Zum Inhalt springen

Tracto meistert Flussunterquerungen in Stettin

In Stettin, Polen, wurde 2024 mit dem GRUNDODRILL 28Nplus und der HDD-Technologie von Tracto drei anspruchsvolle Flussunterquerungen erfolgreich umgesetzt.

Von ABZ
Herausforderungen beim Glasfaserausbau
Bei der 231 m langen Unterquerung der West-Oder im Zentrum von Stettin führt das Team von Hydropex Pilotbohrung mit Hilfe eines Funkortungssystems und einer 19-Zoll-Sonde durch. Die Ortung erfolgt von einem Motorboot aus. | Fotos: Tracto

Stettin/Polen (ABZ). – Beim Glasfaserausbau in Stettin war die grabenlose Technologie im Jahr 2024 nahezu alternativlos: Für den Anschluss von drei Stadteilen jenseits des Flusses an das Verteilnetz mussten drei recht langen Düker umgesetzt werden.

Dies gelang mit Hilfe des Grundodrill 28Nplus von Tracto in beachtlich kurzer Zeit, wie der Spezialmaschinen-Hersteller bekanntgibt.

Mit knapp 400.000 Einwohnern ist Stettin die siebtgrößte Stadt Polens und verfügt über einen großen Ostseehafen. Stettin liegt an der Mündung der Oder und wird durch mehrere Arme des Flusses in verschiedene Teile getrennt. Einige Teile der Stadt befinden sich auf Flussinseln. Daher war das Projekt anspruchsvoll.

Es ging um den Aufbau eines Verteilernetzes für Telekommunikation in Form eines Glasfaserstammkabels, das auf einer Trassenlänge von 11 290 m durch sehr dicht bebaute Viertel Stettins führte. Um Stadtteile auf der rechten Seite der Oder mit dem Zentrum verbinden zu können, mussten drei innerstädtische Flussarme inklusive der Uferbereiche unterquert werden: Die West-Oder auf einer Länge von 231 m, der Parnicki Kanal über 210 m und der Fluss Regalica auf 426 m Länge.

Uneinheitliche geologische Bedingungen

Mit der Umsetzung wurde das 1989 gegründete, sehr erfahrene Bau- und Ingenieursunternehmen Hydropex beauftragt, das seit sieben Jahren grabenlose Verfahren anwendet. Dass Team unter der Leitung von Tomasz Raczynski musste sich auf uneinheitliche geologische Bedingungen einstellen: In und um Stettin kommen oft sandhaltige und ganz sandige, aber auch tonige Böden vor, die teilweise mit einem Torfanteil versehen sind. Zudem gibt es in einigen Bereichen Moränenböden. Die Umgebung der Baustellen bot weitere Herausforderungen: Die Arbeiten fanden innerhalb von dicht bebauten Wohngebieten, in der Nähe der Hafeninfrastruktur und eben unter Gewässern statt, sodass mit vielen Unabwägbarkeiten zu rechnen war. Eingriffe in die Oberfläche und Umgebung mussten so gering wie möglich bleiben.

Alle drei Bohrungen wurden mit dem steuerbaren, horizontalen Spülbohrverfahren (HDD) ausgeführt, für das ein GRUNDODRILL 28Nplus von Tracto eingesetzt wurde. Jede Bohrung fand in zwei Phasen statt: Die erste Phase war jeweils die durch Ortung begleitete Pilotbohrung, die zu großen Teilen aus einem Boot heraus umgesetzt werden musste. Die zweite Phase bestand aus der Aufweitung des Bohrdurchschnitts mit dem gleichzeitigen Einzug der HDPE200mm SDR11 RC-Mantelrohre, sagt Tracto. Das HDD-Verfahren ist nach eigenen Angaben ein äußerst flexibles und effizientes Bohrverfahren, das für komplexe Trassenverläufen in den unterschiedlichsten Bodenbedingungen sicher anwendbar ist.

Bei der 231 m langen Unterquerung der West-Oder mitten im Zentrum von Stettin führte das Team von Hydropex im Juli 2024 die Pilotbohrung mit Hilfe eines Funkortungssystems vom Typ MAG8 und einer 19-Zoll-Sonde durch. Teilweise liegt die neue Rohrleitung hier nun auf einer Tiefe von bis zu 19,2 m unter der Erdoberfläche. Die Ortung erfolgte von einem Motorboot aus und konnte innerhalb von drei Arbeitsschichten bewältigt werden.

