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"Durchsetzungskraft und Pragmatismus sind gefragt"

Im "Herbst der Reformen" zeigt sich die Politik oft uneinig, während die Betonbohr- und -sägebranche trotz unsicherer Rahmenbedingungen solide Aufträge verzeichnet. Der Artikel beleuchtet die Herausforderungen und Chancen für Unternehmer in einem sich wandelnden wirtschaftlichen Umfeld.

Von ABZ
Bauaussichten 2026
Manfred Witzke, Vorsitzender des Fachverbandes Betonbohren und -sägen Deutschland |

Der von Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigte "Herbst der Reformen" ist sicher nicht so verlaufen, wie viele Unternehmer und auch die Bürger des Landes sich das gewünscht hätten.

In den öffentlichen Diskussionen dominierten parteipolitische Auseinandersetzungen, während die notwendige Sacharbeit in den Hintergrund rückte. Dabei wäre die Aufgabe klar: weniger reden, mehr machen – und Entscheidungen an den tatsächlichen Erfordernissen orientieren statt an parteipolitischen Interessen. Zahlreiche Statistiken und Umfragen zeigen: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind angespannt, die Stimmung im Land verhalten. Die Politik ist gefordert, hier wirksam nachzusteuern.

Trotz dieser gesamtwirtschaftlichen Unsicherheit blickt die Betonbohr- und -sägebranche auf ein insgesamt auskömmliches Jahr 2025 zurück. Viele Fachbetriebe sind mit ihrer Auftragslage zufrieden, existenzgefährdende Einbrüche sind nicht zu beobachten, auch wenn kleinere Fachbetrieben die Schwankungen weniger gut kompensieren können.

Die Arbeiten in der Sanierung im Bestand – einem der Kerngeschäftsfelder der Branche – laufen weiterhin gut. Reserven gibt es noch immer im Bereich Hochbau. Auch die Industrie als wichtiger Auftraggeber agiert derzeit zurückhaltend – ein Bild, das sich in der allgemeinen wirtschaftspolitischen Diskussion widerspiegelt. Ähnlich ist die eher durchwachse Stimmung bei den Herstellermitgliedern der Branche. Denn auch die Investitionsbereitschaft der ausführenden Fachbetriebe ist zurückhaltend. Während der Absatz neuer Maschinen rückläufig ist, verzeichnen Diamantwerkzeuge eine gute Nachfrage. Das ist ein positives Signal: Die Betriebe arbeiten, doch zugleich herrscht Vorsicht bei größeren Investitionen.

Die zentrale Frage vieler Unternehmer lautet: Wie sicher ist die Zukunft – und kann ich mir nachhaltige Investitionen derzeit leisten? Oft lautet die Antwort: lieber zurückhalten, um flexibel zu bleiben. Wie geht es weiter? Grundsätzlich gilt: Deutschland braucht Veränderungsbereitschaft.

Nur so kann sich unsere Wirtschaft erfolgreich weiterentwickeln. Die Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Gleichzeitig liegt es an jedem Unternehmer, Verbesserungen im eigenen Betrieb voranzutreiben. Die zunehmende Digitalisierung – und in Teilbereichen auch Künstliche Intelligenz – bietet hier Chancen. Natürlich wird eine KI kein Loch bohren oder eine Wand sägen. Die handwerkliche Arbeit unserer Branche bleibt menschliche Kompetenz in Kombination mit Maschinen und Werkzeugen.

Doch im administrativen Bereich kann Digitalisierung deutlich entlasten: bei Kommunikation, Kalkulation, Arbeitszeiterfassung oder Abrechnung. Neue Abläufe schaffen Zeit für das, worauf es wirklich ankommt. Die Fachausstellung BeBoSa 2026 wird auch in diesem Bereich neue Lösungen präsentieren – neben den technologischen Entwicklungen der Branche. Im März trifft sich die BBS-Branche im bekannten familiären Rahmen, in dem Anwender und Hersteller unmittelbar in Austausch treten.

Die Messe ist erneut ein wichtiger Gradmesser für die wirtschaftliche Lage: Die hier sichtbaren Investitionsentscheidungen geben Hinweise darauf, wohin sich die Branche in den kommenden Jahren entwickelt. Bis dahin bleibt noch etwas Zeit – Zeit, die für politische Weichenstellungen dringend genutzt werden sollte. Denn wie heißt es so treffend: Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Positiv ist: Bis Ende 2025 wurden erste, kleine Schritte getan, wenn auch nach zähem Ringen.

Nun den ganzen Weg zu gehen, erwarte ich von der Politik. Aufgaben gibt es genug: Investitionen in die Infrastruktur, Bürokratieabbau, transparentere und einfachere Vergabeverfahren sowie die Schaffung von neuem Wohnraum sind nur einige Beispiele. Gibt es den politischen Willen und die notwendige Durchsetzungskraft – gepaart mit pragmatischem Handeln, wie es Unternehmer täglich beweisen –, dann kann sich die deutsche Wirtschaft positiv entwickeln. Und mit ihr auch die Betonbohr- und -sägebranche.

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