Moderne Maschinenparks, digitale Fertigungstechnologien und zunehmend auch KI-gestützte Prozesse sind heute Standard in den Betrieben. So gut die Branche technisch und wirtschaftlich aufgestellt ist, so groß sind auch ihre Herausforderungen: Die Betriebe sind klein und sitzen in ländlichen Gegenden, weit von Berlin und Brüssel entfernt. Entsprechend wird ihr Wertbeitrag oft übersehen – obwohl gerade Handwerk und Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden.
Der Fensterbau ist eine tragende Säule der Bauwirtschaft. Rund 6000 Handwerks- und mittelständische Betriebe erzielen einen Jahresumsatz von rund 5 Milliarden Euro und sichern 100.000 Arbeitsplätze, vor allem im ländlichen Raum. Zwei Drittel der Betriebe und ein Drittel der Wertschöpfung im Fensterbau entfallen allein auf Holz- und Holz-Aluminium-Fenster. Somit leistet der Holzfensterbau einen entscheidenden Beitrag zum CO2-armen Bauen, aber auch rund um Design, Sicherheit und Baukultur.
Als Bundesverband ProHolzfenster vertreten wir also eine Branche, die sich auszeichnet durch kleine und mittelständische Handwerksbetriebe, die zum Teil seit Generationen in Familienhand sind. Es ist eine Branche, die fernab der städtischen Ballungszentren angesiedelt ist, mit Unternehmen, die in ihren Regionen tief verwurzelt sind, Arbeitsplätze sichern und einen unverzichtbaren Beitrag zur Wertschöpfung im ländlichen Raum leisten.
Was bräuchte es? Eine Aufwertung des ländlichen Raums und eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen: Effiziente Mobilität (inklusive bundesweiter Azubi-Tickets), ein flächendeckender Breitband- und 5G-Ausbau sowie ein flexibleres Angebot an Kinderbetreuung und Pflegeinfrastruktur könnten die Attraktivität strukturschwacher Regionen nachhaltig erhöhen. Die aktuellen Bürokratie- und Berichtspflichten sind gerade für kleine Betriebe oft kaum zu stemmen – entsprechend groß ist die Hoffnung auf den "Bauturbo" der Bundesregierung und die Ankündigung von Bauministerin Hubertz rund um "weniger Normen und Schnickschnack" und mehr Tempo, Technologie und Toleranz im Bauwesen.
Als Bundesverband ProHolzfenster fordern wir außerdem mehr politische Unterstützung für den Einsatz von Holz im Bauwesen: Holz- und Holz-Alu-Fenster sollten Teil der Bundes-Holzbauinitiative werden, durch eine effektive CO2-Bepreisung klimatisch fair bewertet und über die Gebäudebilanzierung vollständig miteinbezogen werden.
Gleichzeitig plädieren wir als Verband für den Abbau des massiven Sanierungsstaus:
Eine Vereinfachung der bestehenden Förderprogramme höhere Förderzuschüsse für Haushalte mit mittlerem und geringem Einkommen sowie verbindliche Mindesteffizienzstandards im Bestand wären hier zentral. Rückschritte beim Gebäudeenergiegesetz oder gar eine Abkehr von Gebäudeeffizienz-Bemühungen lehnen wir hingegen ab.
Klar ist: Ohne Holzfenster kann weder die Bauwende gelingen, noch der eklatante Sanierungsstau in Deutschland abgebaut werden. Der Holzfensterbau steht bereit, seinen Beitrag zu leisten. Nun ist es an Politik, Planung und Bauwirtschaft, die richtigen Weichen zu stellen.
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Der Autor ist Geschäftsführer des Bundesverbands ProHolzfenster e. V. Seit mehr als 30 Jahren vertritt der Verband über 180 Mitgliedsunternehmen aus dem Fensterbau, darunter Tischlereien, Schreinereien und Glasereibetriebe sowie Lieferanten und Akteure der erweiterten Wertschöpfungskette. Sitz der Bundesgeschäftsstelle ist das Haus des Holzes in Berlin.