München (ABZ). – Direkt unter dem Marienhof entsteht Münchens neuer Tiefbahnhof – dabei feiert der Volvo-Radlader L120 Electric seine Premiere in Europa, wie der Hersteller mitteilt.
In der Münchner Innenstadt, unmittelbar hinter dem Rathaus, arbeitet die ARGE Marienhof –bestehend aus Implenia und Hochtief – im Auftrag der Deutschen Bahn an der zweiten S-Bahn-Stammstrecke. In einer der tiefsten Baugruben des Landes, inzwischen 44 m unter Straßenniveau, soll mit dem Haltepunkt Marienhof eine neue unterirdische Haltestelle entstehen.
Derzeit wird laut Volvo in 27-Metern-Tiefe ein Verbindungstunnel zur bestehenden U-Bahn am Marienplatz gegraben. Das geschieht unter Druckluft, um das Eindringen von Grundwasser zu verhindern. Der Druck entspricht dem Tauchen in 4-Meter-Tiefe. Reinhold Boiger, Oberbauleiter Tunnelbau der ARGE Marienhof, erklärt: "Ohne medizinische Freigabe darf niemand in den Druckluftbereich." Die Arbeiten seien eine große Herausforderung für Mensch und Maschine.
Nur elektrisch angetriebene Geräte dürfen unter diesen Bedingungen eingesetzt werden, denn Dieselmaschinen würden Brandgefahr heraufbeschwören. Hier kommt Volvo CE ins Spiel. Mit dem L120 Electric hat das Unternehmen nach eigener Aussage den ersten vollelektrischen Großradlader Europas geliefert, der unter Druckluftbedingungen im Tunnelbau eingesetzt werden kann.
Die individuelle Lösung hat Volvo CE in Zusammenarbeit mit der ARGE Marienhof und dem Händler Robert Aebi konzipiert und mit besonderen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet: Der L120 Electric verfügt über Rückfahr- und Seitenkameras, Personenerkennungssysteme und eine automatische Feuerlöschanlage, so der Hersteller. Für zusätzlichen Brandschutz überwacht ein Sensorsystem kontinuierlich die Akkutemperatur.
Dass der L120 Electric heute im Zentrum Münchens im Einsatz ist, ist das Ergebnis eines ambitionierten Zeitplans. Im November 2023 stellte die ARGE Marienhof die Anforderungen, im Januar 2025 musste die Maschine einsatzbereit sein.
Der Umstieg auf Elektromaschinen wie den L120 Electric bringt auch für den Handelspartner Robert Aebi eine klare Veränderung mit sich. "Früher haben wir Maschinen verkauft – heute liefern wir ganzheitliche Lösungen", beschreibt es Claus Speldrich, Business Development Manager von Robert Aebi. Das umfasst individuelle Beratung zur Ladeinfrastruktur, Einsatzplanung, Sonderausstattungen und technischen Support.
Gleichzeitig muss auch der Service mitziehen, insbesondere durch die Schulung der Techniker auf die neue Akkutechnologie. Laut Speldrich wurde speziell für das Projekt ein 24/7-Bereitschaftsdienst eingerichtet. "Wenn eine Maschine steht, steht das gesamte Projekt – und das darf nicht passieren", sagt der Manager.
Hinzu kommt die logistische Meisterleistung, die zur Anlieferung und zum Betrieb einer 20-Tonnen-Maschine mitten in der Münchener Altstadt notwendig war. Enge Zufahrtswege, denkmalgeschützte Gebäude, Fußgängerzonen, Lieferverkehr, Restaurants und Einzelhandel – all das macht den Zugang zur Baustelle am Marienhof zu einem präzise getakteten Unterfangen. Jeder Lkw, jede Anlieferung wird im Voraus minutengenau geplant.
"Wir vergeben feste Zeitfenster. Wer zu spät kommt, muss warten oder wird abgewiesen", sagt Oberbauleiter Boiger. Der Tiefladertransport des L120 Electric durch München, gefolgt vom spektakulären Absenken der Maschine per Kran in 2-Meter-Tiefe, war eine besondere Herausforderung. "Das geht nur mit einem eingespielten Team, perfektem Timing und Technik, die auf den Punkt funktioniert."
Mit seinen 20-Stunden-Akkubetrieb und einer Laufzeit von bis zu acht Stunden pro Schicht ist der L120 Electric nach Angaben des Herstellers auf Arbeiten in engen, sensiblen Tunnelanlagen zugeschnitten. Auf der Münchener Baustelle transportiert der Radlader den gelösten Ausbruch vom Tunnelkopf zur Transportmulde – ein entscheidender Teil der Prozesskette im Druckluftvortrieb.
Die Kabine zeichnet sich Volvo zufolge durch moderne Ergonomie, ein intuitives Bedienkonzept und Rundumsicht durch integrierte Kamera-Assistenzsysteme aus. Die Resonanz aus dem Team sei durchweg positiv.
Für Reinhold Boiger und sein Team ist der elektrische Radlader erst der Anfang: "Wir wollen mehr solcher Maschinen einsetzen, nicht nur unter Druckluft. Auch im offenen Tunnelbau werden Elektrolösungen zur Zukunft gehören." Der L120 Electric sei kein Prototyp – sondern Realität, die funktioniert.