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Bildungs- und Forschungszentrum entsteht bis Ende 2027

Von ABZ
Glaskompetenzzentrum Torgau
Seit April 2026 entsteht in Torgau das neue Glaskompetenzzentrum. Sein Herzstück: Ein Spezialschmelzofen, der dabei hilft, innovative und klimafreundliche Glasproduktion zu erforschen. | Abb.: ICL Ingenieur Consult

Torgau (ABZ). – Der Landkreis Nordsachsen errichtet in Torgau ein Glaskompetenzzentrum, das verschiedene Bildungs- und Qualifizierungswege der Glasbranche mit Forschung und industrieller Praxis verbinden soll. Nach Angaben des Landkreises entstehen auf einer Geschossfläche von insgesamt 5300 m² Lehrwerkstätten, Labore sowie Versuchs- und Pilotanlagen. Die Fertigstellung ist für Ende 2027 vorgesehen. Das Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE übernimmt nach eigenen Angaben die Planung der Ausstattung der Werkstätten und Labore.

Deutschland produziert nach Angaben des Landkreises mehr Glas als jedes andere europäische Land. Gleichzeitig sieht sich die Branche unter anderem mit steigenden Energiekosten, dem Umstieg auf klimafreundlichere Herstellungsverfahren und dem Fachkräftemangel konfrontiert. Mit dem Neubau in Torgau sollen berufliche Ausbildung, industrielle Anwendung und wissenschaftliche Forschung an einem Standort zusammengeführt werden. Rund 34 Millionen Euro aus dem Strukturfonds des Bundes fließen laut Angaben des Landkreises in das Vorhaben.

Träger des Projekts ist der Landkreis Nordsachsen. Die inhaltliche Konzeption übernimmt der GlasCampus Torgau, ein Netzwerk aus der TU Bergakademie Freiberg, dem Beruflichen Schulzentrum Nordsachsen sowie Unternehmen der regionalen Glasindustrie. Das Netzwerk bietet nach eigenen Angaben bereits seit 2019 Schulungs- und Weiterbildungsprogramme für Fachkräfte an.

»Die Glasindustrie braucht dringend qualifizierte Fachkräfte und muss sich gleichzeitig technologisch weiterentwickeln. Das Glaskompetenzzentrum verbindet beides und stärkt damit die Zukunftsfähigkeit der Branche und der Region«, sagt Nordsachsens Landrat Kai Emanuel.

Der Gebäudekomplex umfasst einen rund 3300 m² großen Hallenbereich mit Lehr-, Versuchs- und Pilotanlagen. Hinzu kommen Werkstätten, Seminarräume, ein Maschinenpark sowie ein Spezialschmelzofen. Dort sollen nach Angaben des Landkreises unter anderem Wasserstoff- und Plasmabrenner sowie elektrisch beheizte Schmelzverfahren als Alternativen zur Erdgasfeuerung untersucht werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Unternehmen der Glasindustrie bei der Einführung neuer Verfahren unterstützen.

Drees & Sommer plant nach eigenen Angaben unter anderem die Werkstätten für die Glasproduktion sowie für Holz-, Aluminium- und Kunststofffenster und außerdem ein Messlabor für die Glasforschung.

»Werkstätten, Maschinen und Forschungsbereiche müssen später als ein Gesamtsystem funktionieren. Unsere Aufgabe ist es daher, unterschiedliche Anforderungen aus Ausbildung, Handwerk und Forschung sinnvoll zusammenzuführen, planerisch zu konkretisieren und die baulichen und technischen Schnittstellen zu koordinieren«, erklärt Jakob Mühlwitz, Projektverantwortlicher bei Drees & Sommer.

Neben bautechnischen Anforderungen berücksichtigt die Planung laut Unternehmen auch künftige Betriebsabläufe sowie Material- und Personenflüsse. „Plant man ein Produktions- und Forschungsgebäude, kommt es nicht auf einzelne Räume oder Maschinen an. Entscheidend ist, den gesamten Entwicklungs- und Fertigungsprozess mitzudenken. Erst wenn Arbeitsabläufe, Maschinenanordnung und Transportwege aufeinander abgestimmt sind, kann der spätere Betrieb reibungslos funktionieren", führt Mühlwitz weiter.

Mit dem Spatenstich im April 2026 haben die Bauarbeiten begonnen. In einem weiteren Bauabschnitt soll ab 2027 das ehemalige Volkshochschulgebäude zu einem Internat mit 42 Plätzen umgebaut werden. Die Finanzierung des Gesamtprojekts erfolgt nach Angaben des Landkreises überwiegend aus Mitteln des Just Transition Fund der Europäischen Union zur Unterstützung des Strukturwandels in den Braunkohleregionen.

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