Berlin (ABZ). – Mitte Januar hatte der Rohrleitungsbauverband (rbv) gemeinsam mit seinem Partner, dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) zur 32. Tagung Leitungsbau nach Berlin geladen, das Event wurde unter das Thema "Abenteuer Leitungsbau: Der Druck steigt", gestellt.
Über zwei Tage wurde Mitgliedsunternehmen, Pressevertretern und Interessierten die Möglichkeit gegeben, sich über zahlreiche Vorträge und beim Netzwerkabend über alle wichtigen Themen der Branche zu informieren und auszutauschen, die den Verband und seine Mitgliedsunternehmen aktuell beschäftigen.
"Selten zuvor war der Leitungsbau so stark gefordert, Antworten auf eine Vielzahl paralleler Veränderungen zu finden", stimmte Dr. Ralph Donath, Präsident des rbv Rohrleitungsbauverband e. V. (rbv), die Teilnehmer gleich zu Beginn der Veranstaltung ein. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Arbeits- und Fachkräftemangel, volatile Märkte und politische Unsicherheiten erhöhten den Druck auf den Verband und dessen Mitgliedsunternehmen. Donath erläutert: Doch genau darin liegt auch eine Chance - wer diesen Druck annimmt, ihn steuert und nutzt, kann neue Energie freisetzen. Veränderung zwingt uns, Prozesse zu hinterfragen, neue Wege zu gehen und gewohnte Grenzen zu überwinden."
Das "Abenteuer Leitungsbau" bedeute heute weit mehr als den Bau und den Erhalt unterirdischer Infrastrukturen. Es stehe für Aufbruch, für Mut und für den Willen, die Zukunft der Versorgung aktiv zu gestalten. "Dieses Abenteuer kann nur gemeinsam gelingen", so der Präsident (. . . ). Der Druck mag steigen – doch gemeinsam behalten wir die Kontrolle, halten die Verbindung und sichern, was unsere Gesellschaft dringend braucht – eine zuverlässige, zukunftsfähige Infrastruktur und nachhaltige Versorgungssicherheit."
Auch Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) nahm diesen Ball auf, fasste das für die Bauindustrie turbulente Jahr 2025 "Es war kein Jahr für schwache Nerven" gekonnt zusammen und resümierte, dass sich die Geschäftserwartungen im Bauhauptgewerbe insgesamt verbessert haben. Dennoch müssten sich Unternehmen zahlreichen Herausforderungen wie der demographischen Entwicklung, abnehmender Produktivität, Digitalisierung und Automatisierung sowie dem Klimaschutz gleichzeitig stellen.
"Damit kein Zweifel aufkommt", hatte Donath zu Beginne etwa die Herausforderungen im Klimaschutz benannt und ausgeführt: "die globale Klimaneutralität muss ein unabdingbares Ziel bleiben. Die Frage ist nur, ob es dafür eine Neuauflage des historischen Morgenthau-Plans braucht oder ob nicht endlich mehr Realismus in der Klimapolitik Einzug hält."
Die Diskussionen zur Transformation der Energielandschaft würden derzeit in den Bereichen Stromsektor und Wasserstoff-Kernnetz geführt. Dabei müsse vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der energieintensiven Industrie inzwischen sogar die Frage gestellt werden, ob das Wasserstoff-Kernnetz unter den gegebenen Umständen überhaupt eine Chance habe. Das bestehende Gasnetz sei ein volkswirtschaftlich bedeutendes Asset, erläuterte Donath und führte aus: "Aufgrund der einzigartigen Netzstruktur im gesamten Bundesgebiet wäre es aus meiner Sicht grob fahrlässig, die Kostenvorteile einer Netztransformation gegenüber einem Neubau von Strom- und Fernwärmenetzen nicht zu nutzen." Doant schließt: "Wir sollten nicht voreilig den Rückbau der Gasnetze betreiben, bevor ein den genannten Kriterien genügendes System verabschiedet wird."
Die eingangs ausgesprochene Einladung vom rbv-Präsidenten an alle Teilnehmer, "mitzudenken, mitzudiskutieren und mitzuwirken" wurde gern angenommen. In Folgevorträgen von Experten, Verbandsvertretern und Unternehmern wurden weitere Themenkomplexe wie KI, Geopolitik, oder Arbeits- und Tarifrecht angeschnitten, über die sich Teilnehmerinnen in Pausen und am Netzwerkabend ausgiebig austauschten. Mit Blick in die Zukunft skizzierte Donath die Herausforderung, "das Abenteuer Energiewende gemeinsam etwas besser verstehen und vielleicht auch in unserem eigenen Einflussbereich gestalten können".