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"Das Dachdeckerhandwerk kann dem Jahr 2026 vorsichtig optimistisch entgegenblicken"

Das Dachdeckerhandwerk zeigt sich stabil bis gut für 2026, trotz Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen. Politische Impulse und hohe Nachfrage eröffnen Chancen.

Von ABZ
Bauaussichten 2026
Dirk Bollwerk, Präsident des Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks | Foto:Guilio Coscia

Auch wenn die großen Umsatzsprünge der Vergangenheit vorbei sind, bleibt die wirtschaftliche Lage im Dachdeckerhandwerk stabil bis gut.

Trotz erneut sinkender preisbereinigter Umsätze 2025 zeigen sich die Betriebe finanziell solide – ein Trend, der sich Stand heute bis 2026 fortsetzen dürfte. Hauptgründe sind eine anhaltend hohe Nachfrage, sinkende relative Material- und Personalkostenanteile am Umsatz sowie eine schrumpfende Zahl an Betrieben, unter denen sich das Auftragsvolumen verteilt.

Die Materialpreise sind 2024 im Schnitt um 1,8 Prozent gesunken. Besonders deutlich waren die Rückgänge bei Holzprodukten und Bitumenbahnen. Selbst bei zuvor stark verteuerten Tondachziegeln blieb die Preissteigerung minimal. Dadurch sank für die Betriebe der Materialkostenanteil am Umsatz im Schnitt auf knapp 35 Prozent – ein deutlicher Rückgang gegenüber den Spitzenjahren 2021/2022.

Auch der Anteil der Personalkosten am Umsatz ist trotz Mindestlohn- und Tarifsteigerungen leicht gefallen. Diese strukturelle Entlastung beschert den Betrieben höhere Renditen und stärkt ihre Eigenkapitalbasis – eine wichtige Voraussetzung für ihre Resilienz im Jahr 2026. Die Zahl der Dachdeckerbetriebe mit Mitarbeitern sinkt weiter, 2025 das zehnte Jahr in Folge; 2024 waren es nur noch knapp 11 300.

Gegenläufig ist die Entwicklung bei den Soloselbstständigen: Nach teils starken Anstiegen macht deren Anteil inzwischen rund ein Viertel der Branche aus. Parallel fällt die Zahl der gewerblichen Beschäftigten 2025 erstmals seit dem Jahr 2010 unter die Marke von 62000, ein Trend, der sich 2026 fortsetzen wird. Der Rückgang an Fachkräften reduziert zwar die Menge verfügbarer Produktivstunden, führt aber nicht zwingend zu geringeren Gewinnen. Weniger Wettbewerb und volle Auftragsbücher machen die Betriebe weiterhin profitabel. Die große Herausforderung ab 2026 wird jedoch die Qualitätssicherung sein: Erfahrene Fachkräfte gehen in Rente, Nachwuchs kommt nur verzögert nach.

Die Ausbildungszahlen im Dachdeckerhandwerk steigen zwar seit vielen Jahren kontinuierlich an, doch der zeitliche Versatz bleibt ein strukturelles Problem. Das bedeutet für die gesamte Berufsorganisation auch weiterhin junge Menschen für den Beruf "ganz oben" zu werben und Fachkräfte im Betrieb zu halten. Nach dem Einbruch im Wohnungsneubau ist die Talsohle erreicht. Für 2026 wird ein moderates Wachstum im Neubau erwartet – ein wichtiger Baustein für zusätzliche Aufträge im Steildach- und Flachdachbereich. Der Anteil der Neubauprojekte am Auftragsvolumen dürfte damit wieder steigen, nachdem er seit 2021 deutlich gesunken ist.

Die Installation von Photovoltaik-Anlagen etabliert sich endgültig als dauerhaftes Zusatzgeschäft, gerät aber in eine Phase der Sättigung und Stagnation. Für viele Betriebe ist die Kombination aus Dachsanierung und PV-Montage immerhin ein zentrales Standbein, das 2026 weiter an Bedeutung gewinnt – vor allem durch politische Zielvorgaben zur Energiewende. Stabil hoch bleiben die Bereiche Reparatur und Wartung, die bei den Betrieben im Schnitt etwa 30 Prozent des Umsatzes ausmachen.

Dauerhaft steigende Wetterextreme und Alterungsprozesse der Bausubstanz sorgen dafür, dass dieses Geschäft 2026 weiterhin verlässlich trägt. Energetische Sanierungen bleiben mit über 50 Prozent der wichtigste Marktbereich.

Für 2026 entscheidend ist, ob Förderprogramme kontinuierlich und planbar bleiben. Kommunen verfügen durch das in Kraft gesetzte Sondervermögen "Infrastruktur und Klimaneutralität" in den kommenden Jahren über 100 Milliarden Euro, die auch in die Gebäudesanierung fließen werden – ein starker Impuls für die Dachdeckerbranche.

Auch das in Aussicht gestellte Wiederbeleben des Effizienzhaus-55-Fördermodells könnte 2026 Schub bringen. Allerdings handelt es sich hier um eine begrenzte Zahl von bereits genehmigten, aber noch nicht begonnenen Wohnbauprojekten. Gleichzeitig steigt der Druck, die sehr niedrige Sanierungsquote zu erhöhen, um die Klimaziele zu erreichen. Ob der von Bauministerin Hubertz angekündigte Bau-Turbo hält, was er verspricht, wird sich noch zeigen.

Zentrale Aufgabe sind dabei: Bürokratie entschlacken, Prozesse beschleunigen sowie Personalaufbau bei den zuständigen Behörden. Das Dachdeckerhandwerk kann dem Jahr 2026 vorsichtig optimistisch entgegenblicken. Wirtschaftlich sind die Betriebe gut aufgestellt, die Nachfrage bleibt hoch, politische sowie energetische Anforderungen schaffen zusätzlichen Bedarf.

Gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel die Herausforderungen bei Kapazität und Qualität. Entscheidend wird sein, wie effizient Betriebe mit knapper werdenden Ressourcen umgehen und wie verlässlich Förderbedingungen auf Bundes- und Kommunalebene bleiben.

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