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"Der grundsätzliche Bedarf an Bauleistungen ist auf absehbare Zeit gegeben"

Trotz herausfordernder Jahre zeigt die Bauwirtschaft erste Anzeichen der Erholung. Erfahren Sie mehr über die aktuellen Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektiven.

Von ABZ
"Der grundsätzliche Bedarf an Bauleistungen ist auf absehbare Zeit gegeben"
Dr. Gerhard Mudrack,Vorstandsmitglied von Soka-Bau |

Die Bauwirtschaft blickt auf vier schwierige Jahre zurück. Verwerfungen an den Rohstoffmärkten, hohe Inflation und Zinsanhebungen durch die EZB haben insbesondere die Wohnungsbaukonjunktur einbrechen lassen.

Die Zahl fertiggestellter Wohnungen lag nach Schätzungen im vergangenen Jahr rund ein Drittel unter dem Wert des Jahres 2020 und mit knapp über 200.000 Wohnungen gleichzeitig weit entfernt von dem tatsächlichen Bedarf an neuen Wohnungen, der zum Beispiel in einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung auf 320.000 Wohnungen pro Jahr bis 2030 beziffert wird.

Die länger anhaltende Konjunkturschwäche hat die Baubetriebe auch dazu veranlasst, Beschäftigung abzubauen. Laut unseren Zahlen, die wir durch die monatlichen Betriebsmeldungen im Rahmen der Durchführung der Sozialkassenverfahren erhalten, arbeiteten zuletzt rund 10 Prozent weniger gewerbliche Arbeitnehmer auf deutschen Baustellen als vor dem jüngsten Konjunktureinbruch.

Umso erfreulicher ist es daher, dass sich die Rahmenbedingungen für die Baukonjunktur in den vergangenen Monaten verbessert und die Aussichten aufgehellt haben. So hat der Rückgang der Inflation gepaart mit höheren Lohnabschlüssen dafür gesorgt, dass die Einkommen der privaten Haushalte real zugelegt haben und die Nachfrage nach Wohnraum steigt. Niedrigere Leitzinsen haben für einen Rückgang der Bauzinsen gesorgt und die Finanzierung erleichtert.

Darüber hinaus haben sich Lieferengpässe aufgelöst und sich der Preisauftrieb bei den Bauleistungen wieder beruhigt.

Darüber hinaus wurden auf politischer Ebene die Weichen für einen neuen Aufschwung am Bau gelegt. Zu nennen ist hier zuallererst das Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro, das über zwölf Jahre in Infrastruktur fließen und darüber hinaus die heimische Wirtschaft klimaneutral machen soll. Das Sondervermögen hat die Erwartungen geweckt, dass insbesondere der Tiefbau in den kommenden Jahren zahlreiche neue Aufträge erhält.

Der "Bau-Turbo" soll dafür sorgen, dass schneller mehr Wohnraum entsteht, indem vom Bauplanungsrecht abgewichen werden kann indem zum Beispiel auf einen Bebauungsplan verzichtet wird oder Bauanträge automatisch nach einer Frist von drei Monaten erteilt werden. Darüber hinaus soll der jüngst von der Bundesregierung vorgestellte Gebäudetyp "E" mit der Abkehr von vielen Standards einfacheres und somit schnelleres und kostengünstigeres Bauen ermöglichen.

Die vorlaufenden Konjunkturindikatoren haben sich im vergangenen Jahr bereits verbessert. So sind die Baugenehmigungen im Hochbau durchgängig gestiegen. Erfreulicherweise lag dies insbesondere an steigenden Genehmigungen im Wohnungsbau. Positiv stimmt auch, dass sich der Anstieg nicht nur auf Einfamilienhäuser beschränkt, sondern auch die Genehmigungen von Mehrfamilienhäusern angezogen haben.

Mittlerweile profitieren davon auch die Baubetriebe in Form zunehmender Aufträge. Damit besteht die begründete Hoffnung, dass sich die Bautätigkeit – die im vergangenen Jahr noch weitgehend auf der Stelle trat – in diesem Jahr langsam erholt und wieder Arbeitsstellen aufgebaut werden. Die Zahl neuer Auszubildender hat sich unseren Zahlen aus dem Berufsbildungsverfahren zufolge ja erfreulicherweise – und wieder einmal entgegen dem bundesweiten Trend – bereits im laufenden Ausbildungsjahr deutlich erhöht. Mit der von allen Baubetrieben getragenen Ausbildungsumlage, die bereits seit 50 Jahren besteht, gibt es hier ein äußerst erfolgreiches Instrument, das mittlerweile von anderen Branchen adaptiert wird.

Langsam schreitet die Erholung der Baukonjunktur aber wohl deshalb voran, weil sich die Rahmenbedingungen zwar verbessert haben, aber sich in vielen Teilen doch nicht so günstig darstellen, wie sie auf den ersten Blick erscheinen.

Die Kritik am Sondervermögen ist bereits bekannt und sogar vom Bundesrechnungshof geäußert worden: Es ist nicht sichergestellt, dass die Investitionen zusätzlich getätigt werden. So wurden im Kernhaushalt bereits Investitionen gestrichen und auch auf Länderebene gibt es keinerlei Verpflichtung zu zusätzlichen Investitionen.

Der "Bau-Turbo" wiederum hilft mitunter bei der schnelleren Abwicklung von Baugenehmigungen, er generiert aber keine zusätzlichen Aufträge.

Immerhin wird laut Medienberichten momentan auch über zusätzliche Impulse für den Wohnungsbau diskutiert, etwa in Form von Freibeträgen oder niedrigeren Baunebenkosten.

Dies könnte dazu beitragen, die momentane Nachfrageschwäche zu überwinden. Denn der grundsätzliche Bedarf an Bauleistungen – nicht nur im Wohnungsbau – ist auf absehbare Zeit gegeben, da keine der wichtigen Zukunftsfragen – sie es das Thema demographische Entwicklung, Klimaneutralität oder Erneuerung der Infrastruktur – ohne die Bauwirtschaft gelöst werden kann.

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