Der Ausbau der Breitband-Infrastruktur erfordert erhebliche Baukapazitäten. Das verursacht entsprechende Schadstoff- und Lärmemissionen, die Umwelt und Gesundheit beeinträchtigen und die Akzeptanz in der Bevölkerung mindern. Axians und GasLINE haben in einem Referenzprojekt erfasst, welche Einsparpotenziale eine vollelektrische Baustellenausstattung bietet.
Die Erkenntnisse liefern konkrete Anhaltspunkte für Bauunternehmen, die klimaneutraler werden wollen. Mit diesem Projekt unterstützt Axians das Nachhaltigkeitsziel des Mutterkonzerns VINCI: Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen in Scope 1 und 2 um 40 % und in Scope 3 um 20 % (im Vergleich zum Basiswert 2019) reduziert werden.
Klimabilanz wird zum Wettbewerbsfaktor
Bauunternehmen stehen unter Druck, denn Auftraggeber fordern zunehmend Nachweise über die Klimawirkung von Bauprojekten. Besonders Scope-3-Emissionen – indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette – rücken in den Fokus. Für Tiefbau- und Infrastrukturprojekte bedeutet das: Baumaschinen und Baustellenlogistik müssen auf den Prüfstand.
Axians, die ICT-Marke von VINCI Energies, hat gemeinsam mit GasLINE, einem maßgeblichen Glasfaser-Infrastrukturanbieter, ein Pilotprojekt durchgeführt, das belastbare Daten zu elektrifizierten Baustellen liefert. Zwischen Rösrath (NRW) und Hünfelden (Hessen) entstehen aktuell Kabelschächte für eine LWL-Backbone-Trasse. Dabei wurden sowohl auf einer emissionsarmen als auch auf einer regulären Baustelle Messungen durchgeführt, die einen direkten Vergleich unter realen Einsatzbedingungen ermöglichten.
Messergebnisse: CO2-Reduktion zwischen 40 und 100 Prozent
Im Rahmen des Projekts erfolgte die Analyse der CO2-Einsparungen in enger Zusammenarbeit mit der Schwestermarke Omexom, der Marke für Energieinfrastrukturen von VINCI Energies. Omexom unterstützt mit der Dienstleistung Decarbo:tec die Analyse von Energiepotenzialen zur Dekarbonisierung. Eine 25-kW-Photovoltaikanlage bei der Kölner Axians Geschäftsstelle lud mobile 18-kW-Powerbanks, die die Stromversorgung direkt am Einsatzort gewährleisteten. Eingesetzt wurden eine 100 % elektrische Maschinenflotte (Lkws, Bagger, Verdichter), akkubetriebene Werkzeuge und digitale Tools wie GIS-gestützte Trassenplanung, digitale Baudokumentation sowie Sensorik.
Während die konventionelle Baustelle 126 kg CO2-Äquivalent verursachte, reduzierte sich dieser Wert bei elektrischen Maschinen mit grauem Strom auf 77 kg (40 % Reduktion) und bei Ökostrom-Nutzung auf 0 kg (100 % Reduktion). Die wirtschaftliche Bewertung fällt jedoch gemischt aus: Elektro-Lkws kosten das 2,8-fache konventioneller Fahrzeuge, Elektrobagger das 1,6-fache und die Betriebskosten variieren stark je nach Ladeinfrastruktur.
Handlungsempfehlungen für Bauunternehmen
Das Referenzprojekt zeigt: Die Elektrifizierung von Baumaschinen ist technisch umsetzbar und liefert messbare CO2-Reduktionen. Die wirtschaftliche Darstellbarkeit hängt jedoch stark von Gerätekategorie, Verfügbarkeit und verfügbarer Ladeinfrastruktur ab.
Aus den Projektergebnissen leitet Axians konkrete Empfehlungen ab:
Selektive Einführung: Elektrische Maschinen sollten dort eingesetzt werden, wo sie technisch ausgereift, verfügbar und kosten-nutzenseitig darstellbar sind. Eine pauschale Umstellung ist aktuell weder wirtschaftlich noch praktikabel.
Priorisierung kleinerer Geräte: Elektrostampfer, Minibagger und akkubetriebene Werkzeuge haben sich in der Praxis bewährt. Sie bieten ein günstiges Verhältnis zwischen Mehrkosten und CO2-Reduktion.
Verzicht auf hochpreisige Fahrzeuge: Elektrische Lkws bleiben vorerst außen vor, solange Anschaffungskosten (Faktor 2,8) und Verfügbarkeit wirtschaftlich nicht tragbar sind. Hier empfiehlt sich ein Monitoring der Marktentwicklung.
Aufbau eigener Ladeinfrastruktur: Der Ausbau von Ladepunkten an Betriebsstandorten mit Grünstrom senkt Betriebskosten und eliminiert CO2-Emissionen. Mobile Ladeeinheiten schaffen Flexibilität für wechselnde Einsatzorte.
Anpassung der Baustellenlogistik: Ladezeiten und Akkukapazitäten erfordern eine vorausschauende Einsatzplanung sowie eine gesicherte Energieversorgung durch mobile Ladepunkte und abgestimmte Ladezyklen.
Kontinuierliche Datenerhebung: Nur durch systematisches und konsequentes Monitoring entstehen belastbare Entscheidungsgrundlagen für langfristige Investitionsstrategien. Jedes Projekt liefert neue Erkenntnisse zu Einsparpotenzialen und Optimierungsansätzen.
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