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Klimaneutrale Baustellen in Erprobung

Leonhard Weiss erprobt innovative Technologien für klimaneutrale Baustellen.

Von ABZ
Nachhaltigkeit
Der fertiggestellte Ladepark in Fürth. | Foto: Leonhard Weiss

Göppingen (ABZ). – Das Bauunternehmen Leonhard Weiss testet in mehreren Pilotprojekten den Einsatz elektrisch betriebener Baumaschinen und alternativer Kraftstoffe. Ziel ist es, bis 2045 eine vollständige Netto-Null-Kohlenstoffbilanz zu erreichen.

Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Materialkreisläufe und Ressourcenstrategie verursachen Herstellung, Errichtung, Sanierung und Nutzung von Gebäuden und Bauwerken rund 40 Prozent der gesamten deutschen CO2-Emissionen. Dabei entfallen laut einem aktuellen Diskussionspapier etwa drei Viertel (74,6 Prozent) auf die Bewirtschaftungsphase, insbesondere die Wärmeerzeugung.

Die Bauwirtschaft trägt mit 2,6 Prozent der direkten Emissionen vergleichsweise wenig zum Treibhausgas-Ausstoß bei. Dennoch kann die Einsparung von Treibhausgasen und Luftschadstoffen durch fossilfreie oder elektrisch betriebene Baumaschinen gerade im urbanen Raum positive Effekte haben, wie eine Studie der Stadt Zürich zeigt.

Leonhard Weiss hat einen unternehmensweiten Stufenplan zur Klimaneutralität entwickelt. Bis 2030 soll der Pkw-Fuhrpark CO2-neutral betrieben werden, bis 2037 folgen Lkw und Busse. Der Maschinenpark soll bis 2040 nahezu emissionsfrei arbeiten. Parallel werden Gebäude und Baustellen auf erneuerbare Energien umgestellt.

"Wir wollen Klimaschutz nicht ankündigen, sondern im Hier und Jetzt realisieren – mit Lösungen, die funktionieren und die wir Schritt für Schritt weiterentwickeln", erklärt Simon Schall, Bereichsleiter Maschinentechnik & Instandhaltung bei Leonhard Weiss.

Bereits 2023 führte das Unternehmen für die Stadtwerke Tübingen eine klimabewusste Baustelle aus, bei der erstmals elektrisch betriebene Baumaschinen und alternative Kraftstoffe zum Einsatz kamen. Ein Jahr später folgte in Rangendingen die erste vollelektrische Baustelle im Rahmen des Programms "NETZbaustelle der Zukunft".

Auf einer Strecke von rund 400 Metern wurde das Mittel- und Niederspannungsnetz ausgebaut und eine neue Umspannstation errichtet – vollständig mit elektrisch betriebenen Maschinen, Akku-Kleingeräten und E-Fahrzeugen. Zum Einsatz kamen ein Bagger von Suncar sowie der Prototyp eines elektrisch betriebenen Asphaltfertigers von Vögele.

"Wir mussten oft improvisieren – aber genau das hat uns als Team weitergebracht", erinnert sich Bauleiter Dennis Wittmacher. Nach Unternehmensangaben konnten rund vier Tonnen CO2 eingespart werden.

Im Frühjahr 2025 realisierte Leonhard Weiss in Fürth-Ronhof im Auftrag des norwegischen Energiedienstleisters Eviny den ersten emissionsfrei gebauten XL-Ladepark im Deutschlandnetz. Acht Ladesäulen mit insgesamt 16 E-Ladeplätzen wurden ausschließlich mit Elektro-Baumaschinen erstellt.

Ein technisches Highlight war der Einsatz einer Photovoltaik-Anlage auf einem Baustellencontainer mit integriertem Akkuspeicher zum Laden von Kleingeräte-Akkus. Für diese zusammen mit dem Entwicklungspartner EKU Power Drives konzipierte Container-PV-Lösung erhielt Leonhard Weiss 2024 den Innovationspreis des Bayerischen Bauindustrieverbands. Das aktuell laufende Projekt am Marktplatz in Sindelfingen folgt ebenfalls dem nachhaltigen Ansatz. Neben konventionellen Geräten kommen gezielt Elektro-Kleingeräte und ein E-Bagger zum Einsatz.

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