Mo i Rana/Norwegen (ABZ). – Entlang der majestätischen Landschaft Nordnorwegens, unter den Füßen der Wanderer im Sommer und im Angesicht der rauen Bedingungen im Winter baut PNC Nordic AS (PNC) eine neue Straße, die durch zwei Berge und über einen See führt. Für PNC ist es das erste Tunnelprojekt dieser Art in Norwegen. In Angriff nimmt man diese Aufgabe gemeinsam mit Sandvik.
Nach einem kurzen Flug vom norwegischen Bodø setzt die 30-sitzige Propellermaschine mit einem sanften Stoß auf der Landebahn in Mo i Rana auf. Es ist ein kleiner Flughafen, genau richtig für das kleine, eng von gewaltigen Bergen und klaren, blauen Fjorden flankierte Industriestädtchen. Im Sommer strömen Hunderte von Caravanern und Feriengästen in die Heimat der Mitternachtssonne, um auf den abwechslungsreichen Bergpfaden zu wandern, in den umliegenden Gewässern zu schwimmen, zu segeln oder zu fischen und die wohltuende Atmosphäre zu genießen. Die Zufahrtsstraßen zu dieser Gegend winden sich schier endlos und sind so eng, dass jeder Autofahrer nervös wird, wenn große Laster vorbeidonnnern.
Genau so eine Straße modernisiert PNC: die Fv17. Die vorhandene Küstenstraße fällt sanft ab und führt an ihrer schmalsten Stelle am Liafjellet vorbei - einem hohen Berg mit steiler Flanke. So schön er auch ist, kommt es doch im Winter nicht selten vor, dass Lawinen die Zufahrtsstraße komplett versperren und so die Gemeinden und Unternehmen im Norden von der Außenwelt abschneiden. Dann ist ein Transport Richtung Süden nur noch per Flugzeug und Schiff möglich, die jedoch häufig ebenfalls auf Grund schlechter Wetterbedingungen verspätet sind oder ganz ausfallen.
Vor Ort leitet Projektmanager Norbert Hoerlein den Betrieb mit energischer Zuversicht. Hoerlein arbeitet schon seit 20 Jahren im Tunnelbau, meist in Österreich und Deutschland. Für ihn und PNC ist es das erste Tunnelprojekt in Norwegen. "[Das Projekt] ist ein 5 km langer Straßenabschnitt, der durch zwei Berge führen soll – 1800 m durch den Liatind sowie 400 m durch den Bakliholtan und dann als Brücke über den Olvikvatnet-See", erläutert er. Die Straße wird komfortable 8,5 m breit sein – viel besser für diese großen Laster – und meidet die steile Bergwand sowie die dadurch bedingten Lawinen. Mit einem Auftragsvolumen von rd. 330 Mio. NOK ist es zwar ein relativ kleines Projekt für den PNC-Konzern, aber ideal als erstes Vorhaben des Unternehmens in Norwegen.
Bereits vor dem Auftrag in Norwegen hatte PNC aus früheren Projekten Beziehungen zu Sandvik und dem Sandvik-Händler Avesco. Da das norwegische Projekt leistungsstarkes und zuverlässiges Bohrgerät erforderte, kam man zu dem Schluss, dass der skandinavische Konzern Sandvik der perfekte Partner für diese Aufgabe wäre. Vor Ort werden neben Werkzeugen für den Bergbau, Bohrern und Bohrstangen auch die neueste Jumbo- und iSure-Bohrechnik optimal genutzt, so dass Bohren und Abschlagen kostengünstig, präzise und schnell ausgeführt werden können. "Dank des Gesteinsscanners brauchen wir nicht für jeden einzelnen Abschlag einen Vermessungstechniker . . . die Maschine bohrt in Windeseile gute, exakte Löcher und geht nicht kaputt", sagt Hoerlein. "Die Entscheidung für Sandvik war richtig." Er erwähnt sogar das Geräuschsystem des Jumbo-Bohrfahrzeugs: "Die Arbeitsbedingungen sind fantastisch."
Neben der neuen Technologie bringt Sandvik auch eine neue Generation Ingenieure und Techniker mit; "diese neuen, jungen Arbeitskräfte sind mit Playstations und iPhones aufgewachsen und sehr an den Daten und der Erforschung der neuen Werkzeuge interessiert." Diese "Digital Natives", die Hoerlein beschreibt, nutzten die Technologie vor Ort wirklich optimal. Bildung und Automatisierung seien die Zukunft der Branche, meint er. Da sie Hand in Hand arbeiten, sind sie bereit für das höhere Niveau an Sicherheit, Dokumentation und Präzision, das Kunden zunehmend verlangen.
Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine sei wichtig, sagt er. "Die Maschinen senden zwar eine große Menge Daten, aber sie ist wertlos, wenn sie nicht über hervorragende Techniker, Ingenieure und Bedienkräfte verfügen, die sie richtig interpretieren können. Sie können die neuesten Maschinen und Technologien kaufen, aber wenn Sie die Daten nicht richtig zu nutzen wissen, bohren Sie genau wie vor 30 Jahren." Früher, so Hoerlein, waren hochqualifizierte und erfahrene Ingenieure in ihren Büros eingesperrt und verbrachten ihre wertvolle Zeit mit dem Bedrucken von Papier und dem Ausfüllen von Formularen statt kreative Lösungen zu entwickeln: "… dank dieser neuen Technologie kann das nun mit einem Klick erledigt werden. Jetzt hat ein Ingenieur die Zeit, wirklich mit den Daten zu arbeiten."
Auf der Baustelle wird schon das neue Sandvik-iSure-Programm getestet und Hoerlein stellt fest, dass damit Kunden leichter informiert und zufriedengestellt werden können, während gleichzeitig das Vertrauen zwischen Kunden und Bauunternehmer wächst. Er setzt auf eine transparente Arbeitsweise und mit Hilfe dieser Technologie wird das ganz einfach: "Sie liefern auf unkomplizierte Weise exakte Daten über das Projekt und können dann gemeinsam Lösungen finden."
Bei diesem speziellen Projekt habe es noch nie ein Problem mit der Stabilität der Maschine und des Computersystems gegeben, berichtet Hoerlein – es sei im Rahmen des Einsatzes noch nie abgestürzt oder ausgefallen und erreiche damit ein neues Niveau an Zuverlässigkeit; "Es ist ein absolut stabiles System", sagt er. Aber das sei noch nicht alles: Bei Arbeiten wie dem Verbolzen sei es möglich, mit Hilfe des iSure-Systems die exakte Position der Bolzen zu messen und diese mit sehr hoher Genauigkeit in ein 3D-Bild für den Kunden umzuwandeln. "Ansonsten müsste ein Vermessungstechniker Zehntausende von Bolzen vermessen und vermuten, wo das Ende im Berg sitzt." Er fährt fort: "Das ist bereits ein Schritt in die Zukunft."
Die gängigen Gesteinsformen in Norwegen sind Gneis und Glimmerschiefer – altes Festgestein, perfekt für den Tunnelbau. Die Maschinen können jeweils einen Abschlag von 5 m bohren – ein gewaltiger Unterschied zu den Abschlägen von 1 bis 2 m, die Hoerlein aus Mitteleuropa kennt. "Deswegen ist die Technologie hier so wichtig", erklärt Hoerlein, "in Österreich und Deutschland, wo man immer nur 1 m bohren kann, kann man mit einem Abschlag nicht allzu weit in die falsche Richtung gehen. Aber wenn Sie hier in Norwegen nur nach Augenmaß bohren, kann es schnell passieren, dass Sie 1 m neben der geplanten Trasse rauskommen. Sie brauchen die Elektronik, um exakt voranzukommen."
Innen wird der geschlagene Tunnel mit Beton ausgespritzt, der Stahlfasern enthält; außerdem werden systematisch 3 bis 4 m lange Bolzen, die durch einen Kunststoffüberzug vor Rost geschützt sind, angebracht, dann wird ausgefugt und mit Zement aufgefüllt, um den Tunnel zu stützen.
Das Gestein mag zwar gut geeignet sein, aber die norwegische Landschaft bietet ihre eigenen Herausforderungen. "Wir sind es gewohnt, in Schnee und Gebirgen zu arbeiten, da wir aus Österreich kommen. Aber ein interessanter Aspekt, keine wirkliche Herausforderung, ist die Tatsache, dass wir hier in einer abgelegenen Gegend sind." Hoerlein erläutert: "Manchmal ist es schwierig, Ausrüstung und Ersatzteile, die eventuell benötigt werden, in der erforderlichen Zeit zu beschaffen. Wenn wir etwas aus der EU über den norwegischen Zoll importieren müssen, kann es zwei Wochen dauern, bis es durchgelaufen ist. Daher ergibt sich durch gute Ingenieure, eine erfahrene Crew und gute Projektleiter ein erheblicher Mehrwert, ebenso wie durch die Zusammenarbeit mit örtlichen Unternehmen und Unterauftragnehmern. Und das trägt sowohl zur Problemlösung als auch zum Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung innerhalb der norwegischen Unternehmen bei."
Integriert und Teil der norwegischen Tradition zu werden, ist wichtig für PNC. Das Unternehmen unterrichtet Nicht-Muttersprachler in der norwegischen Sprache, wobei jeder zweite Mitarbeiter Norweger ist – trotz einer aus sieben Ländern zusammengesetzten Mannschaft. "Es ist wichtig, die Kultur des Landes anzunehmen. Im Gegenzug bringen wir Erfahrungen im Tunnelbau und Infrastrukturaufbau sowie bei der Problemlösung mit." Hoerlein merkt an, dass PNC hoffe, Norwegen durch feste Fahrbahnen sowie Brücken- und Tunnelbau dabei zu helfen, seinen Bedarf an besserer Infrastruktur zu decken. "Wir haben nicht vor, dieses Projekt abzuschließen und dann zu verschwinden – es ist eine Investition in die Zukunft des Landes und des Unternehmens."