Zur NordBau haben sich die Veranstalter wieder einiges vorgenommen – neben viel Technik und Anwendungen wird auch das Netzwerken wieder im Vordergrund stehen. Natalja Solohor, Prokuristin und Leiterin der Messe NordBau, und Wolfgerd Jansch, Prokurist und Leiter Messe NordBau, sprachen mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga über aktuelle Herausforderungen und die Highlights der Messe in Neumünster.
Frau Solohor, die NordBau 2026, legt einen Fokus auf das Thema Holzbau. Wie kam es dazu?
Solohor: Wir hatten ja immer wieder mal in den letzten Jahren Holzbau als Schwerpunktthema gesetzt. Ab diesem Jahr beabsichtigen wir, das Thema zukünftig regelmäßig zu bespielen. In Zusammenarbeit mit dem Holzbau Zentrum Schleswig-Holstein haben wir dieses Projekt gestartet. Wir haben so fachlich gesehen für das Baugewerbe auf der Messe einen Ansprechpartner, bei dem man sich auch über Innovation in diesem Bereich informieren kann. Wir wollen für alle Teilnehmer eine Bühne schaffen, auf der Aussteller ihre Produkte präsentieren können und man sich auch mit Partnern in der Halle austauschen kann. Holz ist als Rohstoff ein sehr nachhaltiges Produkt und auch für den Wohnungsbau aktuell von hohem Interesse, beispielsweise wenn Aufstockungen geplant sind.
Einer der wesentlichen Schwerpunkte der Ausstellungsflächen der NordBau ist immer das Freigelände, das in diesem Jahr erneut ausgebucht ist. Was sind dort die Highlights?
Solohor: Je nachdem, wie man es betrachten möchte, ist das Freigelände vom Eingangsbereich über die Ausstellungsbereiche Süd bis Nord einfach wirklich sehenswert. Was dort an Maschinen und Baugeräten aufgefahren wird, ist schon imposant. Aber auch dort zählt nicht nur die Masse der gezeigten Exponate, sondern die Innovationen im Einzelnen. Und da wird es eine Menge zu sehen geben, etwa was im Bereich elektrischer Antriebe bei großen Baumaschinen heutzutage machbar und möglich ist.
Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind zwei große Themenbereiche, die die Bauwirtschaft bewegen. Wie werden die Themen auf der NordBau abgedeckt?
Solohor: Die Besucher werden in verschiedenen Bereichen dazu etwas auf der NordBau finden, vor allem in unserem Tagungsbereich. Ich denke da beispielsweise an den Bereich
Kanalbau. Auf der NordBau finden die 23. Norddeutschen Kanalsanierungstage statt. Die Fachtagung wird im Rahmen der Messe NordBau abgehalten und widmet sich rechtlichen Grundlagen, Gesetzen sowie Praxisbeispielen für Planung und Bau von Entwässerungsanlagen. Ein Thema dort wird die KI-gestützte Verarbeitung von unterirdischen Aufnahmen der Kanalnetze sein. Wie das funktioniert, wird von verschiedenen Firmen präsentiert. Ich finde das sehr spannend, da man sonst ja kaum mitbekommt, was da gerade unterirdisch passiert. Was das Thema Digitalisierung angeht, möchte ich etwa auf den Bereich BIM-basierte Bauweise hinweisen, der von vielen Ausstellern bespielt wird. Wenn es zudem um die Effizienz oder die Vernetzung von Baumaschinen geht, liegt der Vorteil von Lösungen zur Digitalisierung und deren Notwendigkeit klar auf der Hand. Wer sich als Bauunternehmer fragt, »Wo steht gerade meine Maschine?«, »Was tut sie augenblicklich?«, oder »Wie viel Material verarbeitet sie gerade?«, wird bei der digitalen Baustelle am Stand des VDBUM Antworten finden.
Sie haben das Thema Infrastruktur eben schon angedeutet …?
