Treis-Karden (ABZ). – Das Kaltrecycling (KRC) ist eine wirtschaftliche Alternative zur herkömmlichen Sanierung von Straßen, wie ein Projekt aus der Nähe von Trier kürzlich gezeigt hat. Dort sanierte die Heinz Schnorpfeil Bau GmbH im September 2023 eine Landstraße auf 1,4 km Länge. Der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) hatte die Bauweise ausgeschrieben, da sie mit Blick auf die Kosten unschlagbar und zugleich die schnellste Methode war, so die Heinz Schnorpfeil Bau.
Deckschicht noch gut für eine Wiederverwendung
Die L 143, eine der Hauptzufahrtsstraßen nach Trier, wird täglich von rund 10.000 Fahrzeugen genutzt. Untersuchungen der etwa 6,5 m breiten Fahrbahn im Vorfeld der Sanierung "ergaben, dass der Fahrbahnaufbau fast teerfrei war", sagt Peter Braun, Teamleiter Fachgruppe Straßenbau beim LBM Trier. Außerdem zeigte der Erweichungspunkt "Ring und Kugel", dass die Deckschicht noch gut für eine Wiederverwendung geeignet sei. Die Tragschicht und die Binderschicht hingegen waren so spröde, dass das Material im Heißeinbau nicht mehr hätte wiederverwendet werden können. Die Tragfähigkeit der Schichten war schlicht nicht ausreichend und auch die Frostsicherheit war nicht mehr überall gegeben.
"Bei der Entscheidung für die geeignete Sanierungsmethode betrachten wir generell die Wirtschaftlichkeit. Oftmals ist bei vergleichbaren Straßen eine hydraulische Verfestigung oder eine HGT günstiger. Bei den hier vorgefundenen Gegebenheiten war KRC jedoch die wirtschaftlichste Variante", erläutert Bauingenieur Braun, der seit 30 Jahren im Straßenbau tätig ist. Dazu hatte sein Team zwei Varianten genauer untersucht: Zum einen den Ausbau aller gebundenen Schichten mit Ergänzung der Frostschutzschicht und nachfolgendem Einbau einer HGT oder einer Verfestigung und Neubau des gesamten Asphaltpakets, zum anderen das Kaltrecycling. Das Abfräsen der Deckschicht war bei beiden Fällen vorgesehen.
Bauzeit reduzierte sich um etwa 45 %
Beim klassischen Aus- und Einbau hätte der gesamte Fahrbahnaufbau abtransportiert und neues Material für die Ergänzung der Frostschutzschicht und die HGT angeliefert werden müssen. All diese Transporte entfallen beim Kaltrecycling. Konkret ergab sich für das Projekt in Filsch, dass die Sanierung im KRC-Verfahren rund 455 Transporte mit üblichen Sattelaufliegern einspare. Entsprechend schnitt das KRC beim Vergleich der Wirtschaftlichkeit deutlich besser ab.
Diese Abschätzung deckt sich mit den Erkenntnissen einer wissenschaftlichen Studie der Hochschule Koblenz zum KRC aus dem Jahre 2021. Dabei wurde das Kaltrecycling mit konventionellen Bau-weisen verglichen. Das Ergebnis: Die Bauzeit reduzierte sich um etwa 45 %, die Lkw-Einsatzzeiten um 86 %, die Kosten um mehr als 30 % und die CO2-Emissionen für Baubetrieb und Fracht um 56 %.
Ergebnisse überzeugen
Die Bauzeit war auch beim Projekt in Trier entsprechend kurz. Nach dem Abfräsen und Abtransport der Deckschicht wurden alle anderen Schichten aufgefräst, verblieben aber vor Ort. Im Anschluss ist die Schicht profiliert und mit Zement bestreut worden. Aus diesem Materialmix entstand in einem Arbeitsgang die 20 cm starke KRC-Schicht. Dazu überfährt der Schnorpfeil-Mixpaver unter Zugabe von Bitumenemulsion die Fahrbahn, durchmischt die Baustoffe und verdichtet alles mit der integrierten Einbaubohle. Nach der Walzverdichtung wurde die KRC-Schicht überbaut laut Unternehmen mit einem vergleichsweise dünnen Asphaltpaket nach M KRC, bestehend aus 8 cm Asphalttragschicht,5,5 cm Asphaltbinderschicht und einer 3,5 cm starken Deckschicht aus Splittmastixasphalt.
Das Trierer Team des LBM hat schon viele KRC-Maßnahmen ausgeschrieben und mit überzeugenden Ergebnissen umgesetzt. Dabei ging es meistens darum, die Entsorgungskosten für teer- beziehungsweise pechhaltiges Material zu minimieren.