Triptis. – Zum Pressetag der Innovation Days 2026 unter dem Motto "Zukunft erleben und Technik verstehen" hat die Fliegl Fahrzeugbau Vertreter der Fachmedien eingeladen. Die ABZ war vor Ort, als das Unternehmen nicht nur seine neuesten Entwicklungen präsentierte, sondern auch Einblicke in eine der größten Investitionen der Firmengeschichte gewährte.
Besondere Aufmerksamkeit zog die Vorstellung eines speziell für Elektro-Zugmaschinen entwickelten Chemiechassis auf sich. Außerdem erhielt einer der neuen Schweißroboter in Werk 2 eine Sekttaufe..
Während draußen der Schnee die Werksstraßen in Triptis bedeckt, herrscht in den Hallen der Fliegl Fahrzeugbau geschäftiges Treiben. Das Programm "Fit 2030" steht im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die zeigt, wie sich der Nutzfahrzeughersteller für die kommenden Herausforderungen rüstet.
Die Veranstaltung startet mit einem Empfang und einer Besichtigung der Produktionserweiterung von Werk 1. Danach folgt ein Blick hinter die Kulissen von Werk 2. Geschäftsführer Helmut Fliegl eröffnet die Veranstaltung und zeigt den bereits im Bau befindlichen neuen Produktionskomplex unter dem Motto "Fit 2030".
11,7 Millionen Euro investiert Fliegl in einen neuen Hallenkomplex, der die Effizienz der Fertigung erheblich steigern soll. "Mit der Werksumstellung ergeben sich pro Jahr innerbetrieblich 1150 Kilometer weniger Strecke, die zurückgelegt werden muss. Das ist so viel wie von uns nach Kiel und zurück", erläutert Fliegl die Dimension der Veränderung.
Aufgrund des stetigen Wachstums waren im Laufe der Jahre im Werk 1 in Triptis die Wege zwischen Lager, Schweißerei, Montage und Endmontage laut Unternehmen lang geworden. Der neue Hallenkomplex soll alle Produktionsstationen unter ein Dach bringen. Statt der bisherigen 1000 Meter zwischen den einzelnen Stationen sind künftig nur noch 260 Meter zurückzulegen – eine Verkürzung um 74 Prozent. Die Komponenten und Fahrzeuge müssen nicht mehr über das Werksgelände transportiert werden.
Nachhaltigkeit spielt Rolle
Die neue Halle soll in diesem Jahr noch vor Ostern in Betrieb gehen, berichtet Werkleiter Maximilian Fliegl. Wetterbedingte Verzögerungen hätten den ursprünglich geplanten Zeitplan leicht verschoben. Der Umzug der einzelnen Stationen soll dann im laufenden Betrieb stattfinden. Weniger als vier Monate hat der Nutzfahrzeughersteller für den Bau veranschlagt. "Offiziell ist hier Erdbebengebiet", bemerkt er zu den besonderen Herausforderungen des Standorts Triptis.
Nachhaltigkeit spielt bei dieser Investition nach Unternehmensangaben eine zentrale Rolle. Das Dach der neuen Halle soll mit Solarmodulen belegt, Fußbodenheizung und Grubenheizungen sollen für angenehme Arbeitsbedingungen sorgen. Die Abwärme neuer Maschinen wie Kompressoren will das Unternehmen zur Rückgewinnung von Strom und Wärme nutzen. "Wir denken von Anfang an grün – wir haben eine positive Energiebilanz", betont Helmut Fliegl. "Wir denken an die nächste Generation, nicht an die nächste Bilanz."
Auch in Werk 2 setzt Fliegl auf Modernisierung und noch mehr Eigenfertigung. Zwei neue Roboter von Panasonic schweißen ab sofort Alu- und Stahlmulden für die Sattelkipper. "Die Qualität jeder einzelnen Schweißnaht lässt sich nun nachvollziehen, beispielsweise die Wärmeeinbringung und das A-Maß, also die Nahtdicke", erläutert Maximilian Fliegl.
Entgegen der Befürchtung, dass Roboter Arbeitsplätze kosten könnten, verfolge Fliegl das gegenteilige Ziel. "Wir können jetzt auch Komponenten inhouse fertigen, die wir vorher ausgelagert hatten. Ziel der Investition war also auch, mehr Arbeitsplätze zu schaffen, mehr Eigenfertigung nach Triptis zu holen und Transportwege zu reduzieren", betont der Werkleiter.
Für Elektro-Zugmaschinen
Ein Höhepunkt der Innovation Days ist die Präsentation eines neu entwickelten Chemiechassis für Elektro-Zugmaschinen gewesen. Firmenchef Helmut Fliegl enthüllt das Fahrzeug, mit dem das Unternehmen auf die speziellen Anforderungen eingeht, die sich beim Betrieb einer Elektro-Zugmaschine ergeben. "Bei E-Lkw muss die Sattellast oft geringer sein als bei herkömmlichen Zugmaschinen. Wir haben das durch eine optimierte Achsposition mit einem leicht größeren Radstand gelöst", erläutert Fliegl-Vertriebsexperte Richard Milbert.