Solohor: Der Themenbereich Infrastruktur spielt in der Bauwirtschaft eine sehr wichtige Rolle momentan. Dieser Themen-Bereich wird etwa mit dem Infrastrukturforum abgedeckt, das wir gemeinsam mit dem VDBUM gestalten und das an drei Tagen stattfinden wird. Da geht es beispielsweise darum, wie man Großprojekte im Straßenbau oder Projekte wieder Bundeswehr im Realitätscheck unter die Lupe nimmt. Dort wird es um die Beschleunigung von Genehmigungsprozessen gehen, um höhere Effizienz, oder um zielgerichtete Maßnahmen für einen schnellen Baustart. Auch Fragestellungen zur Wirtschaftlichkeit von Projekten, – was passiert, wenn man nicht schnell genug handelt, oder Projekte nicht schnell genug abwickelt werden, werden beantwortet.
Das sind alles Punkte, die dort unter die Lupe genommen werden. Wir werden in diesem Jahr drei Projekte vorstellen, aus den Bereichen Autobahnbau, Bahnbau und Infrastrukturausbau bei der Bundeswehr. Drei Schwerpunktthemen an drei Tagen, also Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Das ganze Format wird auch live aufgenommen und später in Podcasts zur Verfügung stehen. Wir haben neben dem Publikum jeweils auch Gäste aus der Bauwirtschaft, von Bauunternehmen und Baumaschinenhersteller eingeladen. Auch die spontane Teilnahme ist bei diesen LIVE-Pocasts möglich. Auch für unsere Aussteller ist es sicher nicht uninteressant zu sehen, was da an Projekten auf sie zukommt. Die Diskutanten sind natürlich Live vor Ort dabei und können befragt werden. Wer aber die Zeit nicht findet, kann im Anschluss die Fragestellungen und Antworten im Podcast nachverfolgen.
Parallel zur NordBau findet der Kongress ConBau Nord statt. Was sind die Kernthemen dort?
Solohor: Zunächst freut es uns sehr, dass der Kongress nun schon im dritten Jahr stattfindet. Die ConBau Nord ist thematisch und von den Speakern her eine sehr, sehr hochkarätig besetzte Veranstaltung. Die Kernthemen in diesem Jahr sind Wärmewende, Demographie und Bau-Standards. Die Fragestellungen sind dort sehr vielfältig, etwa: »Wie wollen wir in Zukunft leben?«, »Sind Einfamilienhäuser angesichts der Knappheit von Flächen noch tragbar?«, »Wie kriegen wir das alles gleichzeitig mit Energieeffizienz und CO2-Reduzierung hin?«, oder »Bleibt das alles noch bezahlbar?«, und so weiter. Was sicherlich einmalig ist, ist dass zum Kongress auch der Transformationsmonitor für Schleswig-Holstein präsentiert wird. Darin sind alle Zahlen, Daten und Fakten dazu aufgeführt, an welcher Stelle das Bundesland Schleswig-Holstein augenblicklich bei der Erreichung der Klimaziele steht. Wo stehen wir gerade? Wo muss man noch ran, um die CO2-Belastung wie vorgeschrieben zu erreichen? Darin wird auch dargestellt, was schon erreicht wurde. Das dient dazu, den Weg zur Emissionsminderung fortzuschreiben, ihn immer wieder mit neuen Daten zu ergänzen.
Das Bundesland Schleswig-Holstein ist meines Wissens nach das erste Bundesland, das so etwas überhaupt in Angriff genommen hat. Zudem findet das auch unter fachlicher Leitung von Professor Fiedler von der TH Lübeck und Professor Walberg von der ARGE Schleswig-Holstein als Kooperationspartner mit statt. Fundiertes Wissen wird dort hineingeben, das Projekt wird auch von der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH gefördert.
Wissenstransfer und Networking sind ja auch bei der NordBau sehr hoch angesiedelt, Sie kooperieren mit zahlreichen Verbänden und Institutionen. Welche Möglichkeiten zum Netzwerken bieten sich in diesem Jahr?
Solohor: Unser Tagungs- und Seminarprogramm listet insgesamt knapp 50 Veranstaltungen und Seminare. Das ist definitiv die ideale Plattform für Wissenstransfer und zum Netzwerken, ob man sich kennt oder neue Partner kennenlernen möchte. Networking ist in allen Seminaren definitiv der Fall, aber alle Veranstaltungen, die während der NordBau stattfinden, sind so konzipiert, dass man immer Zeit und Raum findet, miteinander zu reden. »Hier Redet man miteinander« ist auch unser Slogan. Die familiäre Atmosphäre, die man auch weiterhin auf der NordBau vorfindet ist sicherlich auch etwas, das dazu einlädt.
