Wiesbaden (ABZ). – Am 1. August 2025 war es soweit: Mit der feierlichen Verkehrsfreigabe der nördlichen Teilbrücke ist das Großprojekt Salzbachtalbrücke offiziell abgeschlossen.
Nach jahrelanger Bauzeit rollt der Verkehr auf der Autobahn 66 wieder ungehindert in beide Richtungen auf einer hochmodernen Infrastruktur über das Salzbachtal.
Die Salzbachtalbrücke zählt zu den zentralen Verkehrsachsen im Rhein-Main-Gebiet und verbindet Wiesbaden mit Mainz, Frankfurt und dem Rheingau-Taunus-Kreis. Die alte Brücke aus den 1960er-Jahren war dem stark gestiegenen Schwerlastverkehr nicht mehr gewachsen. Risse und gravierende Schäden führten im Juni 2021 zur Havarie der Südbrücke. Im November desselben Jahres wurde das marode Bauwerk spektakulär gesprengt: ein logistisches Meisterstück, bei dem rund 15.000 Tonnen Beton und Stahl innerhalb kürzester Zeit kontrolliert abgetragen wurden.
Mit der Neuplanung wurde die Arge aus Porr und der Plauen Stahl Technologie GmbH beauftragt. Der Auftrag umfasst den Bau von zwei Stahlverbundbrücken mit sechs Stahlbetonpfeilern, vier Widerlagern und einer zusätzlichen Stahlbetonbrücke über die Aartalbahn. Die Gründungsarbeiten mit insgesamt 186 Bohrpfählen übernahm Porr Spezialtiefbau. Ergänzt wurde das Projekt durch drei Regenrückhaltebecken, die in ein modernes Entwässerungssystem integriert sind.
Die Umsetzung begann unmittelbar nach der Sprengung. Schon im September 2022 schob das Team den ersten 100 Meter langen und 940 Tonnen schweren Stahlabschnitt der Südbrücke millimetergenau über das Tal. Ein hochpräziser Vorgang, bei dem Hydraulikpressen und Stahlseile den tonnenschweren Stahlkörper Zentimeter für Zentimeter in Position brachten. Ende 2023 konnte die südliche Brückenhälfte planmäßig eröffnet werden. Der Verkehr rollt seitdem wieder auf zwei Spuren pro Fahrtrichtung über das Salzbachtal.
Parallel zum Baufortschritt der Südbrücke wuchs auch die Nordbrücke Schritt für Schritt. In vier großen Taktschüben wurde der bis zu 3500 Tonnen schwere Stahlhohlkörper mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von zehn Metern pro Stunde über das Tal geschoben. Der sogenannte Brückenschlag erfolgte im Juni 2024 und markierte einen bedeutenden Meilenstein für das gesamte Projektteam – routiniert und sicher umgesetzt dank der Erfahrung sowie der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit innerhalb der Arge.
Wie bereits bei der Südbrücke kam auch bei der Nordbrücke modernste Technik zum Einsatz. Hochspezialisierte Hydrauliksysteme und Stahlseile bewegten den Stahlabschnitt über hydraulische Gleitkissen bis zum letzten Widerlager auf der Nordseite. Zur Unterstützung wurde Schmierseife als Gleitmittel an der Unterseite des Stahlhohlkastens verwendet. Auf den Schwingen der fünf Bauwerksachsen kamen je nach Belastung Teflonplatten wie PTFE und MSM zum Einsatz. Entscheidend für den Erfolg dieses anspruchsvollen Bauabschnitts war die präzise Steuerung und kontinuierliche Überwachung des Baufortschritts. Parallel dazu liefen Arbeiten wie die Herstellung der Überbauplatten, Abdichtungen, Asphaltierung sowie die Installation von Schutz- und Leiteinrichtungen auf der Südbrücke.
Nach dem Brückenschlag wurde das Stahlträgerskelett der Nordbrücke mit dem Fahrbahnaufbau verbunden. In einem ersten Schritt wurden innerhalb von drei Wochen insgesamt 164 Betonfertigteile unterschiedlicher Typen und Längen – bis zu 4,39 Meter – auf den Unterbau aufgelegt. Anschließend erfolgte die Ortbetonergänzung in elf Betonierabschnitten im bewährten Pilgerschrittverfahren: Zunächst wurden die Platten im Feldbereich aufbetoniert, gefolgt von den Platten im Stützbereich über den Pfeilern. Dieses Verfahren reduziert die Gefahr von Rissbildungen erheblich. Auf das Einbringen der Abdichtung unterhalb der Kappen sowie der Herstellung der Kappen selbst, folgte das Einbringen der Abdichtung. Den Abschluss des Überbaus bildet ein Belag aus Gussasphalt.
Mit der Fertigstellung der zweiten Teilbrücke im Sommer 2025 ist der Lückenschluss vollzogen. Die neue Salzbachtalbrücke ist nicht nur ein Symbol moderner Ingenieurskunst, sondern auch ein starkes Signal für die Leistungsfähigkeit deutscher Infrastrukturprojekte. Sie bietet künftig mehr Kapazität, besseren Lärmschutz und erhöhte Sicherheit. Dank des integrierten Entwässerungssystems und der robusten Bauweise ist sie auf Langlebigkeit ausgelegt.