Freiburg (ABZ). – Beim Neubau des zweiten Bauabschnitts des Freiburger Rathauses im Stadtteil Stühlinger kommt laut Hersteller erstmals großflächig ein CO2-reduzierter Weißzement zum Einsatz.
Die Betonage der weißen Wände und Stützen in Sichtbetonqualität erfolgt mit dem Dyckerhoff Weiss BLUE STAR, der eine CO2-Reduktion von rund 15 % ermöglichen soll.
Das von ingenhoven architects entworfene Familienrathaus wird seit Juni 2024 errichtet und soll 2027 fertiggestellt werden. Der rund 100 Millionen Euro teure Neubau mit sieben Stockwerken übernimmt die ovale Form des bereits 2017 eröffneten ersten Bauabschnitts. In das Gebäude sollen vor allem Behörden wie das Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie das Amt für Schule und Bildung einziehen.
Der Ausführungsphase ging laut Angaben der Beteiligten eine intensive Planungsphase voraus. Bei ersten Treffen zwischen der P&S-Beton in Breisach, dem Wilhelm-Dyckerhoff-Institut (WDI) in Wiesbaden und der ausführenden Karl Strohmaier GmbH wurden mögliche Probleme und Risiken identifiziert. Als zentrale Herausforderung erwiesen sich die klimatischen Bedingungen auf der Baustelle, insbesondere die unterschiedlichen Temperaturen während der ganzjährigen Bauzeit.
In intensiven Testreihen ermittelte das WDI die Mischverhältnisse, um sowohl eine Verarbeitungszeit von 90 bis 120 Minuten als auch eine Fließfähigkeit des Betons sicherzustellen. Dabei wurde darauf geachtet, dass der Beton unter wechselnden Temperaturbedingungen gleichbleibende Eigenschaften aufweist, heißt es.
Die Anforderungen an den Sichtbeton waren klar definiert: Konsistenz F4, vier Betonrezepturen mit Festigkeitsklassen C30/37 für die Wände der Treppenhäuser und C50/60 für die Stützen in Größtkorn 8 mm und 16 mm. Als Gesteinskörnung kamen Rheinsand 0-2 sowie Rheinkies 2-8 und 8-16 zum Einsatz. Die Sika Deutschland entwickelte durch ein Screening zur Kompatibilität von Fließmittelpolymeren entsprechende Lösungen für die vier Betonrezepturen bei Temperaturen von 10 °C, 20 °C und 30 °C. Das Ergebnis waren ein 2K-System (Fließmittel/Konsistenzhalter) beziehungsweise ein 3K-System (Fließmittel/Konsistenzhalter/Verzögerer).
Insgesamt werden laut Angaben der Beteiligten rund 12.000 m³ Stahlbeton benötigt, davon etwa 1800 m³ Weißbeton. Von dem weißen Sichtbeton entfallen 1540 m³ auf die Wände und 260 m³ auf die insgesamt 610 Rundstützen mit unterschiedlichen Höhen und Durchmessern.
Um eine Kontamination mit anderen Betonsorten zu vermeiden, blockierte P&S-Beton einen eigenen Mischer ausschließlich für den Weißbeton. Dies ermöglichte nach Angaben des Unternehmens eine gleichbleibende Qualität und sicherte die hohen Ansprüche an Sichtbetonoberflächen.
Eine besondere Herausforderung stellte laut Beteiligten die filigrane Anordnung der Bewehrung dar. Die Stützen wurden daher zunächst nur halb gefüllt, von innen verdichtet und dann ruhen gelassen, bevor der zweite Abschnitt betoniert und verdichtet wurde.
Zum Verdichten kamen sowohl Außenrüttler als auch lange Rüttelschläuche zum Einsatz.
Die Bauarbeiten werden unter der Bauleitung von Conrad Riede von der Schleith GmbH Baugesellschaft aus Freiburg durchgeführt. Das Gebäude wird komplett im Passivhausstandard erstellt mit dem Ziel, ein DGNB-Zertifikat in Silber zu erhalten.