Was sind weitere Highlights der NordBau?
Solohor: Da möchte ich auf jeden Fall unsere Nachwuchsförderung nennen. Als Unternehmen kann man hier präsent sein und versuchen, junge Menschen zu interessieren oder vielleicht als Auszubildende zu gewinnen.
Wir führen das gemeinsam mit dem Institut für Talententwicklung durch und sind sehr stolz auf diese Zusammenarbeit. Wir haben das im letzten Jahr verstärkt und werden in diesem Jahr wieder über 1.000 Schüler an
dem Messedonnerstag hier begrüßen.
Man darf nicht vergessen, wie sich diese Talente entwickeln, denn auch Schüler, die bereits hier waren und Lehrer sind Multiplikatoren für die Baubranche. Auch die Unterstützung der Bauindustrie schätzen wir dabei sehr; da passieren ja weitere Geschichten außerhalb der NordBau, wo die Zusammenarbeit weitergeführt wird. Auf der Messe haben wir unter anderem den Baugewerbeverband und die Handwerks-kammern mit dabei. Und das sind ja letztlich die diejenigen, die zum Handwerk stehen und das auch repräsentieren. Die Handwerkskammern sind aber nicht nur Ansprechpartner für die Nachwuchs-werbung, sie stehen auch für Themen wie etwa Unternehmens-Nachfolge bereit. Das nimmt momentan in diesem Bereich auch an Bedeutung zu.
Jansch: Es ist wirklich einzigartig bei der NordBau, dass die Schüler aus Norddeutschland mit Bussen hierher kommen und mindestens drei feste Termine bei Firmen haben. So können sich Firmen auch bestens darauf einstellen. Sie wissen, dass dieser junge Mann oder diese junge Frau zum Stand kommt, und dass sie sie beraten können. Die Schüler haben umgekehrt nicht einfach nur einen freien Schultag, sondern sie sind vorbereitet und gehen zu den Firmen, die beteiligt sind. Das sind nicht nur Aussteller, es kommen auch nur für diesen Tag Bau- oder Handwerksfirmen, und beraten dann etwa auch zu Praktikumsmöglichkeiten.
Ein Blick hinüber in die Entwicklung der Bauwirtschaft in Schleswig-Holstein: Das Statistikamt Kiel hat unlängst festgestellt, dass die Anzahl der Aufträge in Bau im Baugewerbe steigt, der Wohnungsbau aber nach wie vor ein Sorgenkind bleibt. Wie nehmen Sie die Stimmung im Bau in Ihrem Bundesland wahr?
Solohor: Also wir sehen da schon eher die positiven Signale, ganz klar.
Sowohl, wenn wir mit Verbänden sprechen, als auch mit Bauunternehmen. Oder einfach, wenn man mit offenen Augen durch die Straßen fährt. Es wird wieder überall gebaut, es werden wieder Bauprojekte von Kommunen vergeben. Wir haben zudem im Bundesland eine Reihe von Förderpaketen, die beschlossen worden sind, auf deren Umsetzung man aber sicherlich noch ein bisschen warten muss.
Von daher sehen wir durchaus auch positive Signale.
Welche Erwartungen werden von den Ausstellern an Sie als NordBau-Veranstalter herangetragen?
Solohor: Von dieser Seite bekommen wir schon gespiegelt – ich denke, das ist der konjunkturellen Lage der Wirtschaft allgemein geschuldet, – dass man einiges vor der Brust hat, es gibt einiges anzupacken. Und das dauert mitunter auch länger. Ob es Straßenbauprojekte sind oder Wohnungsbauprojekte, wir haben Herausforderungen, die bundesweit vorhanden sind, und die angegangen werden. Man weiß, dass man auf viele anstehende Projekte zusteuert. Grundsätzlich ist es in der Vergangenheit immer so gewesen, dass die NordBau als eine verlässliche Plattform für den folgenden Herbst wahrgenommen wurde. Wenn wir Anfang September die Veranstaltung ausgerichtet hatten, war das immer schon so ein kleiner Aufschwung, der positive Impulse gesetzt hat. Und ich denke, dass wir das in diesem Jahr durchaus auch so erwarten dürfen.
