Berlin (ABZ). – "Die Bauwirtschaft steht weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Die Nachfrage nach Bauleistungen ist in den Hochbausparten schwach ausgeprägt. Dem Wohnungsbau fehlen weiter Impulse, die Konjunkturlage in der verarbeitenden Industrie drückt nun zunehmend auf den Wirtschaftshochbau", informiert der Zentralverband Deutsches Baugewerbe über die Ergebnisse seiner aktuellen Herbstumfrage, die jüngst vorgelegt wurde.
Die Konjunkturentwicklung im Bauhauptgewerbe bleibt demnach zweigeteilt. Einer verfestigten Nachfrageschwäche im Wohnungsbau und Wirtschaftshochbau stehe eine intakte Nachfrage im Wirtschaftstiefbau gegenüber. Treiber sind hier laut ZDB die Energie- und Mobilitätswende. Der Umsatz im Bauhauptgewerbe wird demnach 2024 voraussichtlich knapp 160 Milliarden Euro erreichen. Dies entspriche einem nominalen Rückgang von 2 Prozent, unter Herausrechnung der Preisentwicklung von 2 Prozent, einem realen Minus von 4 Prozent.
Die rund 1700 Unternehmen, die sich an der Herbstumfrage 2024 des ZDB beteiligt hätten, sähen sehen sich weiter einer schwachen Auftragslage gegenüber. Die vorhandenen Kapazitäten könnten nicht ausgelastet werden. Das drücke auf die Bereitschaft zu investieren und Beschäftigte neu einzustellen. Gleichzeitig wird weiter ein Fachkräftemangel gemeldet, dies insbesondere aus dem Tiefbaubereich.
Die Hälfte der Unternehmen bewertet ihre Geschäftslage nach der Umfrage mit "Schlecht", nur 13 Prozent votieren mit gut, dabei fallen die Wertungen im Wirtschaftsbau mit 8 Prozent Gut-Wertung und 6,5 Prozent im öffentlichen Hochbau noch einmal ab. Der Saldo zur Geschäftslage liege insgesamt um 7 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Die besten Lagebeurteilungen würden derzeit noch im sonstigen Tiefbau (Tiefbau ohne Straßenbau) und im Ausbau gemeldet. Hier sehen jeweils ca. 80 Prozent der Unternehmen eine gute oder zumindest befriedigende Geschäftslage.
Die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung für die kommenden 6 Monate fallen demnach verhalten aus. Gut die Hälfte der Unternehmen sieht zumindest eine fortgesetzt gleiche oder bessere Geschäftsentwicklung, fast die Hälfte der Unternehmen erwartet jedoch auch eine noch schlechtere Entwicklung. Gemessen an der vorjährigen Umfrage ist das sogar eine relative Verbesserung. Dies ist insbesondere auf die veränderte Beurteilung der Aussichten im Wohnungsbau zurückzuführen.
Haben im letzten Jahr noch 70 Prozent der Unternehmen eine negative Erwartungshaltung für die kommenden Monate geäußert, sind es jetzt "nur noch" knapp 50 Prozent der Unternehmen. Während die Erwartungen hier im letzten Jahr noch vom Blick ins Tal gezeichnet waren, sei dieses jetzt offensichtlich erreicht. Zuletzt wurden monatlich noch für rund 17.000 Wohneinheiten Genehmigungen erteilt.
Das schwierige Bild der Lagebeurteilung und der Erwartungen wird maßgeblich durch die Auftragslage gezeichnet. Die Werte zu einer guten Beurteilung der Auftragsbestände haben gegenüber den vorherigen Meldungen weiter nachgegeben: Nur noch rund 10 Prozent der Unternehmen melden gute Bestände. Im Frühjahr 2024 waren es noch 13 Prozent der rückmeldenden Unternehmen. Etwa zwei Drittel der in den hochbaulastigen Bausparten, im Wohnungsbau und im Wirtschaftsbau, tätigen Unternehmen melden zu kleine Auftragsbestände. Die Umsatzentwicklung für 2024 wird per Saldo rückläufig erwartet. Etwa 40 Prozent der Unternehmen rechnen damit, in 2024 höhere oder zumindest unveränderte Umsätze wie 2023 eingefahren zu haben. Etwa 60 Prozent der rückmeldenden Unternehmen gehen jedoch von verringerten Umsätzen aus. Auch hier wird die zweigeteilte Konjunkturentwicklung im Bauhauptgewerbe deutlich: Im Tiefbau und im Ausbau sehen gut die Hälfte der Unternehmen mindestens unveränderte Umsätze, im Wohnungs- und Wirtschaftsbau sind dies nur ein Drittel der Unternehmen. Etwas optimistischer schauen die Unternehmen auf das Jahr 2025. Knapp die Hälfte der Unternehmen -zirka 46 Prozent – hoffen auf unveränderte oder wieder steigende Umsätze. Entsprechend gut die Hälfte der Unternehmen erwartet das eher nicht. Auch hier ist der Optimismus im Tiefbau und im Ausbau erkennbar höher als in den hochbaulastigen Bausparten.
Die nun schon mehrjährig anhaltende Auftragsschwäche im Bauhauptgewerbe bremst den Kapazitätsaufbau bei der Beschäftigung laut Umfrage weiter aus. War der Beschäftigtenaufbau im letzten Jahr zum Erliegen gekommen, schaffen es die Unternehmen erstmalig seit 2008 nicht mehr, den Beschäftigtenstand zu halten. Das zeigte sich auch bei der Umfrage. Rund 34 Prozent der Unternehmen melden einen Beschäftigtenrückgang, nur gut 10 haben zusätzliche Beschäftigte eingestellt. Gut 17 Prozent der Unternehmen sehen sich veranlasst, den Beschäftigtenstand auch 2025 weiter zu reduzieren, gut 13 Prozent wollen ihn erhöhen.