Krefeld (ABZ). – Auf dem Firmengelände in Krefeld herrscht eine ungewöhnliche Ruhe. Nur das leise Surren der Elektromotoren ist zu hören, während ein Radlader XC975EV mühelos tonnenschwere Lasten bewegt. Keine Dieselabgase trüben die Luft, kein Motorenlärm übertönt die Gespräche der Besucher. Was dort zu erleben ist, zeigt die Zukunft des Bauens: vollelektrische Baumaschinen, die Umweltschutz und Leistung miteinander verbinden.
"Das Konzept unserer Veranstaltung ist zu 100 Prozent aufgegangen. Unsere Kunden wollten insbesondere unsere großen vollelektrischen Maschinen einmal selbst testen und ihr Feedback ist überwältigend positiv", erklärt Wilhelm Laven, Vertriebsleiter Norddeutschland bei XCMG European Sales and Services.
Die Elektrifizierung der Baumaschinenindustrie habe längst begonnen. Hersteller wie die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) treiben diese Entwicklung voran und präsentieren auf Veranstaltungen wie der "Green Mountains Experience" ihre neuesten Entwicklungen. Dazu hatte das Unternehmen kürzlich seine europäischen Händler und einen ausgesuchten Kreis ihrer Kunden eingeladen. Vom kompakten Minibagger bis zum schweren Radlader reicht mittlerweile das Spektrum elektrisch angetriebener Baumaschinen, das die Anwesenden genau unter die Lupe nehmen konnten.
Die Vorteile elektrischer Baumaschinen sind laut XCMG vielfältig. Keine lokalen Emissionen bedeuten saubere Luft auf der Baustelle – ein entscheidender Vorteil bei Arbeiten in Innenräumen, Tunneln oder dicht besiedelten Gebieten. Wenn Strom aus erneuerbaren Quellen stammt, sinkt der CO2-Fußabdruck deutlich. Besonders wichtig ist dies angesichts der weltweiten Klimaziele, die viele Länder bereits gesetzlich verankert haben.
Die Lärmreduzierung stellt einen weiteren wesentlichen Vorteil dar. Elektrische Baumaschinen arbeiten laut Herstellerangaben bis zu 10 oder gar 20 Dezibel leiser als ihre dieselbetriebenen Pendants. Dies ermöglicht Arbeiten zu Zeiten und an Orten, wo konventionelle Maschinen aufgrund von Lärmschutzbestimmungen nicht eingesetzt werden können.
Auch wirtschaftlich können elektrische Baumaschinen nach Angaben von XCMG punkten. Der Strompreis liege deutlich unter den Dieselkosten, wie Vergleichsrechnungen zeigen sollen. Ein Beispiel aus der Praxis wurde den anwesenden XCMG-Händlern und deren Kunden offeriert: Während ein dieselbetriebener Radlader Energiekosten von 16,5 Euro pro Stunde verursacht, fallen bei einem vergleichbaren Elektromodell nur 13,4 Euro an – eine Ersparnis von 19 Prozent. Hinzu kämen geringere Wartungskosten.
Elektromotoren benötigen keinen Ölwechsel, keine Abgasnachbehandlung und haben weniger Verschleißteile. Elektromotoren wandeln laut Herstellerangaben mehr als 90 Prozent der Energie in Bewegung um, Dieselmotoren nur etwa 35 Prozent.
Das Herzstück elektrischer Baumaschinen bildet die Batterietechnologie. Lithium-Ionen-Batterien haben sich als Standard durchgesetzt, wobei unterschiedliche chemische Zusammensetzungen zum Einsatz kommen. Besonders Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) erweisen sich laut Herstellerangaben als vorteilhaft für Baumaschinen, da sie eine längere Lebensdauer bei niedrigeren Kosten bieten.
Die Batterien unterscheiden sich grundlegend von den kleinen Akkus in Smartphones. Während diese auf geringes Volumen und hohe Energieeffizienz ausgelegt sind, müssen Baumaschinenbatterien hohe elektrische Ströme und starke Beschleunigungen verkraften. Sie bestehen aus Tausenden von Batteriezellen und verfügen über fortschrittliche Batteriemanagementsysteme.
XCMG hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 5700 elektrische Radlader verkauft und damit Erfahrungen in unterschiedlichen Märkten gesammelt. Die Entwicklung zeigt drei Generationen: von den ersten Modellen mit zwei Elektromotoren und Getriebe über verbesserte Versionen bis hin zur aktuellen dritten Generation mit drei Elektromotoren ohne Getriebe.
Die exklusive Drei-Motor-Technologie erhöht den Wirkungsgrad laut Hersteller um 10 Prozent gegenüber Mitbewerbern. Ohne Getriebe entfallen nicht nur dessen Wartung, sondern auch Schaltvorgänge - die Maschinen bieten stufenlose Geschwindigkeitsänderung.
