Garmisch-Partenkirchen (ABZ). – Das Schneefernerhaus beherbergt auf 2650 m die höchstgelegene Umweltforschungsstation Deutschlands. Seit Juni 2024 finden unter außergewöhnlichen Baustellenbedingungen diverse Umbaumaßnahmen statt.
Dazu gehört auch die Sanierung der rund 700 m² großen Westfläche des Flachdachs, die mit der Cradle-to-Cradle zertifizierten Hybrid-Kunststoffabdichtungsbahn Sarnafil AT von Sika abgedichtet wurde. Eine Flachdachsanierung auf 2650 m Höhe, der Materialtransport ist nur über eine Zahnradbahn möglich, Wind und Wetter ausgesetzt – das erfordert ein hohes Maß an Planung und Logistik, intensiver Einarbeitung sowie guter Kommunikation und Abstimmung aller Beteiligten.
Detaillösungen und Sonderanfertigungen entwickelt
Die gutachterlichen Untersuchungen für die komplexe Dachsanierung erfolgten bereits 2022 durch die Sachverständigengesellschaft frischbier-plan-gmbh. Miro Rezo, Sika-Fachberater der Region, und Marco Sorger, Bereichsleiter der Region Mitte, waren in die einzelnen Planungsschritte eingebunden. Sika-Anwendungstechniker Florian Kapsegger war vor Ort und entwickelte gemeinsam mit dem Planungsbüro frischbier-plan-gmbh und dem Verarbeitungsbetrieb Gaass Florian GmbH passende Detaillösungen und Sonderanfertigungen mit Produkten aus dem umfangreichen Sortiment der Sika.
Auch die C2C-Zertifizierung von Sarnafil AT spielte bei der Entscheidung für die Dachbahn laut Beteiligten eine wichtige Rolle. Die Sanierung eines Flachdachs mit Sarnafil AT ist für den Verarbeitungsbetrieb eigentlich Tagesgeschäft. Die Personaleinteilung und der Materialtransport auf eine Baustelle auf 2650 m Höhe eher nicht. Zumal das Maximalgewicht des Aufzugs vom Schneefernerhaus bei 470 kg liegt und die Paletten mit dem Material normalerweise jeweils 1200 kg wiegen.
Die Lösung? "Wir haben das gesamte palettierte Material zu uns ins Lager liefern lassen und umgepackt", erläutert Florian Gaass. "Außerdem haben wir das Gewicht der Sarnafil-Rollen verringert, indem nur die Hälfte der normalen Menge von zehn Metern Dachbahn aufgerollt wurde. 25 statt 50 Kilogramm – das hat das Handling sehr vereinfacht."
Der alte Dachaufbau wurde bis auf die tragende Holzkonstruktion abgebaut. Nach der Teilerneuerung der tragenden Holzkonstruktion wurde eine Ausgleichslage zwischen der Sarnafil Kunststoffabdichtungsbahn und dem rauen Untergrund aufgebracht und darauf die Kunststoffabdichtungsbahn Sarnafil AT-25 verlegt.
Diese eignet sich durch ihren hohen Perforationswiderstand, die UV-Beständigkeit und eine große Widerstandsfähigkeit gegen Hagelschlag und andere extreme Wetterverhältnisse besonders gut für die Sanierung des Flachdachs des Schneefernerhauses, betont der Hersteller.
Hohe Luftfeuchte macht das Schweißen unmöglich
Das große Schweißfenster erleichterte den Beteiligten zufolge die handwerklich anspruchsvolle Nahtfügung unter den erschwerten Bedingungen. Das Wetter und die Arbeiten über der Wolkenbasis sollen die größten Herausforderungen gewesen sein. Wenn das Haus in den Wolken lag, konnte wegen der besonders hohen Luftfeuchte nicht geschweißt werden.
Der Arbeitsablauf wurde kontinuierlich den Wetterbedingungen angepasst. Wegen der außergewöhnlichen Höhe des Gebäudes und den damit verbundenen hohen Windlasten war bei der Windsogsicherung die Beratung und Betreuung durch Sika-Anwendungstechniker Florian Kapsegger von immenser Bedeutung.
Auf einer Seite schließt das Dach direkt an den Berg an. Da aus dem Fels kontinuierlich Wasser sickert, waren der Anschluss und die Abdichtung eine besondere Herausforderung. Um zu vermeiden, dass es nach der Sanierung zu Feuchteeintritten kommt, wurde bereits 2023 im Rahmen der Hangsicherung ein Spritzbetonbalken errichtet, an dem vorderseitig die Abdichtungsebene vertikal angeschlossen werden konnte.
Feuchteaustritte werden in Gang im Felsen abgeleitet
Feuchteaustritte hinter dieser Ebene werden in einen darunterliegenden Gang im Felsen abgeleitet, an dessen Fußpunkt sich eine Wasserführungsrinne befindet. Auf den geglätteten Spritzbetonbalken wurde eine extra entwickelte Sonderlösung aufgebracht: Verbundbleche, die bis auf die Abdichtungsebene geführt wurden.
Die Dachbahn wurde anschließend an diese Verbundbleche an- und auf den bestehenden Dachaufbau aufgeschweißt. Für den Anschluss an die Fassade des angrenzenden Gebäudes erfolgte zunächst der Rückbau der Fassadenverkleidung, anschließend wurde der Untergrund mit einem Dichtstoff gefüllt. Die Dachbahn wurde danach auf die mechanisch fixierten Sarnafil-Verbundbleche aufgeschweißt. Das Flachdach des Schneefernerhauses soll aufgrund des guten Zusammenspiels aller Beteiligten nun sicher abgedichtet sein und Wind, Regenwasser, Schnee und Geröll trotzen.