Das neue Chassis soll laut Unternehmen der Auftakt für eine komplette Produktpalette sein, die speziell für den Betrieb mit Elektro-Zugmaschinen entwickelt wird. "E-Lkw verlangen eine verringerte Sattellast. Wir haben das durch eine optimierte Achsposition mit angepassten Radständen gelöst."
Einer der ersten Kunden ist der Tankcontainer-Dienstleister Köppen aus Duisburg, der Container mit Spezialchemie für Pipelines transportiert. So ist Geschäftsführer Jochen Köppen auch während der Innovation Days 2026 dabei, als die frisch zum Schutzrecht angemeldete Weltneuheit präsentiert wird.
Da diese Ladung sehr teuer und verbrauchssteuerpflichtig ist, verbaute Fliegl zudem ein spezielles Wägesystem: Der Container lagert auf dem Chassis auf vier präzisen Wägezellen, so kann die Ladungsabgabe exakt kontrolliert und protokolliert werden.
Bereits seit 2010 setzt Fliegl auf Nachhaltigkeit. Laut eigener Aussage als erster Anhänger-/Auflieger-Hersteller montierte das Unternehmen in großem Stil Solarmodule auf die Hallendächer, zu einer Zeit, als Nachhaltigkeit bei den Mitbewerbern noch keine große Rolle spielte. Heute sind alle Hallendächer mit Solarmodulen belegt, die fünfmal mehr Energie produzieren, als das Werk verbraucht. "Wir produzieren energiepositiv", bestätigt Helmut Fliegl.
Das eigene Blockheizkraftwerk sorgt für nachhaltige Wärmeerzeugung, Elektro-Gabelstapler sind auf dem Werksgelände lokal emissionsfrei unterwegs. Ein Regalsystem erzeugt durch die Bewegungsenergie beim Auf- und Abfahren Strom. Mit der Aktion "Baumpatenschaft" können Kunden bei jeder Fahrzeugabholung gemeinsam mit Fliegl einen Baum auf dem Werksgelände in Werk 2 pflanzen.
In Kooperation mit einer Baumschule werden vor allem heimische Bäume wie Eichen und Buchen gepflanzt und anschließend gepflegt, mehrere tausend Stück pro Jahr.
Seit mehr als 20 Jahren
Auf dem Werksgelände präsentiert Fliegl einen Querschnitt der am häufigsten verkauften Produktgruppen. Neben dem klassischen Gardinensattelauflieger zeigt das Unternehmen ein Containerchassis, einen Sattelkipper mit Mulde und das neue STEP-Podest. Ausgestellt sind zudem ein Tandem-Wechselpritschenanhänger sowie T-Tiefbettsattelauflieger und ein Tiefladeanhänger. Außerdem ist der hauseigene Prüfstand zu bestaunen.
Das Produktspektrum von Fliegl umfasst nach Herstellerangaben Gardinensattel aller Art, Lkw-Aufbauten, Containerchassis von 20 bis 45 Fuß, Schubboden in diversen Ausführungen, Sattelkipper und Kippanhänger, Satteltiefader und Tiefladeanhänger sowie Tandem-Anhänger für Bau und Spedition. Auch Wechselpritschenanhänger, Dollys und Lang-Lkw gehören seit über 20 Jahren zum Portfolio.
Trotz schwieriger Marktbedingungen blickt Fliegl zuversichtlich in die Zukunft. "Wir haben Kurzarbeit angemeldet, aber sind 0 Tage in Kurzarbeit gegangen", berichtet Helmut Fliegl. "Wir blicken positiv in die Zukunft", fügt er hinzu, auch wenn er einschränkt: "Die Frage ist nur, hört der Krieg in der Ukraine auf oder nicht."
Am Firmensitz in Triptis beschäftigt Fliegl etwa 250 Mitarbeiter. Im Trailer-Verbund mit den Tochterunternehmen Hangler Fahrzeugbau in Österreich und Strolit in Bosnien-Herzegowina fertigen 500 Mitarbeiter rund 5000 Fahrzeuge pro Jahr. Die Mietflotte der RPS Trailer Rental umfasst etwa 700 Fahrzeuge und deckt praktisch die gesamte Bandbreite an Anhängern und Aufliegern ab.
International ist Fliegl mit mehr als 30 Vertriebspartnern weltweit vertreten. "In Island sind wir offiziell Marktführer, wir haben einen Marktanteil von 43 Prozent," berichtet Helmut Fliegl. Nach Angaben des Unternehmens stehen Nachhaltigkeit, Wachstum und Verantwortung im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie. Die Innovation Days 2026 unterstreichen diesen Anspruch mit konkreten Investitionen und zukunftsweisenden Produktentwicklungen für die Elektromobilität im Nutzfahrzeugbereich.