Berlin (ABZ). – Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) hat zusammen mit dem Berliner Architekten Tobias Nöfer ein Konzept zur Transformation der Friedrichstraße entwickelt. Das Vorhaben soll die traditionsreiche Straße zwischen "Unter den Linden" und "Schützenstraße" gestalterisch aufwerten und funktional verbessern.
Die Friedrichstraße durchzieht als bedeutende Nord-Süd-Achse die Berliner Bezirke Mitte und Kreuzberg. In den vergangenen Jahren wurde sie zum Symbol für verkehrspolitische Diskussionen: Ab 2020 wurde ein Abschnitt als autofreie Zone getestet, was jedoch vom Verwaltungsgericht beanstandet wurde. Nach mehrfachen Änderungen ist die Straße seit Juli 2023 wieder für den Autoverkehr geöffnet.
Das nun vorgestellte Konzept wurde im Roten Rathaus im Rahmen eines Pressegesprächs mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner präsentiert. Anwesend waren unter anderem die Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klima und Umwelt, Ute Bonde, sowie Vertreter des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg und der Gastronomie. Im Mittelpunkt des Konzepts steht laut Nöfer nicht ein radikaler Neubau, sondern die Transformation mit den vorhandenen Gestaltungsmitteln der Berliner Straße.
Der klassische Bürgersteig mit Granitbordstein, Plattenbelägen und Kleinsteinmosaik soll erhalten und verbreitert werden. Die heutigen Stellflächen für den ruhenden Verkehr würden in breite Gehbereiche mit Platz für Cafébestuhlung, Fahrräder, Bäume und konsumfreien Aufenthalt umgewandelt.
Die Verkehrsführung folgt nach Angaben des Architekten einem integrativen Ansatz: Vorgesehen ist ein ruhiger, homogener Verkehrsfluss bei Tempo 30, bei dem alle Nutzergruppen aufeinander Rücksicht nehmen sollen. Die mittige Fahrbahnmarkierung würde entfallen. Stattdessen ist eine 7,5 m breite Fahrspur geplant, die Platz für Lieferverkehr, Taxibetrieb und den ruhigen Begegnungsverkehr bieten soll.
Als gestalterische Veredelung sieht das Konzept ein Muster geometrisch gesetzter Messingsterne im Straßenbelag vor – inspiriert von Karl Friedrich Schinkels Sternenhimmel. "Die Friedrichstraße wird damit nicht einfach funktional optimiert, sondern bekommt ein starkes, würdiges Zeichen in ihrer Mitte", erläutert Nöfer. Zur Verbesserung des Stadtklimas schlägt das Konzept begrünte Pflanztröge mit kleinkronigen, schattenwerfenden Stadtbäumen wie Winterlinden vor.
Die Baumtröge sollen zugleich als massive Sitzgelegenheiten aus Granitborden gestaltet werden. Das Parken am Straßenrand soll entfallen. Nöfer schlägt stattdessen ein kooperatives Parkleitsystem in Zusammenarbeit mit den Garagenbetreibern vor, da in unmittelbarer Nähe hunderte Stellplätze in Tiefgaragen existieren, die derzeit oft leer stehen. "Die Friedrichstraße steht wie kaum eine andere Straße für die komplexe Geschichte Berlins", so Nöfer. "Doch drei Jahrzehnte nach der Umgestaltung wirkt der Straßenraum wie aus der Zeit gefallen: zu schematisch, zu autogerecht, zu unfreundlich und grau." Bürgermeister Wegner bezeichnete die Friedrichstraße als "weit mehr als eine Straße" und als "Symbol für die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit unserer Stadt". Senatorin Bonde bewertete das Konzept als "wertvoller zivilgesellschaftlicher Impuls".