Berlin (ABZ). – Das Pariser Architekturbüro ChartierDalix & serp SAS hat den Wettbewerb für das gemischte Stadtquartier „27 ha Möglichkeiten" in Alt-Hohenschönhausen gewonnen. Der Vorhabenträger Zeitgeist Asset Management und der Bezirk stellten den Entwurf kürzlich der Öffentlichkeit vor.
Auf dem rund 27 Hektar großen Areal, das etwa 45 Fußballfeldern entspricht, sollen in verschiedenen Bauabschnitten bis zu 2.500 Wohnungen, Gewerbeflächen, eine Schule, ein Kindergarten und großzügige Grünräume entstehen. Das Gelände weist gegenwärtig überwiegend gewerbliche und mindergenutzte Strukturen auf versiegelten Flächen auf.
„Mit dem Entwurf von ChartierDalix & serp SAS hat die Jury ein Team ausgewählt, das die städtebaulichen Potenziale des Standorts klar erkannt und in ein überzeugendes, zukunftsorientiertes Konzept übersetzt hat", sagte Bernd Neuendorf von Zeitgeist Asset Management. „Das Büro verbindet gestalterische Qualität mit einem feinen Gespür für die Bedürfnisse der Menschen vor Ort – genau diese Balance braucht es für ein lebendiges Quartier, das Alt-Hohenschönhausen langfristig stärkt."
Vielfalt statt Monotonie
Das 2008 von Frédéric Chartier und Pascale Dalix gegründete Architekturbüro versteht Architektur nach eigenen Angaben als „lebendes System", das verschiedene Nutzungsarten vereint. In Paris plant das Büro mehrere Wohn- und Mischnutzungsbauten mit Fokus auf CO2-arme Architektur und urbane Biodiversität.
„Es entsteht um einen Stadtpark herum ein Kiez mit verschiedenen Wohnungsbauten, die damit schöne Ausblicke auf Grünflächen und Wasserbecken haben", erläuterte Leonie Heinrich, verantwortliche Architektin von ChartierDalix. „Kleinere und größere Plätze laden die Bewohner zum Verweilen ein, es entsteht ein kreatives Zentrum mit Künstlerateliers, einer Bibliothek und geschützten Spielflächen für Kinder. Schule und Sporthalle werden aus dem Park heraus erschlossen und wir haben das Ziel verfolgt, mittels beruhigter Wohnstraßen den Verkehr innerhalb des Wohnareals gering zu halten. Dafür sind am Rand Parkhäuser für die Anwohner vorgesehen."
Der Entwurf sieht vor, dass Gewerbehöfe eine zweite Schicht bilden und als Pufferzone zwischen der Gewerbespange im Osten fungieren. So entsteht für die Wohnbebauung zusätzlicher Lärmschutz.
Bestandserhaltung und Nachhaltigkeit
„Wir sind behutsam mit dem erhaltenswerten Bestand umgegangen und haben das sogenannte Sheddach, also die Hallen, erhalten", sagte Heinrich. „In den Erdgeschossflächen sind Einzelhandel und zum Beispiel Cafés geplant. Damit haben wir ein lebendiges Quartier der kurzen Wege geschaffen, in dem alle Bedürfnisse der Bewohner erfüllt werden können."
Das Umwelt- und Energiekonzept umfasst laut Angaben der Planer Fotovoltaik auf den Dächern, Nutzung von Geothermie, die Nutzung von Abwärme vom Datacenter, Regenwassersammelbecken, Naturräume mit immergrünen Pflanzen und Bäumen sowie Vogelbrutstätten und Insektenhotels. Der vorhandene Baumbestand wird in die Planung integriert.
Breite Bürgerbeteiligung
Camilla Schuler, stellvertretende Lichtenberger Bezirksbürgermeisterin und Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, begrüßt das Ergebnis: „Beim neuen Stadtquartier ‚27 ha Möglichkeiten' in Berlin-Lichtenberg zeigt sich deutlich, wie eine zukunftsweisende Stadtentwicklung funktionieren kann. Der Siegerentwurf setzt auf eine benutzerfreundliche Freiraumgestaltung und auf eine belastbare Mischung aus Gewerbe, bezahlbarem Wohnen sowie sozialer und grüner Infrastruktur."
„Dieses von einem breiten Konsens getragene Wettbewerbsergebnis zeugt von einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten", erklärte Maximilian Sepp, Leiter Projektentwicklung bei Zeitgeist. „In zahlreichen Bürgerinformationsveranstaltungen wurden mehr als 100 Vorschläge eingebracht, die zum großen Teil in die Planung eingeflossen sind."
Nach der Wettbewerbsentscheidung wird der Entwurf in planungsrechtliche Vorgaben übersetzt. Die Festsetzung des Bebauungsplans ist nach Angaben der Beteiligten in etwa zwei Jahren geplant.