Frankenberg (ABZ). – "Frankenberg 2020" ist ein umfangreiches Modernisierungsprogramm, das die Energiewende einleiten und die Stadt durch Investitionen in Kultur, Handel, Wirtschaft und Infrastruktur attraktiver machen soll. Eine der Maßnahmen zur Umsetzung dieses Programms ist ein neues Radverkehrskonzept, das neben neuen Brückenbauwerken auch den Radwegeausbau vorsieht.
Die nordhessische Stadt Frankenberg wird besser mit den sieben überregionalen Radwegen verbunden werden, die zuvor an ihr vorbei- und nicht durch sie hindurchgeführt hatten. Zugleich soll die Eder besser in das Stadtbild eingebunden und der Zugang zu Naherholungsflächen erleichtert werden. Auch im etwas außerhalb der Stadt gelegenen Bereich der "Wehrweiden", wo unter anderem der jährliche Pfingstmarkt stattfindet, soll die Eder mehr in das Gesamtbild des Platzes eingebunden werden. Die neue, rund 60 m lange und 4 bis 5 m breite Brücke ersetzt eine nicht mehr sanierungsfähige Brücke.
"Die zweifeldrige Blockträgerbrücke ist durch ihre Konstruktion in Holzbauweise ein 'klimagerechtes Bauwerk'", bestätigt Frank Miebach, Geschäftsführer des Ingenieurbüro Miebach. In den 120 m³ Brettschichtholz des Brückentragwerks werden immerhin rund 97 m³ CO2 gespeichert und machen die Brücke damit klimaneutral. Der Verlauf der Brücke nimmt die anschließenden Wege durch eine ausgerundete Grundrissform auf. Die Brettschichtholzträger selbst sind zweiachsig gebogen und getreppt. Zusätzlich wird eine dynamische Querschnittshöhe zwischen 45 und 140 cm (die größte Ausdehnung liegt über dem Pfeiler) durch Blockverleimung einzelner Brettschichtholzträger unterschiedlicher Längen und Breiten erreicht, was die Produktion mit wenig Verschnitt und optimaler Materialausnutzung sehr wirtschaftlich macht.
"Die Produktion eines solchen Brückentragwerkes erfordert höchste Präzisionsarbeit bei der Verleimung, Blockverklebung und dem Abbund. Festigkeitsklasse und Maße jeder einzelnen Holzlamelle, sowie wie deren Position im fertigen Blockträger, müssen dabei berücksichtigt werden", erläutert Jörg Schaffitzel, Geschäftsführer von Schaffitzel Holzindustrie, dem ausführenden Ingenieurholzbau-Unternehmen. Das Tragwerk wurde vor Ort aus zwei großen Blockträgern zusammengesetzt. Der Pfeiler der Brücke liegt genau in der Mitte, sodass symmetrische Spannweiten entstehen. Die Verbindung der beiden Brückenteile mithilfe Gerbergelenken erfolgte allerdings innerhalb des zweiten Bogens an der Stelle mit der geringsten Biegebelastung.
Die Konzeption als geschützte Holzbrücke gemäß DIN EN 1995-2 garantiert den Verantwortlichen zufolge eine hohe Lebenserwartung, die einer Brücke aus Stahl oder Beton gleichgestellt wird. Zudem wird der Holzbrückenkörper durch den aufliegenden Gehbelag aus Betonfertigteilen in der Güte C50/60 so gut geschützt, dass auf den Einsatz von Chemie als Holzschutz komplett verzichtet werden konnte.
Das ist auch im Hinblick auf die Nisthilfen für Wasseramseln gut, die am Brückenbau im Rahmen der "baubiologischen Begleitung" angebracht worden waren. Eine entscheidende Vorgabe für den Bau war die Barrierefreiheit der Brücke mit maximalen Steigungen von 6 %. Zusätzlich wird die Brücke mit in den Handlauf integrierten LED-Leuchten auch nachts sicher begehbar sein. Das Brückenkonzept hat überzeugt, sodass die gleiche Konstruktion – jetzt mit 80 m Länge – für eine weitere Brücke angewandt wird, die bereits in den Montagehallen von Schaffitzel Holzindustrie vorgefertigt wird.
Diese Schwesterbrücke wird etwas oberhalb des Verlaufes der Eder den Stadtteil Schreufa, den Wildpark und den Hessischen Fernradweg R6 verbinden. Rund 80 % der Kosten der neuen Brücke fließen über Fördergelder von Bund und Land wieder zurück an die Stadt. "Die Bedingung für die Förderung war, dass wir schnell sind. Und wir waren schnell", erläutert Bürgermeister Rüdiger Heß. Im August dieses Jahres soll diese "zweite Schwester" bereits fertiggestellt sein und damit eine weitere Maßnahme des Modernisierungsprogramms um Stadt und Natur zu verbinden.