Zusammenhalt hat in der Kalksandsteinindustrie eine lange Tradition – und eine große Zukunft! Die Herausforderungen von morgen meistern wir am besten gemeinsam: mit gebündelter Erfahrung, geteiltem Wissen und einer klaren Haltung.
Unser Bundesverband ist dabei Netzwerk, Koordinationsstelle und Sprachrohr. Er vereint Kräfte, fördert Innovationen und verschafft unserer Branche Gehör in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Und das seit 125 Jahren..
Ein neuer weißer Mauerstein aus Kalk und Sand wirbelt am Ende des 19. Jahrhunderts das deutsche Bauwesen gehörig durcheinander: Der Baustoffchemiker Dr. Wilhelm Michaelis beginnt um 1880, Steinrohlinge aus wasserarmem Kalkmörtel mit heißem Wasserdampf zu härten und findet schnell unternehmerische Nachahmer. Die anfängliche Praxis, Kalkmörtel aufwendig in manuellen Pressen zu verdichten und zu formen, ist jedoch noch wenig effizient. Der große Durchbruch gelingt 1894, als die erste vollautomatische Presse auf den Markt kommt – der Startschuss für die industrielle Massenproduktion: Kalksandstein als Baustoff ist nun günstig, verfügbar und leistungsfähig. Doch der Markt bleibt skeptisch.
Obwohl um die Jahrhundertwende bereits 80 Fabriken auf deutschem Boden rund 300 Millionen Steine produzieren, fehlt es der jungen Branche an Durchschlagskraft; an Standards, Lizenzen und Gütesiegeln. Um Vertrauen zu schaffen, müssen Kräfte gebündelt werden, das erkennen die Kalksandsteinakteure schnell.
Auf Einladung eines Magdeburger Unternehmers gründen 31 Pioniere der Branche am 10. Dezember 1900 im Architektenhaus zu Berlin den "Verein der Kalksandsteinfabriken". Die Idee: gemeinsam Normen entwickeln, Qualität sichern und den neuen Baustoff etablieren.
Krisenfest durch Zusammenhalt
Baut sich da eine lineare Erfolgsstory auf? Leider nein. Zweimal durchkreuzt die deutsche Geschichte den wirtschaftlichen Aufstieg des Kalksandsteins – und jedes Mal mit Wucht. Zunächst legt der Erste Weltkrieg Produktion und Verband vollständig lahm. Aber nicht für lange. In den Anfangsjahren der Weimarer Republik herrscht Aufbruchsstimmung. Schnell erhält auch der Zusammenhalt der Kalksandsteinbranche neue Dynamik. Ab 1919 bilden sich wieder erste Kalksandstein-Bezirksgruppen, die am 8. März 1922 den "Reichsverein der Kalksandsteinfabriken" in Berlin als ihre neue Verbandsorganisation konstituierten. Im Auf und Ab der ersten deutschen Demokratie und in den 30er-Jahren zeigt sich der Verein als unermüdlicher Treuhänder seiner Industrie. Der Aufstieg der Kalksandsteinindustrie erreicht 1938 einen vorläufigen Höhepunkt mit einer Produktionsmenge von 2,5 Milliarden Steinen. Die Absatzsteigerung ist dabei im Wesentlichen auf die Einführung des Normblatts DIN 106 für Kalksandsteine im Jahr 1927 zurückzuführen. Das führt am Markt zu einem großen Vertrauensbonus – den sich Branche und Verband gemeinsam erarbeitet haben.
Dann kommt der Zweite Weltkrieg, der erneut alles zerstört. Nach 1945 sind die verbliebenen 136 Werke in Westdeutschland stark beschädigt, 110 Werke in den Ostgebieten fallen gar unter polnische beziehungsweise russische Verwaltung. Auch die Verbandsstrukturen werden zerschlagen. Doch schon bald regt sich neues Leben in den Ruinen.
Beim Neuaufbau des Staates werden in den westdeutschen Besatzungszonen schon bald wieder Landes-Fachverbände gegründet. Und schon 1950 formiert sich in Hannover der "Hauptverband Kalksandsteinindustrie e.V.", dem die verantwortungsvolle Aufgabe übertragen wird, "für die Zukunft des Kalksandsteins wirksam zu sein und für die Fortentwicklung Sorge zu tragen."
Und das tut er – gemeinsam führt man die Kalksandsteinbranche in den Wirtschaftswunderjahren zu neuer Blüte. 1972 erreicht die deutsche Kalksandsteinindustrie ihr Allzeitproduktionshoch mit 6,93 Milliarden Steinen im Normalformat. Eine Menge, die dem Wandbaustoffbedarf für 277.000 Wohneinheiten und damit mehr als der Gesamtzahl der in Deutschland im Jahr 2024 fertiggestellten Wohnungen entspricht. Aber man hält auch in stürmischen Zeiten Kurs: Gemeinsam, solidarisch und mit Weitblick meistert man die Ölkrise und die anschließende Rezession auf dem Baumarkt der 70er- und 80er-Jahre – und holt die ehemaligen sieben Kalksandsteinwerke auf DDR-Boden nach der deutschen Wiedervereinigung unter das Dach des Bundesverbands zurück.
125 Jahre – ein starkes Fundament
Heute vertritt unser "Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V.", wie er seit 1962 heißt, die Interessen von 69 Werken bundesweit. Er ist Dienstleister, Impulsgeber – und das starke Rückgrat einer traditionsreichen Branche, die in die Zukunft schaut. Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf das, was Generationen vor uns – ehemalige Mitglieder, Partner, Freunde, ehrenamtlich Tätige und natürlich Mitarbeitende – in den letzten 125 Jahren aufgebaut haben. Und ich schaue mit
Entschlossenheit auf das, was vor uns liegt. Es ist unser Auftrag, diese Branche sicher durch herausfordernde Zeiten zu führen, ihre Interessen weiterhin stark zu vertreten und neue Perspektiven zu eröffnen.
Mehr als Lobbyarbeit
Wir sind die Stimme unserer Branche. Und diese Stimme hat Gewicht.
Wir erarbeiten gemeinsame Positionen zu relevanten Themen wie Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, Rohstoffsicherung, Umweltschutzauflagen, Bürokratieabbau oder Fachkräftemangel. Wir fördern Innovationen, bieten Austausch und Orientierung – und stärken damit die Zukunftsfähigkeit unserer Industrie.
In einer Zeit, in der Wandel zur Konstante wird, sind starke Verbände unverzichtbar. Nur gemeinsam können wir Antworten finden, Lösungen gestalten – und am Morgen bauen. Unsere Geschichte zeigt uns: Gemeinsam geht es besser. Ich freue mich darauf, diesen Weg fortzusetzen!
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Der Autor ist Geschäftsführer beim Bundesverband
Kalksandsteinindustrie.