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Klimaschutz durch serielle Gebäudeerneuerung

Die Gemeinde Körperich setzt auf serielle Sanierung, um ihre Turnhalle von der schlechtesten in die beste Energieeffizienzklasse zu bringen.

Von ABZ
Sanierung von Turnhalle in Körperich
Die Konstruktion des Hallendachs wies Schäden auf und muss zusätzlich saniert werden. | Foto: dena/Ariane Steffen

Körperich (ABZ). – Mit der novellierten Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) müssen bis 2033 rund 26 % der energetisch schlechtesten Nichtwohngebäude saniert werden. In der Gemeinde Körperich wird derzeit eine Turnhalle bei laufendem Schulbetrieb seriell erneuert und soll nach Abschluss einen Energiesprung von der schlechtesten in die beste Effizienzklasse schaffen.

Die 1971 erbaute Turnhalle der Grundschule St. Hubertus zählt laut Angaben der Deutschen Energie-Agentur (dena) zu den 25 % energetisch schlechtesten Gebäuden in Deutschland. Die Verbandsgemeinde Südeifel entschied sich für eine serielle Sanierung mit vorgefertigten Fassadenelementen und geht damit als erste Kommune in Rheinland-Pfalz diesen Weg. "Der Erhalt des Bestandsgebäudes und die Zeitersparnis haben uns überzeugt. Es gibt noch einige Sachen, wo es hakt. Aber es ist eben Neuland und wird sich mit jedem weiteren Projekt einspielen. Für uns ist die serielle Sanierung der richtige Weg und wir werden ihn in Zukunft weitergehen", so Bürgermeisterin Anna Karina Krebs.

Die neue Gebäudehülle wird aus heimischem Holz von einem regionalen Holzbauunternehmen im Werk gefertigt. Die 28 Fassadenelemente mit den Maßen 6,7 m Breite und 3,45 m Höhe werden per Tieflader zur Baustelle transportiert. Nach Herstellerangaben ist die Montage innerhalb von zehn Werktagen abgeschlossen. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach soll regenerativen Strom für die Wärmepumpe, Warmwassererzeugung und Beleuchtung liefern. Eine extensive Dachbegrünung verbessert den sommerlichen Wärmeschutz und dient als Wasserspeicher. Nach der Sanierung wird die Turnhalle laut dena auf Effizienzstandard 40 EE sein und 90 % weniger Energie verbrauchen.

Aus der zunächst geplanten Minimallösung wurde nach einer umfassenden Bestandsanalyse eine Maximallösung. Zusätzlich zur seriellen Sanierung der Gebäudehülle musste die Dachkonstruktion saniert sowie die Wärmeversorgung, der Hallenboden und Versorgungsleitungen erneuert werden. Das schloss die ursprünglich geplante Weiternutzung der Turnhalle während der Sanierung aus. Im Sommer 2026 soll die Halle wieder zur Verfügung stehen.

Die neue Holzfassade ist nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip konzipiert. Alle Baustoffe können am Ende des Lebenszyklus sortenrein zurückgebaut und wiederverwendet werden. "Uns war es außerdem wichtig, mit dem zu bauen, was da ist. Deshalb setzen wir möglichst viel Baumaterial des Bestandsgebäudes für die serielle Sanierung ein", erklärt Architektin Sabine Reiser. Die Stehfalzeindeckung des Daches fungiert künftig als Verkleidung des Umkleidetraktes. Das Holz des zurückgebauten Satteldaches wird als Unterkonstruktion für die Fassadenmodule eingesetzt. Durch die Weiterverwendung der Materialien werden Rohstoffe, Energie und CO2 eingespart.

Das Sanierungsprojekt zeigt, wie Kommunen durch eine Kombination von Bundes- und Landesfördermitteln ihre Gebäude kostenoptimiert modernisieren können. Ein Mix aus sechs unterschiedlichen Förderprogrammen sorgt dafür, dass die Verbandsgemeinde Südeifel nur rund ein Viertel der sich auf 2,37 Millionen Euro belaufenden Sanierungskosten selbst tragen muss. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt das Projekt mit 500.000 Euro aus dem Kommunalen Investitionsprogramm für Klimaschutz und Innovation (KIPKI) und 100.000 Euro aus dem Klimabündnis Bauen RLP. "In Körperich sehen wir, dass die Fördermittel gut angelegtes Geld sind. Einerseits, weil sich der regionale Holzbau und serielles Sanieren wunderbar ergänzen. Anderseits, weil die Förderung auch finanzschwachen Kommunen die Chance eröffnet, ihre Liegenschaften auf Klimakurs zu bringen", betont Staatssekretär Michael Hauer.

Eine der größten Hürden für kommunale Bestandshaltende stellt das öffentliche Vergaberecht dar, das bei der seriellen Sanierung an seine Grenzen stößt. Die bisherige Vergabepraxis geht von einem traditionellen arbeitsteiligen Prinzip aus, bei dem ein Gewerk auf das nächste folgt. Beim seriellen Sanieren hingegen laufen viele Prozesse parallel und erfordern eine gewerkeübergreifende Zusammenarbeit.

"Lassen Sie sich im Vorfeld eines seriellen Sanierungsvorhabens eine Machbarkeitsstudie erstellen", rät Hannsjörg Pohlmeyer, Leiter des Holzbauclusters Rheinland-Pfalz. "Sie liefert Ihnen wirtschaftlich und technisch fundierte Argumente für die rechtssichere Zusammenfassung von Einzellosen."

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