Besonders herausfordernd war es hier, zwischen den Stahlbewehrungen der Kaianlagen in Form von Larsenwänden und Horizontalankern hindurch zu arbeiten. Teilweise musste ein Bereich mit einer Breite von 40 cm in 14 m Tiefe getroffen werden, was aufgrund von Signalstörungen, die durch den Stahl auftraten, schwierig war.

Die Pilotbohrung zur Unterquerung des Parnicki-Kanals unternahm Hydropex im September 2024. Dabei wurde der Bohrkopf mit Hilfe eines externen kabelgeführten Ortungssystems verfolgt, welches unempfindlicher gegen Signalstörungen sein sollte. Jedoch zeigte sich das System in der Praxis als nicht so erfolgreich, immer wieder ging das Signal verloren. Nach fünf Tagesschichten konnte schließlich die Pilotbohrung erfolgreich aufgeweitet und die Rohrleitung eingezogen werden, informiert Tracto.

Die dritte Unterquerung aus diesem Projekt stellte für Hydropex einen Rekordeinsatz dar: Der 426 lange Düker unter dem Fluss Regalica hindurch ist die bisher längste Unterquerung der Firmengeschichte. Diese musste wegen des begrenzten Platzes aufwendig vorbereitet werden. Die Rohre wurden zunächst stumpfgeschweißt und aufgrund der begrenzten Fläche oval ausgelegt.

Einstellung des Schiffsverkehrs

Die Pilotbohrung erfolgte dieses Mal wieder mit dem eigenen Funkortungssystem. Um dabei die Steuerung zu verbessern und Störsignale auszuschließen, veranlasste Hydropex die Einstellung des Schiffsverkehr für die Dauer der Probebohrung. Das Team spannte ein 200 m langes Seil von Ufer zu Ufer. Diese Maßnahmen und die langjährige Erfahrung der Mitarbeiter sorgten dafür, dass die Probebohrung mit großer Genauigkeit und innerhalb von zwei Arbeitstagen abgeschlossen werden konnte. Hydropex konnte mit einem Trupp von 6 bis 9 Mitarbeitenden jede einzelne Unterquerung in durchschnittlich zwei Wochen komplett umsetzen.

Die Erfahrungen mit dem GRUNDODRILL 28N Plus waren laut Hersteller äußerst positiv: Die Zug- und Vorschubkraft von 280 kN sowie die stufenlose Drehmomentregelung des Cummins Tier V-Motors sorgten zu jeder Zeit für die passende Leistung. Ebenso überzeugte die Aufzeichnung aller Bohrdaten, sagt Tracto.

Die Automatisierung des gesamten Bohrvorgangs, vom vollautomatischen Gestängehandling bis hin zum Einschalten der Spülung, ersparte dem Team körperlich sehr anstrengende Arbeiten. Der Bediener konnte sich voll auf die eingestellten Parameter konzentrieren und sie während des Betriebs mit Potentiometern anpassen.

Alle Beteiligten wussten, dass bei diesem Projekt an der grabenlosen Methode kein Weg vorbeiführte – denn nicht nur unter den Flüssen und Uferbereichen, auch innerhalb der dichten innerstädtischen Bebauung wäre eine offene Bauweise extrem disruptiv, kostspielig und zeitaufwendig gewesen. Mit der grabenlosen Technologie konnte das Glasfasernetz in Stettin nach Angaben von Tracto in kurzer Zeit kostensparend und störungsarm ausgebaut werden.

ABZ

ABZ

Gebaut wird überall, und das zu jeder Zeit! Die Allgemeine Bauzeitung begleitet das gesamte Baugewerbe. Schnell, sachlich und neutral - so sind wir Deutschlands meistgelesene Baufachzeitung geworden.

Alle Artikel

Weitere in Marktentwicklung

Alle anzeigen

Weiter keine Trendwende in Sicht

Von dpa
/

Weitere von ABZ

Alle anzeigen