Mellendorf (kwf). – Aktuelle Themen wie die Neuordnung der Bauverwaltung, der Fachkräftemangel und die Investitionspolitik des Bundes standen bei dem nordwestdeutschen Branchentreffen im Mittelpunkt.
Der Verband Bauindustrie Niedersachsen-Bremen lud Mitte Juni zum Sommerfest in die niedersächsische Wedemark ein: Das Ausbildungszentrum Mellendorf bot eine bestens geeignete Kulisse für das Event. Die Höhepunkte des Abends bildeten Vorträge des Stararchitekten Professor Werner Sobek und Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne. Bei bestem Wetter und ausgezeichneter Stimmung unter den zahlreichen Teilnehmern referierte Sobeck über seine Erfahrungen und Vorstellungen, wie für mehr Menschen emissionsfrei und mit weniger Material gebaut werden könne. Tonne erläuterte in seinem Vortrag die jüngst im Land Niedersachsen beschlossene Neuordnung der Bauverwaltung des Bundeslandes.
Diese hatte Tage zuvor bekannt gegeben, dass das Management eigener Bauprojekte deutlich verschlankt und beschleunigt werden solle. Abläufe sollen stärker standardisiert und auf weniger Verfahrensarten konzentriert werden, eine Aufsichtsstufe beim Landesamt für Bau und Liegenschaften soll komplett wegfallen.
Bezüglich der Verwendung des Sondervermögens der Bundesregierung war sich der Minister sicher, dass ein großer Anteil der Gelder für Bauprojekte in Niedersachsen verwendet werden wird und auf diese Weise auch öffentliche Auftraggeber neue Handlungsmöglichkeiten bekommen werden. Aber: "Geld allein baut noch nichts", mahnte der Minister mit Blick auf die notwendige Koordination von Projekten und den weiterhin bestehenden Fachkräftemangel. Er schlug eine "Charta für Infrastruktur" vor, die Beteiligten helfen solle, Arbeit und Abläufe zu koordinieren. Neu zu schaffende "Arbeitsmarktdrehscheiben" auch für gering qualifizierte sollen dazu beitragen, mehr Fachkräfte für die Bauindustrie zu finden.
Jörn Makko, Hauptgeschäftsführer des Verbands Bauindustrie Niedersachsen-Bremen, monierte in seinem Vortrag, dass die zögerliche Investitionspolitik des Bundes dazu geführt habe, dass 2025 für viele Unternehmen der Branche verlorenes Jahr gewesen ist. Es seien weniger Aufträge erteilt worden, Investitionen seien aufgeschoben worden. Hier müsse "die neue Bundesregierung jetzt dringend nachlegen." Hinsichtlich des bestehenden Fachkräftemangels mahnte Makko, dass dieser die Bautätigkeit auch weiterhin hemmen werde.
Um dem zu begegnen sei es ein gutes Modell, sich frühzeitig in die Berufsorientierung einzubringen. Dazu hat der Verband mit Netzwerk Schule-Wirtschaft eine "Bildungspartnerschaft Bau" verabredet, die im März 2025 vorgestellt wurde. Ziel der Partnerschaft ist es, lokale Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen zu schaffen, um junge Menschen für die Zukunftsbranche Bau zu begeistern. Trotz solcher Initiativen stehe man auch Aufgrund des demografischen Wandels weiterhin vor dem Problem des Fachkräftemangels im Baugewerbe, weshalb der Verband auch außerhalb der Bundesrepublik nach Nachwuchs suche und bestehende Netzwerke nutzen wolle, sagte Makko. Die Themen des Abends boten reichlich Anlass zum Austausch und zur Diskussion, was von den Teilnehmern gern genutzt wurde.