Bad Nauheim (ABZ). – Unter dem Leitthema "Bauwerke instand setzen – heute und morgen" diskutierten mehr als 210 Fachleute bei der 35. Informationsveranstaltung der Landesgütegemeinschaft Erhaltung von Bauwerken Hessen-Thüringen (LGGHuT) aktuelle Entwicklungen in der Betoninstandsetzung.
Eine begleitende Fachausstellung wurde von 26 Ausstellern bestritten. Zu den Referenten zählte unter anderem Dr. Lars Wolff vom Ingenieurbüro Raupach Bruns Wolff. Er gab einen Überblick über neue Regelwerke. Das Regelwerk der Betoninstandsetzung erlebt nach Aussage des Referenten derzeit eine deutliche Dynamik.
Die EU-Kommission harmonisiere seit 2019 sämtliche technischen Spezifikationen der Bauproduktenverordnung. Davon betroffen sei auch die zentrale Normenreihe EN1504, deren überarbeitete Fassung ab 2030 in Kraft treten soll. Conrad Pelka von der DB InfraGO AG zeigte das Potenzial von Ultrahochfestem Faserverbundbaustoff (UHFB) auf.
Der neuartige Werkstoff soll sich durch hohe Packungsdichte, Flüssigkeitsundurchlässigkeit, kurze Erhärtungszeiten und sehr hohe Tragfähigkeit auszeichnen. Dadurch lassen sich Pelka zufolge Bauzeiten verkürzen und CO2-Emissionen verringern. Erste Pilotprojekte in Deutschland belegen die Praxistauglichkeit bei der Instandsetzung von Eisenbahngewölbebrücken.
Thomas Wachter von der BWS Rhein-Neckar GmbH berichtete über die Sanierung der Salierbrücke in Speyer. Jonas Enste von Conscan.tech referierte über digitale Methoden der Bestandsaufnahme und behandelte Technologien wie Laserscanning, UAV-Fotogrammetrie und KI-gestützte Bildanalyse. Durch die Kombination verschiedener Verfahren kann eine hochpräzise, dreidimensionale Datengrundlage für Schadenskartierungen und Mengenermittlungen geschaffen werden.
Rechtsanwältin Nicole Glaser von der Kanzlei Blauertz Rechtsanwälte behandelte das Thema Nachtragsberechnung. Sie erklärte die beiden zentralen Abrechnungsmethoden nach Urkalkulation und nach tatsächlich erforderlichen Kosten. Glaser plädierte dafür, Nachträge frühzeitig und strukturiert zu kommunizieren, um Konflikte zu vermeiden.
Die 36. Informationsveranstaltung der LGGHuT soll am 12. November 2026 stattfinden.