Frankfurt am Main (ABZ). – Mit der Revitalisierung des Bürogebäudes Prisma im Frankfurter Lyoner Quartier zeigt sich, welches Potenzial in der Bestandserhaltung liegt. Durch die Modernisierung statt eines Neubaus wurden rund 50 % der grauen Energie eingespart – und das bereits am ersten Tag.
Das Projekt belegt diese Aussage mit konkreten Zahlen: Der Energiebedarf wurde durch moderne Gebäudetechnik und ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept um 55 % gesenkt. Der CO2-Ausstoß über den Lebenszyklus sinkt um 42 %, was rund 50 486 t eingesparter Emissionen entspricht.
Materialien wiederverwenden oder weitervermiteln
Ein Re-Use-Konzept sorgt dafür, dass Materialien wie Glastrennwände und Möblierung wiederverwendet oder weitervermittelt werden. Zur hohen Energieeffizienz tragen sieben Wärmepumpen, Photovoltaik, ein innovatives Klimakonzept mit flächendeckenden Kühlsegeln sowie LED-Beleuchtung bei.
Mit den angestrebten Zertifizierungen DGNB-Platin und BREEAM Excellent setzt das Projekt Maßstäbe, die im Bestand noch immer selten erreicht werden.
Das Prisma stellt sich demnach nicht nur technischen, sondern auch gesellschaftlichen Fragen.
Die Zukunftsforscherin und Autorin Oona Horx Strathern betonte während einer Diskussionsrunde unter anderem die Notwendigkeit eines radikalen Umdenkens bei der Gestaltung von Arbeitsorten: "Wir erleben einen Wandel von Work-Life-Balance zu Work-Life-Blending. Arbeit und Leben verschmelzen zunehmend – und die nachwachsenden Generationen suchen nach den ,4 C's': Community, Connectivity, Comfort und Communication."
Das Gebäude will diesen Anspruch durch energieeffiziente Technik und durch Räume erfüllen, die Austausch ermöglichen: Dazu gehören eine rund 1300 m² große Gastronomie mit knapp 200 Sitzplätzen für Mieter, Anwohner und weitere Gäste, ein Fitnessbereich, großzügige Konferenzräume und Coworking-Zonen – eingebettet in ein 3000 m² großes, begrüntes Atrium mit hoher Aufenthaltsqualität.
Der Standort selbst – das Lyoner Quartier – befindet sich im Wandel vom reinen Büroviertel zum gemischt genutzten Stadtteil. Frankfurts Stadtrat für Planen und Wohnen, Prof. Dr. Marcus Gwechenberger, unterstrich die Bedeutung des Projekts: "Aktuell leben hier bereits 6000 Menschen, rund 3000 Wohnungen sind entstanden – das Ziel sind 6000 Wohnungen. Als sozialer Raum und nachbarschaftlicher Treffpunkt leistet das Prisma einen wichtigen Beitrag zur Nutzungsmischung und Belebtheit im Quartier."
Ein Ort zum Austauchen im öffentlichen Atriium
Matthias Pink, Head of Research bei Savills, sieht die Stärke des Projekts in der Verbindung von guter Erreichbarkeit und echter Urbanität: "New Work hat nicht nur mit Immobilien und ihrer Lage zu tun, sondern mit Menschen und was sie aus einem Ort machen. Das Prisma schafft urbane Annehmlichkeiten, wie sie sonst nur lebendige Nachbarschaften bieten: ein diverses Angebot, hohe Aufenthaltsqualität und mit dem öffentlichen Atrium einen Ort zum Austauschen."
Zur Lage des Büroimmobilienmarkts in Frankfurt ergänzt Pink: "Wir beobachten einerseits steigende Leerstände und andererseits steigende Mieten.
Die Leerstände steigen nur dort, wo die Büros nicht mehr die Ansprüche der Nutzer erfüllen. ,Schrumpfen und Aufwerten' lautet bei vielen Unternehmen die Devise: Sie verkleinern ihre Fläche, wollen aber die Qualität ihrer Büros verbessern."