Das Produktspektrum reicht vom kompakten XC906-EV mit 0,6 Tonnen bis zum schweren XC9108-EV mit 11 Tonnen Schaufelinhalt. Praxistests zeigen laut Herstellerangaben bemerkenswerte Ergebnisse: In einem Stahlwerk erreichte ein XC968-EV 73 Ladezyklen pro Stunde gegenüber 60 bei einem Konkurrenzmodell – eine Steigerung der Betriebseffizienz um 21,7 Prozent.
Parallel zur Maschinentechnik entwickelt sich die Ladeinfrastruktur. Für kleinere Maschinen mit Niederspannungssystemen genügen oft 12-Kilowatt-Ladegeräte mit CEE-Anschluss. Größere Maschinen nutzen Hochvolt-Schnellladestationen mit CCS2-Steckern und Leistungen bis 480 Kilowatt. XCMG arbeitet nach eigenem Bekunden mit Partnern wie Sinexcel für Hochvolt- und Aisun für Niederspannungsladegeräte zusammen. Die Ladezeiten variieren je nach Batteriegröße und Ladeleistung: Während kleine Bagger innerhalb von zwei Stunden vollgeladen sind, benötigen große Radlader mit 270-Kilowattstunde-Batterien bei maximaler Ladeleistung etwa eine Stunde.
Einige Maschinen verfügen über Onboard-Ladegeräte für Wechselstrom-Anschlüsse. Diese ermöglichen das Laden an normalen Steckdosen, dauern aber entsprechend länger. Als zusätzliche Funktion können diese Maschinen als mobile Stromquelle für Werkzeuge und andere elektrische Geräte dienen.
Auch bei Baggern schreitet die Elektrifizierung voran. XCMG bietet unterschiedliche Elektrobagger an: vom kompakten XE19EV mit 2,15 Tonnen Gewicht bis hin zum schweren XE270EV mit 28,3 Tonnen. Die kleineren Modelle XE19EV und XE27CREV nutzen 51,2-Volt-Systeme mit 23,5-Kilowattstunde-Batterien, die größeren arbeiten mit Hochvoltsystemen und Batterien über 400 Kilowattstunden. Die Laufzeiten liegen je nach Einsatz zwischen vier und acht Stunden, so der Hersteller.
Schnellladung ermöglicht kurze Pausenzeiten: Der XE215EV lade seine 422,87-Kilowattstunde-Batterie innerhalb von 1,5 Stunden, der XE270EV seine 525,1-Kilowattstunde-Batterie innerhalb von 2,5 Stunden.
Trotz aller Vorteile stehen elektrische Baumaschinen vor Herausforderungen. Die Anschaffungskosten liegen noch über denen konventioneller Maschinen, auch wenn sich dies durch niedrigere Betriebskosten amortisieren soll. Die Lade-infrastruktur muss weiter ausgebaut werden, besonders für mobile Einsätze abseits fester Standorte. Die Batterietechnologie entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neue Zellchemien versprechen höhere Energiedichten und längere Lebensdauern. Die Batteriekosten sinken.
"Wir planen weitere Inhouse-Veranstaltungen für batteriebetriebene Maschinen analog dem Green Mountains Event. Gleichzeitig wird das Vertriebsteam batteriebetriebene Maschinen als Demogeräte an Händler und Kunden zum Testen vor Ort weitergeben", erklärt ein XCMG-Vertreter die Zukunftspläne.
"Mit unserem Event haben wir den Grundstein gelegt. Unser Firmensitz in Krefeld soll künftig verstärkt als Kundenerlebnis-Center genutzt werden. Dies beinhaltet zum einen die Ausstellung einer großen Vielfalt neuer Maschinen sowie zusätzlich die Möglichkeit, diese Maschinen unmittelbar vor Ort zu testen", ergänzt Zhen Li, General Manager XCMG Europe.
Die Elektrifizierung der Baumaschinenindustrie ist keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität. Mit ausgereifter Batterietechnologie, leistungsstarken Elektromotoren und wachsender Ladeinfrastruktur bieten elektrische Baumaschinen eine umweltfreundliche und wirtschaftliche Alternative zu dieselbetriebenen Modellen.
"Unsere Testdrive-Experience hat gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unsere batteriebetriebenen Maschinen kommen bei unseren Kunden sehr gut an und auch die Veranstaltung auf unserem Werksgelände hat den Nerv unserer Besucher getroffen", resümiert Larry Zhao, Head of Sales and Marketing Center bei XCMG Europe.
"Die Veranstaltung war wirklich ein starkes Signal an den Markt. Wir konnten damit zeigen, wer wir sind, und gleichzeitig die Bekanntheit von XCMG als führendem Hersteller vollelektrischer Maschinen deutlich steigern", fügt Wolfgang Immel, Vertriebsleiter bei XCMG European Sales and Services, hinzu.
Während die Technik bereits heute überzeugt, wird die weitere Marktdurchdringung von Faktoren wie Anschaffungskosten, Ladeinfrastruktur und Kundenerfahrungen abhängen. Die "Green Mountains Experience" zeigt jedoch: Die Zukunft des Bauens wird leiser, sauberer und effizienter.