Thomas Hagedorn, Geschäftsführender Gesellschafter der Hagedorn Unternehmensgruppe, sprach mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga darüber, welche Themen für sein Unternehmen auf der bauma im Fokus stehen.
ABZ: Herr Hagedorn, wozu nutzen Sie als Dienstleister, der vorrangig im Abbruch aktiv ist, die diesjährige bauma?
Hagedorn: Für uns ist die bauma in erster Linie eine ideale Plattform, um innovative Entwicklungen im Bereich der Baumaschinen kennenzulernen. Dieses Jahr sind wir beispielsweise mit unserem Tochterunternehmen Oilfix vertreten (am Stand A4.350). Zur letzten bauma waren wir ja bereits mit einer anderen Eigenentwicklung vor Ort: Schüttflix, der ersten digitalen Logistikdrehscheibe für die Baubranche – eine Idee, die sich inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern auch erfolgreich in Tschechien, Österreich und Polen etabliert hat.
Das Schönste für mich ist ja: Die Idee zu Oilfix stammt wie Schüttflix direkt aus unseren eigenen Reihen! Es ist ein ökologisch wie ökonomisch äußerst relevantes Tool. Ein Beispiel: Wenn bei einem Bagger ein Hydraulikschlauch platzt, können pro Sekunde je nach Leitungssystem 5 bis 8 Liter Hydrauliköl austreten. Ein einziger Liter dieses Öls kann bis zu 1 Million Liter Trink- oder Grundwasser verunreinigen. Jeder verlorene Liter bedeutet also ein erhebliches Umweltrisiko. Und die Folgekosten sind hoch, da verunreinigter Boden ausgehoben, saniert – und entsorgt werden muss.
Bislang haben Maschinenhersteller dieses Risiko weitgehend ignoriert – für uns war das nicht länger akzeptabel. Deshalb haben wir selbst ein Ventil entwickelt, das im Ernstfall den Ölverlust drastisch minimiert. Der Fahrer erkennt die Leckage, drückt einen Knopf in der Kabine – und der Austritt wird auf maximal zwei Liter begrenzt. Das ist ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung und eine Verantwortung, die jeder Maschinenhersteller, Händler und Nutzer ernst nehmen sollte. Oilfix ist eine Lösung, die richtig Sinn macht – ökologisch wie wirtschaftlich.
ABZ: Welche Erwartungen haben Sie an die bauma?
Hagedorn: Meine Erwartungen sind, neben der genannten Oilfix-Präsentation und sicherlich vielen interessanten Begegnungen mit den Kolleginnen und Kollegen der Branche auch ein aktuelles Stimmungsbild der Branche einzufangen. Ich habe den Eindruck, dass die wirtschaftliche Lage im Baugewerbe – mit Ausnahme des Wohnungsbaus – gar nicht so dramatisch ist, wie es oft nach außen dargestellt wird. Schließlich ist der Wohnungsbau nur ein Teil der Bauwirtschaft, viele andere Bereiche laufen stabil. Die tatsächliche Stimmung ist vor allem nach den aktuellen politischen Veränderungen deutlich besser.
Der größte Schub für die Branche ist zweifellos das von Union und SPD beschlossene Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für die Infrastruktur. Diese Investitionen bieten riesige Chancen für Modernisierung, Innovation und Digitalisierung. Gleichzeitig sind Änderungen bei der Arbeitszeitgestaltung geplant, die mich sehr freuen. Gerade die Lockerung der starren gesetzlichen Höchstarbeitszeit kann im Baugewerbe für deutlich mehr Flexibilität und vor allem Effizienz sorgen.
ABZ: Mit welchen Dienstleistungen werden Sie denn auf der bauma präsent sein?
Hagedorn: Wir selbst haben als Hagedorn Unternehmensgruppe keinen Stand auf der bauma. Wir sind selbst in erster Linie ja Kunde und daher, wie bereits gesagt, mit unserem Tochterunternehmen Oilfix vertreten. Außerdem nutzen wir die Messe seit Jahren gezielt für den Einkauf von Maschinen-Paketen. Früher war das jedes Mal ein großes Highlight, heute ist es eher ein fester Bestandteil unserer Investitionsstrategie – aber es macht nach wie vor Spaß, hier die dicken Pakete zu schnüren. 2022 haben wir auf der bauma Krane und Baumaschinen im Wert von 45 Millionen Euro gekauft – insgesamt 53 Geräte. Seit der letzten bauma ist unser Investitionsvolumen noch weiter gewachsen: Allein bis heute haben wir zusätzlich 210 Maschinen für rund 152 Millionen Euro angeschafft. Das zeigt, dass nicht mehr alle großen Investitionen direkt auf der Messe stattfinden. Dennoch nutzen wir die bauma natürlich weiterhin, um uns über Neuheiten zu informieren und aktuelle Markttrends aufzunehmen.
