Starnberg. – Die deutsche Immobilienwirtschaft befindet sich in einer der tiefgreifendsten Krisen der vergangenen Jahrzehnte.
Der rasante Zinsanstieg im Zuge der Inflationsbekämpfung im Juli 2022 führte nach Jahren der Niedrigzinspolitik der EZB zu einem abrupten Kurswechsel. Dies hat Auswirkungen auf die Finanzierungskosten und stellt viele Projektentwickler vor wirtschaftliche Herausforderungen. Zahlreiche Projekte wurden gestoppt oder auf unbestimmte Zeit verschoben – eine Entwicklung, die Insolvenzen in der Branche erhöhte. Dennoch gibt es erste Anzeichen für eine Stabilisierung.
Risiken identifizieren und minimieren
Die EZB hat den Leitzins inzwischen mehrfach gesenkt, erste größere Projekte werden wieder aufgenommen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dürfte auch die Nachfrage nach Fachkräften sowie Dienstleistern, insbesondere in der Projektsteuerung, wieder deutlich steigen. Die Projektsteuerung erfüllt zwei zentrale Aufgaben: die Sicherstellung von Kostenzielen, Qualität und Termintreue sowie die aktive Risikominimierung.
Durch ihre natürliche Position innerhalb eines Projektes kann sie Risiken frühzeitig erkennen – insbesondere solche, die aus der Bauherrenorganisation oder der Planung selbst resultieren, wie ineffiziente Strukturen, fehlerhafte Prozesse oder unzureichende Planung. Doch ihre Aufgabe geht über die reine Risikoidentifikation hinaus: Entscheidend ist die gezielte Risikominimierung. Dabei reicht es nicht, Risikomatrizen zu verwalten – die Projektsteuerung muss konkrete Maßnahmen empfehlen, organisieren und steuern.
Diese reichen beispielsweise von Gutachten, Öffentlichkeitsarbeit und Umweltplanungen bis hin zu rechtlichen Aspekten wie Compliance oder dem Lieferkettengesetz. Indem sie diese Themen übernimmt, schafft sie den nötigen Freiraum für Bauherren und Planer, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren.
Herausragende Projektsteuerung setzt Machermentalität voraus
Eine gute Projektsteuerung kümmert sich für den Bauherren um alle Aspekte eines Projektes. Eine sehr gute Projektsteuerung kümmert sich um den Bauherrn und um alle Aspekte eines Projektes. Entscheidend sind umfassendes Fachwissen im Bau- und Immobiliensektor sowie ein grundlegendes bis tiefes Verständnis für die Arbeit aller Projektbeteiligten. Doch Fachkenntnis allein reicht nicht aus – eine herausragende Projektsteuerung zeichnet sich durch Machermentalität aus. Ihr Anspruch liegt im aktiven Handeln, Steuern und Lenken – nicht nur im bloßen Verwalten und Dokumentieren.
Die Bauwirtschaft steht vor den bekannten Herausforderungen: Fachkräftemangel, steigende Baukosten und sinkende Renditen. Diese Herausforderungen bringen eine Vielzahl an Aufgaben mit sich, die eine gezielte Steuerung erfordern.
Beispielsweise zeigt sich eine zunehmend komplexe Finanzierungsstruktur innerhalb der Projekte, da sich diverse Akteure das Finanzierungsrisiko teilen möchten oder Auftraggeber stark von Fördermitteln abhängig sind. Die wachsende Zahl der Akteure führt dazu, dass der Koordinations- und Steuerungsaufwand sowie das Berichtswesen ausgeweitet werden müssen. So benötigen Finanzierer oftmals präzise Mittelbedarfsplanungen und Verwendungsnachweise oder haben – unabhängig von wirtschaftlichen Aspekten – spezifische Anforderungen an Nachhaltigkeit, Funktionalität und Qualität, die alle gesteuert werden müssen.
Um handlungsfähig zu bleiben, sollten Finanzierer und Investoren rechtzeitig ihr Netzwerk an qualifizierten Projektsteuerern ausbauen. Eine frühzeitige Auswahl geeigneter Partner ist entscheidend, um Chancen in einem sich erholenden Marktumfeld gezielt zu nutzen. Strategische Kooperationen und proaktive Vorgehensweisen ermöglichen es, von den ersten positiven Impulsen zu profitieren und sich langfristig Wettbewerbsvorteile zu sichern.
Marktbelebung durch gut strukturierte Projekte nutzen
Gerade für Investoren und Bauherren, die regelmäßig Projekte realisieren, ist es sinnvoll, ganzheitliche Strukturen und Systeme zu etablieren, die ein effizientes Multiprojekt-Controlling sowie die Vergleichbarkeit der Projekte ermöglichen. Während die Krise den Immobiliensektor vor große Herausforderungen gestellt hat, bietet sie gleichzeitig neue Möglichkeiten.
Vor allem durch eine nachhaltige Positionierung und eine gute Strukturierung der eigenen Projekte kann man von der Marktbelebung profitieren.
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Der Autor ist Geschäftsführer der emproc GmbH und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Projektmanagement und in der Projektsteuerung. Nach seinem Studium zum Diplom-Ingenieur sammelte er umfassende Fachkenntnisse in verschiedenen Positionen bei der IPM Ingenieurgesellschaft für Projektmanagement mbH sowie der Bureau Veritas Construction Services GmbH.