Frankfurt am Main (ABZ). – Business Improvement Districts (BIDs) gewinnen in Deutschland zunehmend an Bedeutung für die Stadtentwicklung. Wie diese Methode funktioniert und welche Erfolge sie vorweisen kann, war Thema eines Fachgesprächs von CoreNet Global (CNG), bei dem Experten über Potenziale und Grenzen des Instruments diskutierten.
Ein BID beschreibt einen räumlich klar abgegrenzten Bereich, in dem sich Grundeigentümer zusammenschließen, um die Standortqualität im eigenen Interesse zu verbessern. Gemeinsam mit Stadtverwaltung und Gewerbetreibenden vereinbaren sie Maßnahmen, die über eine selbst auferlegte Abgabe finanziert werden.
Das Konzept stammt ursprünglich aus Toronto, wo 1970 das erste offizielle BID gegründet wurde. Seit den 2000er-Jahren wird das Modell auch in Deutschland diskutiert – besonders zur Revitalisierung innerstädtischer Quartiere. Voraussetzung für ein BID bilden entsprechende Landesgesetze. Das erste deutsche BID-Gesetz trat 2005 in Hamburg in Kraft. Inzwischen haben elf Bundesländer eigene BID-Regeln verabschiedet.
Der typische Prozess zur Gründung eines BID umfasst laut Benjamin Willi, Projektmanager bei Urbanistic GmbH, mehrere Schritte: Zunächst bildet sich eine Interessengemeinschaft aus Eigentümern und Betreibern, die die Stadtentwicklungsbehörde einbindet. Nach Auswahl eines Aufgabenträgers und Bildung eines Lenkungsausschusses folgen Gesetzeserlass, offizielle und Einrichtung des BID.
Ein BID kommt nur zustande, wenn nicht mehr als 33 % der Eigentümer der betroffenen Grundstücke (nach Zahl und Fläche) widersprechen. Es läuft maximal acht Jahre, dann endet es oder kann verlängert werden. Der große Vorteil gegenüber herkömmlichen Initiativen. "Das Trittbrettfahrerproblem wird vermieden, weil alle mit einbezogen werden, nicht nur die Engagierten", erklärte Willi.
Als Paradebeispiel gilt das BID am Neuen Wall in Hamburg, das bereits in die fünfte Runde gegangen ist. Philip Peemüller, Projektleiter bei der Otto Wulff Placemaking GmbH, berichtete über die Entwicklung dieses Flaggschiff-Projekts, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Eine der wichtigsten ersten Maßnahmen im Jahr 2005 war die Beauftragung eines Landschaftsarchitekten zur Verbesserung des öffentlichen Raums.
In den folgenden Phasen wurden die Aufenthaltsqualität erhalten, die Parkraumbewirtschaftung verbessert und das Standortmarketing verstärkt. Die aktuelle fünfte Phase hat laut Peemüller die Verkehrswende und eine erneute bauliche Anpassung im Blick.
Das Spektrum der BID-Maßnahmen ist vielfältig: Vom Districtmanagement über tägliche Reinigung, Pflanzenpflege und Parkraummanagement bis hin zu saisonalen Veranstaltungen und einem Pagenservice. Laut den Experten sind die Ergebnisse messbar. "Es gibt nachweislich weniger Leerstand", so Peemüller. Zudem zeige das solide Monitoring eine positive Entwicklung der Mieteinnahmen.
Die Hochburgen der BIDs liegen derzeit in Hamburg und Nordrhein-Westfalen, auch Berlin sei stark im Kommen. In Bayern fehlt noch ein entsprechendes Gesetz. Lucas Falter, Geschäftsführer und Partner der Vision Group, betonte: "Obwohl BIDs da, wo sie stattfinden, enorm erfolgreich sind, fehlt die ganz große Sichtbarkeit." Wenn mehr Unternehmen die Methode und vor allem die Gesetzgebung kennen würden, würde es mehr Anträge geben.
Mit Blick auf die Zukunft sehen die Experten Potenzial, BIDs in größeren Maßstäben zu denken – auch für Quartiere außerhalb von Einkaufsstraßen. Der zunehmende ESG-Druck könne zudem helfen, über regulatorische Anforderungen neue Möglichkeiten für BIDs zu schaffen.
Fazit der Diskussion: BIDs sind ein wirksames Instrument zur Quartiersentwicklung – mit Potenzial, aber auch klaren Grenzen. Sie fördern eine bessere Infrastruktur, mehr Grünflächen und eine höhere Aufenthaltsqualität, müssen aber stets an den Standort und die Zielgruppe angepasst werden, heißt es.