Hamburg (ABZ). – Die vielbefahrene A 1 soll in Hamburg ausgebaut werden. Umweltschützer kritisieren das. Die Bundes-Projektgesellschaft Deges glaubt dennoch, dass schon bald die Bagger anrollen können.
Dass die maroden Brücken durch Neubauten ersetzt werden müssen, sei unstrittig, täglich staue sich der Verkehr auf der A 1 bei Hamburg – die Autobahnbrücken über die Nord- und Süderelbe sind der Belastung von mehr als 100.000 Autos pro Tag nicht mehr gewachsen. Die Bundesprojektgesellschaft Deges gehe dennoch davon aus, dass der Ausbau der A 1 im Sommer 2026 beginnen kann. Sie rechnet mit einem Planfeststellungsbeschluss bis Ende des aktuellen Jahres.
Zugleich soll die Autobahn auf gut 8 Kilometern zwischen der Anschlussstelle Hamburg-Harburg und dem Kreuz Hamburg-Südost, von sechs auf acht Fahrspuren erweitert werden, und dagegen protestieren Umweltschützer. Zum Projekt gehört neben der Erneuerung der Brücken auch die Neugestaltung des Dreiecks Norderelbe. Der Verkehrsknoten verbindet die A 1 Bremen-Lübeck mit dem sogenannten Abzweig Veddel (A255), der die Hamburger Innenstadt anschließt.
Als Erstes soll mit dem Neubau der beiden Brücken begonnen, sagt Deges-Abteilungsleiter Rüdiger Martens. Die Norderelbbrücke hat nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen bei der jüngsten Bauwerksprüfung die Zustandsnote 3,5 bekommen, was "ungenügend" bedeute, weshalb die Zeit dränge.
2029 soll jeweils eine Fahrbahnbrücke über die beiden Flussarme fertig sein. Dann kann der Verkehr – provisorisch in beide Fahrtrichtungen – auf die Neubauten verlegt und mit dem Abriss der alten Bauwerke begonnen werden. 2033/34 sollen die Brücken komplett fertig sein.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert einen Stopp des geplanten Autobahnausbaus.
Es leuchte ein, dass die beiden Brücken erneuert werden müssten, sagt die Hamburger BUND-Vorsitzende Sabine Sommer und fügt hinzu: "Hingegen leuchtet uns überhaupt nicht ein, dass in diesem Zuge die Gelegenheit genutzt werden soll, die Fahrbahntrassen zu erweitern." Die Planungen gingen mit erheblichen Eingriffen in Naturschutzgebiete einher.
Nach Ansicht der Deges sind die bestehenden sechs Fahrspuren mit täglich 131.000 Fahrzeugen schon heute überlastet. Bis 2030 werde der Verkehr voraussichtlich auf dem Abschnitt auf 160.000 Autos zunehmen. Jedes fünfte Fahrzeug ist demnach ein Lastwagen. "Die A 1 gehört zu den meistbefahrenen Autobahnen in Deutschland", sagt Deges-Pressesprecher Ulf Evert. Die Autobahn müsse nicht nur den regionalen Verkehr im Raum Hamburg bewältigen.
Sie sei Bestandteil der transeuropäischen Netze und verbinde Wirtschaftsräume von Skandinavien bis zum Mittelmeer. Durch den Bau des Tunnels unter dem Fehmarnbelt, der 2029 in Betrieb genommen werden soll, dürfte der Verkehr auf der A 1 zunehmen. Die Brücken in der bestehenden Größe neu zu bauen, wäre wirtschaftlich unsinnig.