Berlin (ys). – Das Arbeiten in großer Höhe ist und bleibt gefährlich: Im laufenden Jahr haben sich auf deutschen Baustellen bereits 26 tödliche Absturzunfälle ereignet. Vierzehnmal stürzten die Betroffenen von einem Dach..
Damit sind die Zahlen seit 2021 etwa gleich geblieben. Weil sich das Problem im Zuge des Solarbooms und den damit verbundenen Arbeiten auf Dächern noch zu verschärfen droht, haben die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) und der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) in diesen Tagen die Initiative "Sicher auf dem Dach" ins Leben gerufen. Anlässlich einer Online-Pressekonferenz der BG Bau machte Hauptgeschäftsführer Michael Kirsch vor Kurzem deutlich, dass angesichts von bereits 6178 Abstürzen in diesem Jahr Handlungsbedarf besteht: "Jeden Tag stürzen 20 Menschen auf deutschen Baustellen in die Tiefe: von Gerüsten, Leitern, aus Hebebühnen, hochgelegenen Arbeitsplätzen, von beziehungsweise durch Dächer und Dachflächen."
Ein Sturz aus ein bis zwei Meter Höhe könne bereits einen schweren Unfall bedeuten, etwa, wenn der Stürzende auf eine scharfe Kante falle. Kirsch hielt fest, dass hinter jedem Unfall ein Mensch stehe, aber immer auch Familie, Kollegen und Bystander betroffen seien.
Kirsch erklärte außerdem, dass es sich bei 13 der 14 tödlichen Abstürze um Durchstürze ins Gebäudeinnere gehandelt habe und problematisierte die Verwendung nicht durchsturzsicheren Materials auf dem Dach, etwa alte Wellas-bestplatten oder Lichtbänder. Der Hauptgeschäftsführer der BG Bau erinnerte an die Pflicht der Arbeitgeber, Arbeitsunfällen vorzubeugen, und legte nahe, projektbezogene Beratung und Qualifizierungsmaßnahmen der BG Bau in Anspruch zu nehmen. Die Arbeitenden müssten für Gefahren sensibilisiert und zum "Stopp" sagen ermutigt werden.
Ulrich Marx, Hauptgeschäftsführer des ZVDH, wandte sich auch an die Hausbesitzer und Bauherren: "Achtet darauf, wer auf eure Dächer steigt", sagte er, bezugnehmend auf unzureichend qualifiziertes und schlecht ausgestattetes Personal. Nicht-Fachleute stiegen auf Dächer, ohne sich der Gefahren wirklich bewusst zu sein. Es brauche die Zusammenarbeit aller Verantwortungsbewussten, um schwere Unfälle zu vermeiden. André Büschkes, Dachdeckermeister und Mitglied im Vorstand der BG BAU, stellte die Initiative "Sicher auf dem Dach" vor. Diese beinhaltet unter anderem eine Informationskampagne: Für die sozialen Medien sollen kurze Videos und Beiträge produziert werden, die typische Gefahrensituationen auf Dächern aufgreifen und sichere Arbeitsweisen zeigen.
Nach eigenen Angaben hat die BG BAU zudem einen Unterweisungskalender speziell für das Dachdeckerhandwerk entwickelt. Dieser führt mit zwölf Sicherheitsthemen durch das Jahr 2026. Wird der Kalender im Format DIN A2 gut sichtbar im Betrieb ausgehängt, erinnert er die Mitarbeiter bei jedem Vorbeigehen an zentrale Sicherheitsaspekte, die bei Arbeiten auf Dächern wichtig sind. Im Rahmen eines Pilotprojekts werden zunächst 1000 Kalender produziert und ab dem 12. Dezember 2025 an Dachdeckerbetriebe ausgeliefert.