ABZ: Was sind nach Ihrer Meinung nach die wichtigsten Trends der bauma in diesem Jahr?
Hagedorn: Ein großes Thema wird sicherlich der elektrische Antrieb sein – auch wenn ich mich immer frage, wo all der benötigte Strom herkommen soll. Trotzdem ist das ein klarer Trend. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Digitalisierung der Baustelle. Wir selbst sind seit langer Zeit intensiv damit beschäftigt, unsere Abläufe zu digitalisieren, das wird auch für viele andere Unternehmen eine zentrale Rolle spielen. Außerdem wird es in Zukunft noch stärker darum gehen, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Effizienz werden immer mehr zusammengedacht.
Ein besonders spannendes Feld sind autonome Baumaschinen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in diesem Bereich einige neue Entwicklungen sehen werden. Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel wird diskutiert, ob standardisierte Prozesse – etwa an Brechanlagen oder bei der Lkw-Beladung – zunehmend von autonomen Geräten übernommen werden könnten. Hier wird die bauma sicher einige interessante Innovationen präsentieren, auch wenn ich nicht glaube, dass unsere Baggerfahrer in Zukunft ersetzt werden können.
ABZ: Welche Relevanz haben die Themen elektrische Antriebe oder alternative Antriebe wie Wasserstoff für Hagedorn?
Hagedorn: Wir setzen bereits heute Elektromaschinen ein – vor allem in Bereichen, in denen wir innerhalb von Hallen arbeiten. Klar, die ziehen dann riesige Kabel auf großen Kabelrollen hinter sich her und brauchen immer einen Starkstrom-Anschluss.
Aber in Stahlwerken, Industrieanlagen, Chemiebetrieben und ähnlichen ist das gegeben. Bei Baustellen auf der grünen Wiese ist das schon von der Logistik her sehr schwer. Ein anderes Problem sind die sehr hohen notwendigen Batteriekapazitäten bei großen Baumaschinen. Ich denke, das sollte man erstmal bei Pkw in den Griff kriegen. Das wird schon schwer genug. Dann kommen die Lkw und erst dann sind wir bei der Baumaschine und der von ihr benötigten hohen Leistung. Ich denke, das dauert alles noch ein bisschen.
ABZ: Wie würden Sie die aktuelle Marktsituation im Abbruchbereich in Deutschland skizzieren?
Hagedorn: Wir sind die Jungs, die sich um den Rückbau von Infrastruktur kümmern. In diesem Bereich sind wir gut aufgestellt, und die Marktsituation dürfte sich weiter positiv entwickeln. Mittlerweile sind wir uns ja alle einig, dass es sinnvoller ist, neue Bauflächen auf bereits genutzten Arealen zu schaffen, statt unberührte Grünflächen neu zu versiegeln. Zudem gibt es Millionen Quadratmeter in Deutschland, die immer noch brach liegen, weil Eigentumsverhältnisse geklärt werden müssen. Diese Flächen müssen revitalisiert werden, damit sie als Bauland zur Verfügung stehen. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Das heißt, für unsere Branche wird es dort immer mehr, anstatt weniger. Ich halte das auch für vernünftig, weil ich glaube, dass wir in der normalen Wohnungsbau-Konjunktur viel nachzuholen haben. Die verfehlten Ziele der letzten Jahre sind allgemein bekannt. Da wird sich was tun, da wird sich was tun müssen!
Auch den Versandhandel mit all seiner Logistik werden wir nicht stoppen, die brauchen immer mehr, immer größere Flächen. Einen weiteren, immer grösser werdenden Bedarf sehe ich beim Bau von riesigen Datacentern, die für all unsere Streamingdienste und KI-getriebenen Datenverarbeitungen benötigt werden. Auch die brauchen immer mehr Flächen!
Das sind in meinen Augen die Trends der nächsten Jahre, die den Bau beeinflussen werden. Dabei müssen wir sicherstellen, dass nun konsequent die richtigen Weichen gestellt werden. Nicht wieder Ziele ausrufen und danach Hürden aufstellen, die das Erreichen unmöglich machen. Das sehe ich als Auftrag der neuen Politik.