Jansch: Es ist schon ein Vorteil der NordBau, dass die Aussteller mit Bauunternehmen ins Gespräch kommen, und auch mit den Vertretern von Landesbetrieben, zum Beispiel mit Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein oder dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg Vorpommern, die ja die ganze Zeit über in der Halle eins zur Verfügung stehen. Da bekommt man einfach mit, was passiert. Und so können auch die Aussteller im Gespräch mit ihren Kunden sagen, was sich da entwickelt. Darüber hinaus haben wir zur NordBau auch den »Tag der Bauministeri« am Freitag, wo sich die gesamte Wohnungswirtschaft trifft. Nicht nur aus Schleswig Holstein, sondern aus ganz Norddeutschland.
Dort werden Genossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften ihre Perspektiven kundtun. Das ist ein wirklicher Vorteil dieser Messe, dass man sich da austauschen kann – und dann auch erspüren kann, was kommt demnächst an Aufträgen rein, und wie muss ich mich ausstatten mit Maschinen und Geräten?
Frau Solohor, Sie treten die Nachfolge von Herrn Jansch in der Geschäftsführung an, welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Solohor: Wir arbeiten ja schon im Team über ganz, ganz viele Jahre zusammen. Damit meine ich nicht nur unseren Geschäftsführer Dirk Iwersen, sondern das ganze NordBau-Team. Das größte Ziel für mich ist weiterhin, die Nordbau als die erfolgreiche Messe im Norden zu positionieren und auch die hohe Qualität, die diese Messe bietet, auszubauen. Das Fundament ist dafür gelegt, die Messe existiert nun immerhin schon seit 71 Jahren. Gleichzeitig werden wir natürlich neue Impulse setzen. Da geht es vermehrt um Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Wohnungsbau und andere aktuelle Themen. Auch neue Aussteller, Produktgruppen und neue Besuchergruppen Anzusprechen, ist etwas, was uns begleiten wird. Vor allem wollen wir weiterhin den Charme dieser Veranstaltung, diese familiäre Atmosphäre, erhalten.
Gibt es einen Termin, an dem
die Übergabe des Staffelstabs abgeschlossen sein soll?
Solohor: Wir haben die Übergabe eigentlich schon Anfang des letzten Jahres vollzogen. Aber wir hatten auch vereinbart, dass wir eine insgesamt zweijährige Übergabe vollziehen. Vor allem vor dem Hintergrund, die bestehenden Netzwerke zu festigen und unseren Partnern weiterhin die Verbundenheit zu signalisieren.
Herr Jansch, Sie beabsichtigen, zum Jahresende in den Ruhestand zu gehen. Was möchte Sie Ihrer Nachfolgerin noch mitgeben?
Jansch: Natalja Solohor verfügt über einen so immens großen Erfahrungsschatz und wir arbeiten jetzt schon über 20 Jahre zusammen. Und sie macht das seit letztem Jahr in der Verantwortung, da bin ich gern in die zweite Reihe gerückt. Ich freue mich wirklich sehr, dass Natalja das übernimmt, und das tun ganz viele andere auch, die Aussteller, die Verbände, aber auch die Ministerien und die Landesregierung. Ich freue mich einfach, dass diese Kontinuität und diese Plattform für die jährlichen Treffpunkt gehalten werden können.
Herr Jansch, Sie machen diesen Job schon seit 28 Jahren. Was waren für Sie die bewegendsten Momente im Rückblick?
Jansch: Vor rund 25 Jahren ging es der Bauwirtschaft ja nicht so gut. Und dann ging das plötzlich wieder aufwärts, steil aufwärts. Das war schon etwas besonderes, das über einen langen Zeitraum mitzuerleben. Auch dass wir bei vielen neuen Themen mit Partnern zusam-menwirken konnten, neue Impulse setzen konnten oder Fortschritte erreicht haben, das ist schon was Besonderes. Das sind schon Momente, wo eben Hoffnung entsteht. Das ist ein wesentlicher Punkt und das macht zufrieden.