Berlin (ABZ). – Frost und Schnee gehören zum Winter. Doch sie können Bauten schädigen, vor allem, wenn diese noch nicht fertiggestellt sind. Schnee und Regen dringen schnell in den Bau, durch Fensteröffnungen oder ungeschützte Kellerabgänge oder es regnet in offene Mauerkronen. Dabei können erhebliche Schäden entstehen.
"Winterschutz vor Abnahme ist meist Sache der Baufirma und sogar in DIN 18299 geregelt. Aber zwischen DIN, Vertrag und Wirklichkeit klaffen oft Welten. Gerade, wenn Firmen in finanziellen Schwierigkeiten stecken, verlassen sie häufig Hals über Kopf die Baustelle. Dann sollte der Bauherr lieber ein paar Hundert Euro in die Sicherung investieren, als tatenlos zuzusehen, wie sich sein Haus durch Witterungseinflüsse schnell in eine Bauruine verwandelt", rät Marc Ellinger, Bausachverständiger im Verband Privater Bauherren (VPB) und Leiter des VPB-Büros in Freiburg. Bauherren sollten sich deshalb Ellinger zufolge in den nächsten Wochen nicht allein auf die Sorgfalt ihrer Baufirmen verlassen, sondern prüfen, ob ihr Rohbau ausreichend geschützt ist.
Rechtzeitig Maßnahmen ergreifen
Werde die Firma trotz entsprechender Hinweise immer noch nicht tätig oder liegt einfach eine Pause zwischen zwei von den Bauherren beauftragten Gewerken vor, dann kann beim Bau auf eigenem Grund und Boden, für den man ein Betretensrecht hat, notfalls nur noch eines helfen: "Selbst Folien besorgen und die neuralgischen Punkte abdecken. Das lohnt sich, denn im Rohbau steckt bereits der Löwenanteil des Eigenkapitals der zukünftigen Bewohner", so der Bauexperte. Je nachdem, wie weit der Bau bereits fortgeschritten ist, empfiehlt der VPB-Experte unterschiedliche Schutzmaßnahmen. Stehen Keller und Erdgeschoss, aber fehle das Dach noch, sollten die Bauherren zwei Dinge erledigen: Zum einen den offenen Kellertreppenausschnitt in der Kellerdecke durchtrittssicher abdecken – dies schon aus verkehrssicherungsrechtlichen Gründen – und mit Folie überspannen, zum anderen die Mauerkronen abdecken."Wenn Regen und Schmelzwasser in den Keller laufen und dort wochenlang stehen, ist das später der beste Nährboden für Schimmel. Deshalb Keller trockenlegen, Wasser und Schnee mit Eimern und Schaufeln entfernen und dann den Kellerabgang abdichten."
Dachöffnungen und Keller prüfen
Regenwasser und Schnee dringen aber nicht nur über den Kellerausschnitt ein, sondern sickern auch durch Kellerschächte und Deckendurchbrüche, die die Rohbauer für Wasser- und Heizungsrohre ausgespart haben. Auch diese Löcher sollten alle durchtrittsicher abgedeckt und gegen Wassereintritt geschützt werden, erläutert Ellinger. Ebenso wichtig sei der Schutz der offenen Mauerkronen. Dringe dort über Wochen Wasser ein, liefen die Steine voll. Gefriert dann das Wasser im Stein, dehnt es sich aus und zerstört den Stein. Verhindern lässt sich das nur, wenn die Mauerkronen und Brüstungen mit Folie sicher abgedeckt sind.
Wird das Haus bereits von einem Dach geschützt, sollten Bauherren Ellinger zufolge prüfen, ob alle Dachöffnungen dicht sind. Falls nicht: Offene Fensterlöcher mit Folie sichern, rät Ellinger. Ist das Dach bereits gedeckt, sind meist auch schon Regenrinnen und Fallrohre montiert: "In diesem Fall sollten die Bauherren schauen, wohin die Fallrohre entwässern. Auf gar keinen Fall darf das Wasser einfach neben der Hauswand ins Erdreich sickern. Wasser muss immer weg vom Haus", erklärt der Diplom-Ingenieur und empfiehlt: "Am unteren Ende des Fallrohres ein Kunststoffrohr aufstecken und das Regenwasser ins Gelände umleiten - möglichst weit vom Haus!" Kunststoffrohre oder spezielle Fallrohrschläuche aus Folie gibt es in passender Größe für wenige Euro im Fachhandel. Das besondere Augenmerk der angehenden Hausbesitzer, so VPB-Bauherrenberater Ellinger, sollte auch den bereits verlegten Wasser- und Heizungsrohren im Haus gelten.