Berlin (ABZ). – Pünktlich zum Tag der Bauindustrie, der am 5. Juni in Berlin stattfand und vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie veranstaltet wurde, stellte der Verband die Ergebnisse einer neuen Studie vor, die wachrütteln sollen.
„Investitionen statt Subventionen – für eine gute Infrastruktur, bezahlbaren Wohnraum, intakte Straßen und Brücken sowie ein modernes und funktionstüchtiges Schienennetz“ fordern die Autoren. Jeder in den Bau investierte Euro stabilisiere nicht nur das Baugewerbe mit seinen 2,65 Millionen Arbeitsplätzen, Bauinvestitionen sollen auch den Industriestandort und die hiesige Wirtschaft stärken und „ein erhebliches gesamtwirtschaftliches Wachstumspotenzial“ erzeugen.
So lautet das Ergebnis der Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Bauwirtschaft, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Auftrag des HDB erstellt hat. Die Gesamtwirtschaft ist laut der Studie stark vom Bau geprägt. Während der Anteil des Baugewerbes und seines Vorleistungsverbundes an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung im Jahr 2019 noch bei 7,5 Prozent lag, sei die die Wertschöpfung des Baugewerbes von Ende 2020 bis Ende 2023 um real 15 Prozent gesunken, so ein Ergebnis.
Bedingt durch die steigenden Zinsen in Folge des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine sowie den deutlichen Anstieg der Baukosten sei die Nachfrage nach Bauleistungen deutlich gesunken. Betroffen von dieser Entwicklung ist insbesondere der Wohnungsbau, aber auch im Gewerbebau und im öffentlichen Bau seien die Investitionen rückläufig.
Weitere zentrale Ergebnisse der Studie: Um Klimaschutzziele zu erreichen, müssten in Wohn- und Nicht-Wohnbauten pro Jahr mindestens 33, besser
66 Milliarden Euro investiert werden. Im öffentlichen Bau – insbesondere zur dringend benötigten Sanierung und Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und der kommunalen Infrastruktur – müssten bis 2030 die Investitionen jährlich um rund 75 Milliarden Euro gesteigert werden. Und um die nach IW-Schätzungen erforderliche Zahl von jährlich
355 000 neuen Wohnungen zu erreichen, müssten die Investitionen in den Wohnungsbau um gut 20 Milliarden Euro pro Jahr steigen. „Das Ergebnis sollte uns Unternehmern, aber auch der Politik zu denken geben. Fakt ist, dass wir künftig mit weniger Menschen mehr bauen sollen und deshalb produktiver werden müssen. Das können wir einerseits aus eigener Kraft erreichen, durch mehr Digitalisierung, industrielle Prozesse sowie unternehmerischen Mut für Innovationen und neue Technologien“, fordert HDB-Präsident Peter Hübner.
Anderseits müsse der Staat die unzähligen regulatorischen Hemmnisse abbauen. Keine Branche sei so durchreguliert wie der Bau: vielfältige und ständig neue staatliche Vorgaben, veraltete Regelwerke und kaum digitalisierte öffentliche Verwaltungen prägten das Bild. „Die Trennung von Planung und Bau sowie eine strikte, kleinteilige Auftragsvergabe gibt es in keiner anderen Branche, nur am Bau. Stattdessen brauchen wir mehr Flexibilität bei der öffentlichen Beschaffung und eine bessere Kooperation aller Projektpartner auf Augenhöhe. Die Politik sollte dieses Ergebnis ernst nehmen und genau dort ansetzen. Das kostet keinen Cent extra – nur ein verlässliches Bekenntnis zur Bauindustrie“, sagte Hübner. Besonders schmerze eine weitere Zahl: Bei der Beschäftigungsprognose werde ein Abbau von 10 000 Beschäftigten erwartet. Hübner schließt: „Hält man die Ergebnisse der Studie dagegen, kann es nur eine Lösung geben: Bauen, bauen, bauen.“