Baku/Aserbaidschan (ABZ). – In der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku wurde unlängst die größte jemals gehisste Flagge an einem der höchsten Masten der Welt aufgezogen. Der Mast steht direkt am Kaspischen Meer mit seinen extremen Windverhältnissen.
Es galt, die auftretenden Mastschwingungen in den Griff zu bekommen..
Die Aserbaidschaner setzten dazu auf das Know-how von Maurer, wie das auf Bauwerkschutz ausgerichtete Unternehmen mitteilt. Nach eigenen Angaben lieferte und montierte Maurer genau abgestimmte Schwingungsdämpfer (TMD, Tuned Mass Damper).
Der Fahnenmast ist laut dem Unternehmen 195 m hoch und besteht aus zehn konischen und miteinander verschraubten Metallsegmenten. Die Flagge ist 35 x 70 m groß. Wenn der Wind blase, wirkten enorme Kräfte auf den hohen Mast, erklärt Maurer. Dies soll Schwingungen verursachen, durch die der Mast in Resonanz geraten und im schlimmsten Fall einstürzen könnte. Zudem liegt Baku in einer aktiven Erdbebenregion.
Daher war ein ausgeklügeltes Schwingungsdämpfersystem notwendig. Nach eigenem Bekunden wurde Maurer angefragt, weil Dämpfer des Münchner Unternehmens in Baku bereits in zwei Hochhäusern zuverlässig ihren Dienst verrichten: im Baku Tower und im Socar Tower.
Die Firma plante und produzierte in München 3 TMDs für das Segment 9 des Mastes. Diese bedämpfen in rund 180 m Höhe alle kritischen Schwingformen und Schwingzustände, erklärt Maurer. Die Dämpfer seien am Boden installiert worden, bevor das Segment oben aufgesetzt wurde. Dafür hätten sie in kleine Teile zerlegt und im Inneren des Mastsegments übereinander eingebaut werden müssen.
Die drei TMDs sind laut Hersteller so berechnet und eingestellt, dass schon bei wenig Wind eine Reaktion erfolgt. In Abhängigkeit der Schwingfrequenzen und der Windstärke werden unterschiedliche TMDs aktiviert. Bei starkem Wind arbeiten alle Dämpfer gleichzeitig.
Entsprechend unterscheiden sich die 3 TMDs in ihren Funktionsparametern. Die größte Dämpfermasse beträgt nach eigenen Angaben 7,1 t, die Pendel sind 144 bis 6414 mm lang, die Frequenzen reichen von 0,65 bis 1,32 Hz.
Die Dämpfermassen haben laut Maurer jeweils die Form eines Dreiviertelzylinders und hängen an je drei Pendelstangen, die an der Innenwand des Masts befestigt sind. Die spezielle Form der Masse in Form eines Dreiviertelzylinders sei notwendig, damit die Wartungsleiter in der Mitte des Mastes bis zur Mastspitze verlaufen könne. Je vier hydraulische Dämpfer verbänden die Dämpfermasse horizontal mit der Wand und dämpften die Pendelausschläge. Das soll Kollisionen der Masse mit der Mastinnenwand verhindern.
Die TMD-Massen schwingen gegen die Mastschwingung. Sobald also der Mast nach rechts schwingt, schwingen die TMD-Massen bei den unterschiedlichen Masteigenfrequenzen nach links und umgekehrt. Dieses physikalische Tilgungs- und Dämpfungsprinzip reduziert die Schwingamplituden des Mastes um den Faktor 2 bis 10, so der Hersteller. Somit würden Schäden verhindert und eine Lebensdauer von mehr als 30 Jahren ermöglicht.
Vor Auslieferung wurden die Schwingungsdämpfer nach eigenen Angaben im Werk in München vorab zusammengebaut und durch den TÜV SÜD Deutschland erfolgreich abgenommen. Die Projektleitung habe bei der Esdescon GmbH gelegen, der Vertretung von Maurer in Aserbaidschan. Der Mast sei Mitte 2024 errichtet und am 9. November, dem Nationalfeiertag, eingeweiht worden.