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"Europa braucht Zusammenhalt, Mut und Tatkraft"

Europa steht im Maschinenbau unter Druck: strenge Regulierung und unkontrollierte Importe verschärfen den Wettbewerb. Die Branche fordert Mut, Tatkraft und gemeinsame Lösungen.

Von ABZ
Bauaussichten 2026
Joachim Schmid, Geschäftsführer VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen |

Europa steht im Wettbewerb unter Druck, und der Maschinenbau ist massiv davon betroffen. Marktbedingungen haben sich verschoben: Auf der einen Seite strenge Regulierung, komplexe Vorgaben und hohe Investitionskosten, auf der anderen Seite unkontrollierte Importe, die den Wettbewerb verzerren.

Europäische Hersteller, die in Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit investieren, geraten ins Hintertreffen. Die Branche wehrt sich – mit klaren Forderungen und entschlossenem Handeln. Denn auch wenn die aktuellen Zahlen bei Baumaschinen eine leichte Trendwende nach oben zeigen, warten mittelfristig riesige Herausforderungen auf die Branche: Mit der derzeitigen Zollpolitik der US-Administration steht der wichtigste außereuropäische Exportmarkt massiv in Frage.

Auf Drittmärkten wird es für europäische Hersteller immer schwieriger, sich gegen chinesische Anbieter zu behaupten, die aus Überproduktion die Weltmärkte fluten. Das gilt mittlerweile auch für Europa.

Fairer Wettbewerb funktioniert nur, wenn Regeln für alle gelten. Fehlende Konformität, unzureichende Marktüberwachung und unkontrollierte Einfuhren erreichen das Gegenteil. Die kürzlich eingereichte Anti-Dumping-Klage der vier europäischen Mobilkranhersteller zeigt, dass die Branche bereit ist, klare Grenzen zu ziehen. Das Signal ist deutlich: Ungleiche Bedingungen akzeptieren Hersteller nicht mehr.

In Brüssel finden diese Themen Gehör. Der CECE Summit Anfang November 2025 verdeutlichte, dass die Branche entschlossen gegenüber Vertreterinnen und Vertretern der Kommission auftritt. Politikerinnen und Politiker müssen handeln, mutig mit dem Willen zu echten Reformen, zum Wohle der europäischen Industrie – nicht nur mit Blick auf das Naheliegende bis zur nächsten Wahl. Doch Verantwortung endet nicht in Brüssel oder Berlin: Jeder kann versuchen, über direkte Kontakte zu Abgeordneten auf das Thema aufmerksam zu machen und notwendige Entscheidungen anzustoßen. Jeder kann überlegen, wo und wie er Verantwortung übernehmen kann, und das beginnt in der Regel bei dem eigenen Verhalten und Tun.

Europa braucht Zusammenhalt, Mut und Tatkraft, gerade im Hinblick auf die globalen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. Der europäische Binnenmarkt ist die "Überlebensversicherung" seiner eigenen Industrie, wenn alle anderen Märkte wegbrechen. Wer hat noch vor einem Jahr erwartet, dass der wichtigste Exportmarkt USA so unberechenbar und schwierig werden wird? Innovationsfähigkeit darf nicht ausgebremst werden. Die Branche liefert Lösungen – sie investiert, digitalisiert, entwickelt – und kann erwarten, dass faire Rahmenbedingungen bestehen.

Ein Beispiel gelungener Zusammenarbeit, gemeinsam mit dem HDB, ist die Arbeitsgemeinschaft MiC 4.0. Baumaschinenhersteller und Anwender entwickeln digitale Standards für die Bauprozesse auf Grundlage der ISO 15143. Die praxisnahen Lösungsansätze in Form von Use-Cases fließen regelmäßig zur Abstimmung in die ISO-Sitzungen ein. Ziel ist es, diese in der Norm zu verankern. Erste Use-Cases sind bereits vorhanden und können ab Februar 2026 veröffentlicht werden. Die Umsetzung in die Praxis kann erfolgen, sobald die Schnittstelle (API) für die Prozessdaten auf ISO-Ebene fertig beschrieben ist. Damit ist es möglich, die Maschinenmodelle in der Datenbank kontinuierlich mit Prozessdaten aus Anwendersicht zu erweitern. So erhalten Bauunternehmen, die Maschinen erwerben wollen, Suchergebnisse, die nach ihren Anforderungen erarbeitet wurden.

Für die reibungsloste Kommunikation zwischen Maschine und Anbaugerät sorgt der MiC-BUS. Das Protokoll wird laufend erweitert.

Die neueste Version V1.2 wird voraussichtlich im April 2026 erscheinen. Hier werden neue Werkzeugtypen ergänzt, darunter Erntevorsätze, Parallelgreifer, Magnete, Schwellenleger, Schwellenwechsler und Greifersägen. Für rein mechanische (non-smarte) Anbaugeräte wird derzeit eine JSON-Datei erarbeitet, die den Anwender mit den notwendigen Informationen versorgen kann.

Unsere Branche ist und bleibt aktiv, um unsere Zukunft zu gestalten – mit Technologien, Standards und Prozessen, die weltweit Maßstäbe setzen. Europa hat die Chance, ein starker Industriestandort zu bleiben. Die Politik muss den Rahmen schaffen, die Industrie liefert die Lösungen. Mit Entschlossenheit, Innovationskraft und der Bereitschaft zum Handeln startet die Baumaschinen-Branche in ein neues Jahr voller Herausforderungen – und Chancen!

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